Was bei uns bleibt

Roman
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Kurzbeschreibung des Verlags:


Klara hat Hirtenberg nie vergessen. Wie stolz sie war, als sie im Jahr 1944 in der kleinen Gemeinde ankam, um in der Munitionsfabrik ihren Beitrag zum Sieg zu leisten. Wie sie unter den Arbeiterinnen trotz Angst und Entbehrungen auch Nähe fand. Erst als alte Frau spürt sie, dass sie für ihren Enkel Luis aussprechen muss, was damals geschah. Denn die Ereignisse reichen bis weit in sein Leben hinein. Sie erzählt von den Aufseherinnen, vom Lager, das über Nacht errichtet wurde, von der Freundschaft und dem Schicksal der Frauen und den letzten langen Tagen des Kriegs, die ihr Leben verändern sollten.

Ein Generationenroman vom Verschweigen und Erinnern

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FALTER-Rezension

Kriegswichtige Patronenfrau

In Didi Drobnas Roman „Was bei uns bleibt“ wirken die Traumata der Nazi-Zeit bis in die Enkelgeneration fort

Und irgendwas war immer, das man noch verlieren konnte.“ Klara ist nur der Enkel geblieben. Der stille Luis arbeitet hart, um die gemeinsam bewohnte Keusche vor dem Verfall zu retten. Dann tritt er beim Heidelbeerbrocken in eine alte Fuchsfalle. Die Großmutter mobilisiert ein letztes Mal ihre Kräfte, um ihn ins Krankenhaus zu bringen. So beginnt eine Geschichte in rustikalen Settings, die auch ihre beschaulichen Seiten hat. Mit der neuen Sehnsucht nach dem Leben im Grünen hat Didi Drobnas dritter Roman aber zum Glück wenig zu tun.

Man lebt in einem niederösterreichischen Dorf mit Garten, Hühnern und Wäldern. An Luis’ Rettung sind auch der Nachbar Horst und seine Tochter Dora beteiligt. Der Wildfang ist die Enkelin einer „Wolfsfrau“, eines Flüchtlingskindes, das sich nach der Vertreibung der Deutschen 1945 drei Jahre lang allein in den Wäldern durchgebracht hatte. Ihre Rohheit überspringt eine Generation und tritt nach der Trennung der Eltern in der Zwölfjährigen zutage: „Ein Pack wilder Hunde wohnte in diesem Mädchen.“

Dora ist von scharfem Verstand. Angesichts des ans Kreuz geschlagenen Messias über dem Bett der Nachbarin denkt sie: „Aber so wie Klara waren doch viele alte Leute: Sie fanden sich nicht im Schönen, sondern im Schweren wieder.“

Vier Menschen mit je eigenen Problemen beginnen sich umeinander zu kümmern. Alle Generationen sind auf ihre Art erschöpft. Eine billige Version von „Zusammen ist man weniger allein“ wird daraus aber nicht. Klara lässt immer mehr nach. „Bald bin ich neugierig auf etwas anderes.“

Je weiter sie sich aus der Gegenwart zurückzieht, desto stärker werden die Erinnerungen. Rückblenden erzählen von ihrer Jugend, als sie in der Munitionsfabrik Hirtenberg das Todeshandwerk der Wehrmacht unterstützte. Zuerst ohne zu klagen, denn „den Hunger los zu sein, war eine Freude, die sich nicht abnutzte“.

Hier ist sie „kriegswichtige Patronenfrau“ und hilft, das tägliche Plansoll von einer Million „Parabellum“ zu erfüllen. Als 1944 auf dem Gelände die Waffen-SS ein Außenlager von Mauthausen errichtet und Klara die Zwangsarbeiterin Lujza zugeteilt wird, gehen ihr endlich die Augen auf. Den finalen Kollaps des Regimes und den fanatischen Willen, die Frauen auf einem Todesmarsch ins KZ zurückzutreiben, bekommt sie am eigenen Leib zu spüren.

Wenn du Krieg willst, produziere Waffen; das für die Parabellum-Patronen namensgebende si vis pacem, para bellum ist an Verlogenheit schwer zu überbieten.

Das Rüstungswerk im Triestingtal ist natürlich keine Fiktion. Erst 2019 verkaufte die Hirtenberger Holding die Sparte Munition nach Ungarn. Drobna hat die Firmengeschichte genau recherchiert und mit Zeitzeuginnen in der Slowakei und in Österreich gesprochen. Nach den ersten Fliegerangriffen der Alliierten und dem Nahen der Ostfront wurde die Fabrik evakuiert. Der Sonderzug voller Munition und Maschinen hat die „Alpenfestung“ nie erreicht, sondern wurde beim Bombardement Attnang-Puchheims zerstört.

Didi Drobna, 1988 in Bratislava geboren, lebt seit 1991 in Wien, arbeitet als Schriftstellerin und in einem IT-Forschungszentrum. Ihr Roman ist konventionell, aber gut erzählt. Das Sujet ist nicht neu, aber relevant und um feministische Aspekte erweitert. Der Titel verweist auf eine Ambivalenz: Es bleiben die Traumata, es bleiben aber auch die Menschen.

Drobnas Literatur kreist immer wieder um Familien und ihr Scheitern, um das Alleinsein in der Gemeinschaft. Viel ist schon über das dunkle Erbe geschrieben worden, sehr lange wurde unterschätzt, dass sich das Erleben des Krieges psychisch und epigenetisch bis in die Enkelgeneration auswirkt, deren Eltern ja von den Nazis und deren Opfern „erzogen“ worden waren. Tröstlich: Die Generationen X und Y werden die ersten sein, die keine alten Nazi-Opas mehr in ihr Familienbild integrieren müssen.

Dominika Meindl in Falter 42/2021 vom 22.10.2021 (S. 14)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783492070522
Ausgabe 2
Erscheinungsdatum 01.09.2021
Umfang 256 Seiten
Genre Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Format Hardcover
Verlag Piper
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