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| Themen | Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch |
|---|---|
| ISBN | 9783462002621 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 13.08.2026 |
| Größe | 20.5 x 12.5 cm |
| Verlag | Kiepenheuer & Witsch |
| Sammlung | Unsere Bestseller Literatur aus Österreich Besser lesen mit dem FALTER - Die Bücher zum Podcast Folge 151- |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Verlag Kiepenheuer & Witsch GmbH & Co. KG Bahnhofsvorplatz 1 | DE-50667 Köln produktsicherheit@kiwi-verlag.de |
Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen. Die nötige Hilfe ist quasi vom Himmel gefallen, Alla und Bolek aus Polen, zwei Kettenraucher, die alles können. Die Renovierungen und Rückschläge, die geplatzten Wasserleitungen und die Bosheiten der benachbarten Schrebergärtner lösen viele Erinnerungen und neue Erkenntnisse aus – und so manche Fallstricke der deutsch-deutschen Geschichte nimmt die Erzählerin womöglich genauer wahr, als Wienerin in der doppelten Fremde. Dann beschließt sie, das geliebte Haus zu verkaufen, um noch einmal aus- und aufzubrechen aus ihrer »stabilen Alleinruhelage«. Eva Menasse hat einen vielschichtigen Roman über die Zwischenbilanz eines Lebens geschrieben, eine gewitzte Reflexion über Fremdheit und Heimat – und das Abschiednehmen.
| Themen | Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch |
|---|---|
| ISBN | 9783462002621 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 13.08.2026 |
| Größe | 20.5 x 12.5 cm |
| Verlag | Kiepenheuer & Witsch |
| Sammlung | Unsere Bestseller Literatur aus Österreich Besser lesen mit dem FALTER - Die Bücher zum Podcast Folge 151- |
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Klaus Nüchtern in FALTER 33/2026 vom 12.08.2026 (S. 28)
Es gehört zu meinem Glücke, kein Hausbesitzer zu sein", schrieb Friedrich Nietzsche. Von solcher Einsicht ist die Ich-Erzählerin aus Eva Menasses jüngstem Roman naturgemäß weit entfernt, als sie mit ihrem Mann ein Haus in Mecklenburg-Vorpommern erwirbt -unglaublich günstig, mit Garten und in Seenähe sowie: "in Alleinruhelage -wie man in Österreich sagt", so behauptet jedenfalls die Protagonistin.
Die ist sichtlich als Alter Ego der Autorin konzipiert, teilt mit der in Berlin lebenden Schriftstellerin nicht nur Beruf und Wohnort, sondern auch Herkunft und Familie. Diese hatte Menasse schon in ihrem Debüt "Vienna" als Quelle für Geschichten und G'schichterln genutzt und setzt sie nun auch in "Alleinruhelage" in ausführlichen Rückblenden auf Kindheit und Jugend der Erzählerin in Szene.
Der Folklore-Bonus, auf den man als Österreicherin in Deutschland zählen darf, will genutzt werden, und die Autorin tut dies sichtlich mit Gusto. Dort, wo sie herkommt, erklärt sie, führe man "Schmäh", sage "Veitchii" zum Wilden Wein und schlage vor, "auf einen Kaffee zu gehen [ ], wenn man etwas nicht überfrachten will".
Dabei verwechselt die Protagonistin allerdings ihr Herkunftsland mit dessen Hauptstadt; denn dass man "in Österreich" - Wels? Judenburg? Rankweil? - jemandem "eine Goschn anhängt" oder "a schware Partie" durchleidet, entbehrt jeder dialektologischen Evidenz.
Zur Dünkelhaftigkeit steigert sich diese Renommiererei mit den eigenen Roots dort, wo sich "alt gewordene Ösi-Mädels" im Rahmen eines Sommerfestes im Haus am See als exorbitant gute Köchinnen erweisen, während es die Berliner Freunde gerade einmal schaffen, "anständigen österreichischen Wein" mitzubringen. Heitere Herablassung erfahren auch die indigenen Ostler, die die Datschen von Vogelsang (so der Name des Ortes) in Besitz genommen und ein misstrauisch-missmutiges Mein-Heim-ist-mein-Carport-Regime aufgezogen haben.
In Referenz auf die hypererfolgreiche französische Provinzposse "Willkommen bei den Sch'tis" werden sie stets als "die Sch'tis" adressiert; ein Kollektiv, von dem sich allenfalls eine "rote Socke" von Senioren-Beau namens Paul abhebt, der den zugereisten Neo-Vogelsangern zur Hand geht, der aber symbolträchtig just in dem Moment stirbt, in dem auch die Beziehung der Erzählerin in die Brüche geht.
"Alleinruhelage" ist Abgesang und Abschiednehmen von der wiederholt in der zweiten Person angesprochenen Wohnstatt ("Du, Haus") und dem Lebensabschnitt, der sich darin ereignet hat und der nun an sein Ende gelangt ist. Über das Haus erfährt man in zahlreichen renovatorischen Details ziemlich viel, die verendete Liebe indes bleibt seltsam vage.
Wobei sich die Frage aufdrängt, was die Frau über viele Jahre an der Seite dieses Mannes gehalten hat, mit dem sie dann noch einen gemeinsamen Sohn in die Welt setzt (beide haben je ein Kind aus einer vorangegangenen Beziehung). Denn neben völlig erratischem Verhalten hat dieser eigentlich nur einen "Waschbärblick", einen gut riechenden Bauch und komfortable Haptik fürs "Knäuelschlafen" aufzuweisen.
Das Pathos, das ein "inniges Wir" oder "die bleiche Leiche unserer großen Liebe" beschwört, wirkt aufgesetzt; so wie in dem Roman überhaupt viel behauptet, erklärt und referiert, aber - abseits der Anekdoten über Mama, Papa, Onkel Walter und Tante Hupfi (beide nicht blutsverwandt) oder die Fährnisse von Mutterschaft und Kindererziehung - wenig erzählt wird.
Dabei ist der verbale Aufwand, den die Erzählerin betreibt, beträchtlich. Das Glück ist bekanntlich ein Vogerl; bei Menasse fliegt es weg "wie die morgendlichen Rehe in ihrem gestreckten Sprung". Wühlmäuse sind "wie Maulwürfe auf Anabolika", Spechte eine "tierische Metapher für Leute, die schreiben"; und während sich "eine in Lila explodierte Clematis [ ] um alles gewickelt hatte wie die Federboa um die Arme und Beine einer Tänzerin", ist die "Achillesferse" des Hauses auch noch "flüssig", weil: "Dass die Abwassergrube überlaufen könnte, war das Damoklesschwert, das über jedem Sommer hing." Mit anderen Worten und auf gut Wienerisch: Die Prosa von "Alleinruhelage" ist so "aufgemascherlt" wie der Aufsatz einer Gymnasiastin, die ihren Deutschlehrer beeindrucken will
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