
Kirstin Breitenfellner in FALTER 6/2026 vom 04.02.2026 (S. 28)
Die Kunstmärchen Oscar Wildes zählen zu den späten Vertretern des im 19. Jahrhundert beliebten Genres. Auch in ihnen gibt es Prinzessinnen, Könige, sprechende Tiere und Blumen. Obwohl ihnen nicht zuletzt wegen der opulenten Beschreibung eleganter Räume und Gärten, Stoffe und Dinge eine gewisse Dekadenz anhaftet, sind sie durchaus sozialkritisch.
Während im Volksmärchen nur für hübsche Mädchen eine gewisse soziale Durchlässigkeit nach oben herrscht, werden hier die ungerechten Verhältnisse selbst zum Thema. Etwa wenn der junge Prinz vor seiner Krönung träumt, wie die edlen Utensilien, die er dafür braucht, wirklich produziert werden. Oder wenn der missgestaltete Sohn des Köhlers, der für die Prinzessin getanzt hat, an ihrem Spott stirbt. Altmeisterlich illustriert von Julia Plath.


