Weimar

Glanz und Grauen der deutschen Geschichte
592 Seiten, Hardcover
€ 28,80
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ISBN 9783455021585
Erscheinungsdatum 07.05.2026
Genre Sachbücher/Geschichte/20. Jahrhundert (bis 1945)
Verlag Hoffmann und Campe
Übersetzung Norbert Juraschitz, Henning Dedekind, Marlene Fleißig
LieferzeitLieferbar ab Mai 2026
HerstellerangabenAnzeigen
HOFFMANN UND CAMPE VERLAG GmbH
Harvestehuder Weg 42 | DE-20149 Hamburg
produktsicherheit@hoca.de
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Kurzbeschreibung des Verlags


Weimar: Heimat der deutschen Hochkultur und Epizentrum der Nazi-Barbarei. Wie kein anderer Ort im Land steht Weimar für Licht und Dunkelheit, für das Trauma des 20. Jahrhunderts, das Scheitern der Demokratie. Die renommierte Historikerin und Bestsellerautorin Katja Hoyer versteht es glänzend, Geschichte lebendig werden zu lassen. In ihrem neuen Buch erzählt sie die Geschichte und die Geschichten der Menschen von Weimar – der berühmten und der unbekannten – und zeigt, wie individuelle und gemeinschaftliche Entscheidungen eine Demokratie aufrechterhalten, aber auch zerstören können. Ein außergewöhnliches und hochaktuelles Buch, das auf eindrückliche Weise durchleuchtet, warum es keine Immunität gegen totalitäre Ideologien gibt.


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FALTER-Rezension

Buchenwald war eben auch ein Teil von Weimar

Tessa Szyszkowitz in FALTER 19/2026 vom 06.05.2026 (S. 16)

Eine junge Frau aus Weimar fiel in Ohnmacht, als sie über ihre erste Leiche stieg. Die US-Soldaten, die Buchenwald befreiten, brachten als erste Maßnahme zur Entnazifizierung die Leute aus Weimar in das Konzentrationslager außerhalb ihrer Stadt. Sie sollten sehen, was ihr Drittes Reich verbrochen hatte.
Direkt vor den Toren von Weimar waren 56.000 Menschen umgebracht worden. Anfangs waren die Leichen im Krematorium von Weimar verbrannt worden. Die Überlebenden waren Skelette. Das KZ war irreführend lieblich "Buchenwald" genannt worden, darauf hatten die Weimarer Honoratioren bestanden. Damit ihre Stadt niemals mit dem Grauen des Holocaust in Verbindung gebracht werden würde.

Der Plan ist schiefgegangen. Die britischdeutsche Historikerin Katja Hoyer, deren Buch "Diesseits der Mauer" die DDR-Geschichte aufrollte, zeichnet in "Weimar. Glanz und Grauen der deutschen Geschichte" anhand von Biografien der Bevölkerung die Geschicke der Stadt nach. Von Goethe und Nietzsche zieht sie den Bogen zu Nietzsches Schwester, die sich widerstrebend den Nazis andiente. Und dem jungen Baldur von Schirach, der kräftig mithalf, die Hitlerjugend aufzubauen und den Hitlergruß massentauglich zu machen. Die "Weimarer Republik", der erste Versuch der Deutschen, sich eine Demokratie zu geben, entstand und scheiterte hier.

Die junge Marlene Dietrich trifft auf Alma Mahler, als diese Walter Gropius in der Bauhaus-Stadt besucht. Schon bald darauf setzten die Nazis dem progressiven Treiben ein Ende. Nach Hitlers Machtübernahme übernimmt einer der Gropius-Schüler, der in Buchenwald interniert ist, das Design des Konzentrationslagers. Für den Spruch "Jedem das Seine" am Tor verwendete Franz Ehrlich eine Bauhaus-Schrift.

Autorin Hoyer hat das Stadtarchiv durchforstet und die Hoch-und Tief-Kultur dieser Stadt nicht nur entlang der bekannten Biografien erzählt. Anhand von Briefen einfacher Leute beschreibt sie auch deren Irrungen und Wirrungen.

Carl Weirich führt ein Schreibwarengeschäft von der Kaiserzeit bis in die DDR. In den Zwischenkriegsjahren will er die Nationalsozialisten gut finden, weil er auf eine Zukunft hofft. Als die jüdischen Geschäfte zerstört und die Besitzer aus der Stadt verschwinden, hilft Weirich ihnen nicht. Jeden Sonntag geht er auf dem Ettersberg vor Weimar wandern und notiert, das Ausflugsgebiet sei "vom Konzentrationslager stark beeinträchtigt".

Das Buch selbst schließt 1945, als Weirich fassungslos in einer zerbombten Stadt steht, sein Haus zerstört, seine Existenz ruiniert. In Buchenwald wird er mit der Unmenschlichkeit konfrontiert, er muss dort bei den Aufräumarbeiten helfen.

Die eigentliche Katastrophe aber kommt für ihn 1947. Sein Sohn Wilhelm, der als Soldat den Krieg überstanden hatte, wird von den Sowjets, die Thüringen übernehmen, in ein Entnazifizierungscamp gesteckt und stirbt dort.

Eine packende Zeitreise, die mit Schwung in der Gegenwart endet. Katja Hoyer, die selbst in Ostdeutschland aufgewachsen ist, zeigt nicht zufällig auf, wie eine kultivierte Gesellschaft in die Barbarei kippt. "Angesichts der drohenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Instabilität geistert das Gespenst von ,Weimar' erneut durch Deutschland", schreibt die Autorin.

Heute kann man in Thüringen den schier unaufhaltsamen Aufstieg der rechtsextremen AfD beobachten. 24 Prozent der Weimarer haben nichts aus ihrer Geschichte gelernt. Sie stimmten für die AfD.

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