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| Themen | Biographie, Literatur und Literaturwissenschaft Biografien und Sachliteratur Allgemein Kunst und Unterhaltung |
|---|---|
| ISBN | 9783462055306 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 13.08.2026 |
| Größe | 19 x 11.5 cm |
| Verlag | Kiepenheuer & Witsch |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Verlag Kiepenheuer & Witsch GmbH & Co. KG Bahnhofsvorplatz 1 | DE-50667 Köln produktsicherheit@kiwi-verlag.de |
Ein Plädoyer gegen Schwarz-Weiß-Denken und für den Versuch eines Miteinanders, wenn die Gegensätze unüberwindbar scheinen. Keine einfachen Antworten, aber ein offenherziger und selbstkritischer Versuch, herauszufinden, was jetzt noch einen Unterschied machen könnte. Nach vielen Jahren in Rostock kehrt Monchi, Sänger von Feine Sahne Fischfilet, in die vorpommersche Provinz zurück. Als bei der Bundestagswahl 54 Prozent der Stimmen in seinem Geburtsort, wo er fast jeden kennt, an die AfD gehen, kann er es kaum fassen. Dabei weiß Monchi längst: Ein Leben hier funktioniert nur neben- und miteinander, trotz aller Kontraste. Die Kneipe, in der die Band ihr Festival plant, wird auch für den AfD-Stammtisch genutzt. Auf dem Grundstück neben dem Proberaum wurde eine schwarz-weiß-rote Flagge gehisst. Aber die verschiedensten Menschen helfen mit, als ein Skatepark für die Jugend gebaut wird. Welche Ängste haben sie, welche Hoffnungen? Wie kann man es schaffen, trotz allem optimistisch in die Zukunft zu schauen? Monchi will bleiben, wo sich schon so viele verabschiedet haben, will vor Ort etwas bewegen. Um hoffentlich dort alt werden zu können, wo er es so sehr liebt wie nirgends sonst.
| Themen | Biographie, Literatur und Literaturwissenschaft Biografien und Sachliteratur Allgemein Kunst und Unterhaltung |
|---|---|
| ISBN | 9783462055306 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 13.08.2026 |
| Größe | 19 x 11.5 cm |
| Verlag | Kiepenheuer & Witsch |
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Gerhard Stöger in FALTER 36/2026 vom 02.09.2026 (S. 26)
Die AfD wählen, weil alle anderen Parteien arriviert, korrupt, weltfremd oder einfach gefühlt zu nichts gut sind? Landen politische Debatten an diesem Punkt, bringt Jan Gorkow gern einen seiner markigen Sprüche. "Nur weil das Bier am Tresen schal schmeckt, geht man auch nicht aus der Pissrinne saufen", argumentiert er dann gegen die radikal rechte Option.
Einst als Sänger und großmäuliges Sprachrohr der Punkband Feine Sahne Fischfilet ins Rampenlicht gestolpert, drischt Gorkow, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Monchi, heute keine Parolen mehr gegen den Staat und dessen Organe. Stattdessen kämpft er im Lager der Demokratieschützer, und genau davon handelt auch sein neues Buch "Jenseits der Brandmauer".
Aus dem Leben im 3000-Seelen-Dorf Jarmen in der ostdeutschen Provinz erzählt er darin -54 Prozent haben dort bei der letzten deutschen Bundestagswahl ihr Kreuz bei der AfD gemacht. Über Hoffnungen und Träume schreibt Monchi; über erhaltene Morddrohungen und sonstige unschöne Realitäten; über kleinere und größere Triumphe; über Sorgen und Zweifel, vor allem aber über den Glauben ans Gute und die Kraft der Liebe. Der Liebe zu seiner kleinen Tochter, der Liebe zu den Menschen und nicht zuletzt zum Heimatort in Mecklenburg-Vorpommern, in den er vor einiger Zeit nach Jahren in Rostock zurückgezogen ist.
Und zwar ganz bewusst: "Ich bleibe nicht in erster Linie hier, um etwas gegen die AfD zu unternehmen, sondern weil ich es hier liebe. Und Liebe ist nicht immer einfach. Aber dafür, dass ich weiter lieben kann, werde ich mich reinhängen. Dafür stehe ich mit meinem schlechten Ruf."
In jungen Jahren war Monchi ein ziemliches Häferl. Genau genommen fiel der Anhänger des Fußballvereins Hansa Rostock sogar in die Kategorie "veritabler Fetznschädl", um im Wiener Idiom zu bleiben. Den Höherespektive Tiefpunkt hatte seine jugendliche Hooligan-Karriere erreicht, als Gorkow ein Polizeiauto abfackelte und dabei erwischt wurde.
18 war er damals, ein bisschen ein Häferl ist Monchi 20 Jahre später immer noch. Einer, der Action sucht, gern dem Bauchgefühl folgt und das Herz auf der Zunge trägt. Aber er ist längst ein reflektiertes Häferl. Und als erfolgreicher Künstler eine prominente Stimme, nicht zuletzt, um Auskunft zu geben über ostdeutsche Befindlichkeiten.
2004 gegründet, spielte sich Feine Sahne Fischfilet über die Jahre von einer Hanswurst-Truppe zu Festival-Headlinern hoch. Die Musik des Quintetts ist eingängig und schlicht, die Texte handeln vom Partymachen, beziehen aber politisch immer wieder klar Stellung.
Das tut Monchi auch mit dem neuen Buch. Sein Debüt als Autor, "Niemals satt. Über den Hunger aufs Leben und 182 Kilo auf der Waage", zeigte 2022 bereits: Der Mann schreibt, wie er singt und bei öffentlichen Auftritten spricht. Direkt, ohne Schnörkel, der Provokation nicht abgeneigt und dabei doch auf rührende Art um Vermittlung bemüht.
Sein "Brandmauer"-Buch hat er innerhalb weniger Wochen verfasst. Aufgeschrieben wurde, was ihm beim Nachdenken über den deutschen Osten, die politische Entwicklung und sein Leben gerade durch die Birne gerauscht ist. Und zwar genau so, wie es impulsiv aus ihm herauskam.
Nicht alles ist gänzlich ausgegoren, manches unsauber und redundant, und zwischendurch erschöpft sich die flapsige Sprache auch einmal. Preis für politische Theorie wird "Jenseits der Brandmauer" daher keinen gewinnen, in der Kategorie "Alltagspraxis eines empathischen Humanisten unter erschwerten Bedingungen" ist dieser leidenschaftliche und ungefiltert direkte Text jedoch ein Buch der Stunde. "Ich bin ein ,antifaschistischer Lokalpatriot'", heißt es an einer Stelle. "Habe ich so zwar noch nie gehört, aber das wäre ein Label, mit dem ich mich identifizieren kann."
Monchi distanziert sich wohlbegründet von linksradikaler Folklore; an die Stelle alter Gewissheiten treten neue Erkenntnisse, Überlegungen und Fragen. Der vieldiskutierten Brandmauer erteilt er eine Absage, die er, wie so vieles, aus seiner Lebenspraxis heraus argumentiert: Niemand ließe sich durch einen Boykott der AfD abhalten, sein Kreuz bei der Partei zu setzen; wer sich für Menschen einsetze, erreiche ungleich mehr als jene, die gegen Parteien kämpfen.
Keine Petitionen, kein besorgter Wahlaufruf und keine Demo werde den Siegeszug der AfD stoppen, meint er. Die einzige Chance liege darin, vor Ort Alternativen anzubieten, ins Gespräch zu kommen, das Verbindende zu suchen. "Geht nicht weg, sondern kommt her in die Dörfer", lautet der zentrale Appell; unterfüttert mit Beispielen, was eine Handvoll Leute bewegen können, wenn sie das Handeln in den Vordergrund stellen, nicht das Theoretisieren. "Was reißen", wie Monchi es nennt.
"Nicht nur das Meckern ist ansteckend, sondern auch das Machen", lautet sein positives Fazit. "Mal mehr, mal weniger, aber: Wir lieben es hier. Das zu verkörpern und zu leben ist tausendmal wichtiger als jede schlaue Politparole."
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