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| Themen | Geschichte und Archäologie Geschichte Antike |
|---|---|
| ISBN | 9783492074469 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 03.07.2026 |
| Größe | 22 x 13.8 cm |
| Verlag | Piper |
| Übersetzung | Claudia Kotte |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Piper Verlag GmbH Georgenstraße 4 | DE-80799 München info@piper.de |
Um 83 v. Chr. geboren, lebte Fulvia zur Zeit von Cäsar und Kleopatra – und gehörte zu den ganz wenigen Frauen des römischen Reiches, die enorm viel Macht und Einfluss hatten. Bekannt ist sie zwar aus antiken Quellen, doch fast immer als Zerrbild durch die Feder ihrer männlichen Feinde: habgierig, grausam, eigensinnig, unweiblich. Ein Ruf, der sich über Jahrhunderte festgesetzt hat, bis hin zu der Legende, sie habe nach Ciceros Tod seine Zunge mit Haarnadeln durchstochen.
Die britische Historikerin Jane Draycott spürt der Fulvia hinter den Diffamierungen nach. Sie liest die Texte von Fulvias Gegnern kritisch, ordnet sie politisch ein und lässt dabei das alte Rom auferstehen. Sie erzählt von Fulvias Aufstieg an die Spitze der Macht, von ihren strategischen Bündnissen und ihrem außergewöhnlichen Charisma.
So entsteht das faszinierende Porträt einer Frau, die nicht gefallen wollte, sondern ihr Leben und ihren Aufstieg selbst gestaltete: vielleicht hart, sicher klug – und politisch gefährlich genug, um bis heute missverstanden zu werden.
| Themen | Geschichte und Archäologie Geschichte Antike |
|---|---|
| ISBN | 9783492074469 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 03.07.2026 |
| Größe | 22 x 13.8 cm |
| Verlag | Piper |
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Georg Renöckl in FALTER 41/2026 vom 07.10.2026 (S. 38)
Den römischen Staatsmann Cicero kennen viele aus dem Lateinunterricht als glänzenden Rhetoriker. Dass der formvollendete Redner wegen einer unüberlegten Äußerung sterben sollte, ist nicht frei von böser Ironie. Als Cicero nach dem Mord an Julius Caesar öffentlich bedauerte, dass Caesars Parteigänger Marcus Antonius am Leben geblieben war, ließ ihn dieser kurzerhand zerstückeln. Kopf und Hände wurden zur Abschreckung öffentlich ausgestellt. Antonius’ Ehefrau Fulvia bespuckte den abgeschnittenen Kopf und durchbohrte die Zunge des toten Redners mit ihrer Haarnadel.
Was wir heute schockierend finden, war in der späten römischen Republik nicht ungewöhnlich, erklärt Jane Draycott, Historikerin der Universität Glasgow, die Fulvia eine Biografie mit dem Untertitel „Die Frau, die im alten Rom alle Regeln brach“ widmet. Fulvias Haarnadel-Voodoo sei keiner der Regelbrüche. Sie sei damit bloß einem Fluchritual gefolgt. „So wie Cicero Fulvia einst vorwarf, ein Fluch für ihre Ehemänner zu sein, kehrte sie den Vorwurf nun gegen ihn. Sie holte sich ihre Macht zurück.“ Beim Umgang mit unterlegenen Gegnern war man nun einmal nicht zimperlich.
Fulvia wird um 80 vor Christus als Einzelkind in beste Verhältnisse geboren und erhält eine gediegene Ausbildung: „Ihr Haus war erfüllt von Gesprächen, Debatten, Gedichtrezitationen, Musik und Gesang.“ Sie heiratet zunächst Clodius, einen Mann aus alter Noblesse, aber ein politischer Rowdy. Als er Volkstribun wird, lässt er die Häuser seines Intimfeindes Cicero niederbrennen. Als Rache wirft Cicero ihm und seiner Familie sexuelle Eskapaden vor und gibt sie so dem Spott preis.
Die ehrgeizige Fulvia machte sich viele weitere einflussreiche Feinde, die ihren Ruf über ihren Tod hinaus bestimmten. Dabei stand sie ihren drei Ehemännern treu zur Seite und schenkte ihnen je mindestens einen Sohn. Das Problem waren die Männer selbst: Der erste, Clodius, terrorisierte Rom mit seinen Schlägertrupps, ehe er selbst ermordet wurde. Der zweite, ein ehrgeiziger General Caesars, wurde nach einer desaströsen Niederlage geköpft. Und Ehemann Nummer drei, Marcus Antonius, unterlag im Bürgerkrieg seinem Rivalen Octavian, dem späteren Kaiser Augustus.
Ein positives Bild der Frau von Augustus’ Rivalen wollte danach niemand mehr zeichnen. Fulvia hatte die Öffentlichkeit immer wieder vor den Kopf gestoßen. So hatte sie sich während der Kämpfe zwischen Octavian und ihrem Mann Antonius selbst mit umgeschnalltem Schwert gezeigt. Draycott: „Frauen wie Fulvia, die ihre Männer stark beeinflussten, boten eine willkommene Angriffsfläche, um der Unweiblichkeit bezichtigt zu werden, während man ihren Männern gleichzeitig Unmännlichkeit vorwarf.“
Wie erbittert Fulvia bekämpft wurde, zeigt eine Szene aus dem Bürgerkrieg nach Caesars Ermordung. In Perugia hatten Fulvia und ihr Schwager Truppen zusammengezogen, die Octavians Armee belagerte. Geschosse, die man ins feindliche Lager feuerte, wurden oft mit obszönen Sprüchen versehen. Zweideutig „Eicheln“ genannte Bleigeschosse forderten den Gegner etwa auf, die Pobacken auseinanderzuziehen. Für Octavians Soldaten hieß dieser Gegner Fulvia, wie gefundene Schleuderbleie zeigen. Auch die Klitoris der Angegriffenen wurde auf den Munitionsteilen verbal ins Visier genommen – für die Autorin eine Ehrenbekundung: „Wie diese Inschriften zeigen, war Fulvia in den Augen der Soldaten den männlichen Verbündeten ebenbürtig. Daher überzogen sie sie ebenso heftig mit Spott und anzüglichen Bemerkungen.“
Scheinbar beiläufig erzählt Draycott auch von anderen Frauenschicksalen im alten Rom. Nicht immer ist es angesichts der mäandernden Erzählweise leicht, die Übersicht zu behalten. Dennoch entsteht so das Porträt einer Zeit, in der ein erstaunlich liberaler Umgang mit Patchwork-Familien und Polyamorie auf archaische Brutalität trifft. Beide Aspekte verkörpert Fulvia.
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