The Hill We Climb – Den Hügel hinauf: Zweisprachige Ausgabe

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Kurzbeschreibung des Verlags:



Mit einem Vorwort von Oprah Winfrey

Mit dem Gedicht »The Hill We Climb – Den Hügel hinauf«, das Amanda Gorman am 20. Januar 2021 bei der Inauguration des 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Joe Biden, vortrug, schenkte eine junge Lyrikerin den Menschen auf der ganzen Welt eine einzigartige Botschaft der Hoffnung und Zuversicht. 
Am 20. Januar 2021 wurde die erst zweiundzwanzigjährige Amanda Gorman zur sechsten und jüngsten Dichterin, die bei der Vereidigung eines US-amerikanischen Präsidenten ein Gedicht vortrug. »The Hill We Climb – Den Hügel hinauf« ist jetzt in der autorisierten zweisprachigen Fassung als kommentierte Sonderausgabe erhältlich. 

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FALTER-Rezension

LOST IN TRANSLATION

Wow!“, entfuhr es dem Sprecher von ABC-News während der Live-Übertragung von Joe Bidens Angelobung, nachdem die letzten hoffnungsfrohen Zeilen von Amanda Gormans Gedicht „The Hill We Climb“ verklungen waren: „For there is always light,/ If only we’re
brave enough to see it,/ If only we’re brave enough to be it.“

Aber was heißt hier Gedicht? Der „Wow!“–Effekt, den Millionen von Menschen verspürt haben, die den Auftritt live verfolgt oder als Aufzeichnung nachgesehen haben, verdankt sich nicht einfach einem Text, der „kein Kunstwerk für die Ewigkeit“ ist, wie Dwight Garner, Buchkritiker der New York Times, anmerkte. Er beruht aber auch nicht nur auf der beeindruckenden Darbietung im Stile einer Spoken-Word-Performance, bei der Gorman ihren Worten durch eine delikate Choreografie der Hände zusätzliches Gewicht verlieh.

Auch Aussehen, Auftreten und Styling Gormans sind integraler Bestandteil des Wow-Effekts, der Liesl Schillinger im Guardian in geradezu glossolalische Verzücktheit versetzte: „Aufrecht wie eine Statue, mit schimmernder, wie polierter Haut und ihrem Haar, dessen golddurchwirkte Cornrows straff von einem rotseidenen Prada-Stirnband umfasst und in Art einer Tiara aufgetürmt waren, evozierte sie das, was die Poetin Kae Tempest die ,Brand New Ancients‘ nennt: die Gottheit, die im Heute unter uns wandelt.“

Wo Schillinger „lyrische Adrenalinschübe zur Wiederbelebung der Demokratie“ diagnostizierte, da verglich NYT-Kritiker Dwight Garner Gormans Performance mit einer Bluttransfusion. Und auch Oprah Winfrey schreibt in ihrem reichlich pathetischen Vorwort zu „The Hill We Climb“ von den „Kadenzen einer Klugheit […], die im Blut pochen, im Takt unserer Herzen schlagen.“

Obwohl hier natürlich alle Kitsch-alarmglocken zu klingeln beginnen, kommt die Körpermetaphorik nicht von ungefähr. Die physische Präsenz der Autorin konstituiert das Ereignis selbst – es hätte schlicht nicht stattgefunden, hätte jemand anderer ­ „The Hill We Climb“ vorgetragen. Das wird auch im Poem selbst zum Thema, wenn Gorman von sich als einem „dünnen Schwarzen Mädchen“ schreibt, das als Nachfahrin von Sklaven „davon träumen kann, Präsidentin zu werden, und/ nun hier, heute, für einen Präsidenten vorträgt“.

Amanda Gorman ist erst die sechste Person in einer Reihe von Dichtern und Dichterinnen, die bei der Amtseinführung von – stets nur demokratischen! – Präsidenten ihre Werke vortrugen. Den Anfang machte im Jänner 1961 der damals schon greise Robert Frost auf Wunsch von John F. Kennedy (der Frost nur um zehn Monate überleben sollte). Nach einer langen Pause war es dann die afroamerikanische Schriftstellerin und Bürgerrechtlerin Maya Angelou – ein Role Model Gormans! –, die 1993 für Bill Clinton „On the Pulse of the Morning“ vortrug. Für seine zweite Inauguration war Clintons Wahl auf Stanley Miller Williams gefallen, Barack Obama hatte sich für die Afroamerikanerin Eli-zabeth Alexander (2009) beziehungsweise Richard Blanco (2013), Sohn von Exilkubanern und offen homosexuell, entschieden.

„The Hill We Climb“ ist Anlasslyrik, die sowohl ganz unmittelbar auf die jüngste politische Situation reagiert als auch historische Stimmen und Ereignisse aufruft. Der Verweis auf jene Kräfte, die mit ihrem Versuch, das Land zu zerstören und die Demokratie zu behindern, fast durchgekommen wären, wurde gleichsam mit heißer Feder eingearbeitet: Während Gorman an dem Gedicht schrieb, versuchte ein Mob von putschistischen Trump-Anhängern, durch den Sturm aufs Kapitol dessen Abwahl zu verhindern.

Davor war Washington, D.C., schon einmal Schauplatz eines hochcharismatischen Auftritts gewesen, der einen Einschnitt in der (afroamerikanischen) Geschichte des Landes markiert. Am 28. August 1963 hatte Martin Luther King auf den Stufen des Lincoln Memorials und vor einer Zuhörerschaft von über 200.000 Menschen seine berühmte Ansprache „I Have a Dream“ gehalten.

Die zu etwa einem Drittel improvisierte Rede, die als eine der herausragenden rhetorischen Performances des 20. Jahrhunderts gilt, klingt in Gormans Gedicht wiederholt und buchstäblich nach. Die mit dem vierfach einsetzenden „We will rise …“ aufgerufene Einheit des ganzen Landes – „von den goldenen Hügeln des Westens“ bis zum „sonnendurchglühten Süden“ – ist die abgespeckte Variante der achtfachen Anapher „Let freedom ring“, mit der King die topografischen Erhebungen des Kontinents vom Gebirgszug der Rockies bis hin zu „jedem Hügel und Maulwurfshügel von Mississippi“ abschreitet; und das alliterative Stakkato der Zeilen „To compose a country committed/ To all cultures, colors, characters,/ And conditions of man“ spielt auf Kings „Traum“ von einer Welt an, in der dessen Kinder „will not be judged by the color of their skin but by the content of their character“.

Im Gestus der Versöhnung und der Beschwörung der Selbstheilungskräfte, dank der die Angehörigen einer zerrissenen Nation wieder zur Einigkeit finden und einer strahlenden Zukunft entgegenschreiten werden, überbietet Amanda Gorman Martin Luther King freilich bei weitem.

Während dieser an das ­uneingelöste Versprechen der Unabhängigkeitserklärung erinnert und mit einer prosaisch-pekuniären Metapher eine Bringschuld einmahnt – „America has given the Negro people a bad check“ –, bleibt das vielfach beschworene „Wir“ in Gormans Gedicht ethnisch unmarkiert.

Keine Rede ist von der von Weißen an Schwarzen verübten Gewalt, die den Satz „Black lives matter“ beschämend nötig gemacht und die gleichnamige Bewegung ins Leben gerufen hat. Stattdessen wird Trumps „America first“ durch ein „Our future first“ überschrieben, das eine friedvolle Koexistenz ermöglichen soll: „We seek harm to none, and harmony for all.“

Die relativ simple Botschaft ist ebenso einfach zu verstehen und bedarf keiner aufwendigen Dekodierung. Wenn Amanda Gorman neben dem Präsidenten und dessen Gattin, der Vizepräsidentin und deren Ehemann „Americans, and the World“ adressiert, dürfen sich alle gemeint fühlen, was die deutsche Übersetzung mit „Bürger*innen Amerikas und der Welt“ noch einmal extradeutlich macht.

Der Verlag Hoffmann und Campe, bei dem „The Hill We Climb / Den Hügel hinauf“ in einer fabulösen Start-
auflage von 50.000 Stück erscheint, hat sich gegen alle Eventualitäten und Einwürfe abgesichert und gleich drei Frauen für die Übersetzung eines Gedichts rekrutiert, das in Standardtypografie locker auf einem Dutzend Seiten Platz hat. Die Politikwissenschaftlerin Kübra Gümüşay hat sich mit ihrem Sachbuch „Sprache und Sein“ einen Namen gemacht; Hadija Haruna-Oelker, eine Woman of Color, ist in der Migrations- und Rassismusforschung tätig; Uda Strätling wuchs in den USA auf und hat unter anderem den polyglotten schwarzen Intellektuellen Teju Cole übersetzt.

Wenn die Übertragung ins Deutsche dennoch alles andere als überzeugend ausgefallen ist, hat das weniger mit Einfühlung, Ethnie oder irgendwelchen unüberbrückbaren kulturellen oder sozialen Differenzen, sondern viel mehr mit jenen zwischen dem Deutschen und dem Englischen zu tun.

Gewiss wäre es mitunter auch weniger betulich gegangen und hätte man „intimidation“ (was so viel wie „Einschüchterung“ und „Bedrohung“ bedeutet) nicht mit „Störmanöver“ übersetzen müssen. Aber das, was den Reiz von Gormans Gedicht tatsächlich ausmacht – Rhythmus, Klang und Prägnanz –, geht fast notwendig verloren.

Die anagrammatische Alliteration von „tired“, „tried“ und „tied“ lässt sich nicht übertragen, und eine „­single mother“ schwillt im Deutschen nun einmal unschön zur „alleinerziehenden Mutter“ an. Man muss freilich die unvermeidliche Vermehrung von Silben nicht auch noch willkürlich forcieren. Wenn aus dem Satz „We are striving to forge our union with purpose“ ein „Wir streben vielmehr nach Verbundenheit,/ gemeinsamen Perspektiven und Zielen“ wird, klingt das eher nach Parteitagsbeschlussprosa als nach gerappter Lyrik.

Klaus Nüchtern in Falter 13/2021 vom 02.04.2021 (S. 32)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783455011784
Sprache Englisch
Erscheinungsdatum 30.03.2021
Umfang 64 Seiten
Genre Belletristik/Lyrik
Format Hardcover
Verlag Hoffmann und Campe
Übersetzung Kübra Gümüsay, Hadija Haruna-Oelker, Uda Strätling
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