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Afrika
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| Themen | Belletristik Historischer Roman |
|---|---|
| ISBN | 9783498003883 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 06.11.2026 |
| Größe | 21 x 13.4 cm |
| Verlag | Rowohlt |
| Lieferzeit | Erscheint am 06.11.2026 |
| Herstellerangaben | Anzeigen Rowohlt Verlag GmbH Kirchenallee 19 | DE-20099 Hamburg produktsicherheit@rowohlt.de |
Im Winter 1884 versammeln sich auf Einladung Bismarcks die großen Mächte zu einer Konferenz, auf der ein ganzer Kontinent mit all seinen Reichtümern aufgeteilt werden soll: Afrika. Es geht um die Errettung der Eingeborenen aus Heidentum und Sklaverei – doch wer sagt, dass man an guten Taten nicht auch bestens verdienen darf?
Österreich wird von Legationsrat Strinetzky vertreten, denn der Botschafter ist verhindert: Franz Liszt hat ihm ein Pianostück gewidmet, er muss üben. Strinetzky hat jedoch ganz andere Probleme. Um die Affäre mit einer Aktrice zu finanzieren, hat er beträchtliche Gelder an einen fiktiven Gutachter namens «Doktor Waldbach» fließen lassen. In Berlin taucht nun auf einmal ein echter Waldbach auf. Der Betrug droht aufzufliegen, Strinetzky muss dringend 5.000 Gulden auftreiben. Und dann beleidigt er noch aus Versehen einen preußischen Offizier, der ihn zum Duell im Grunewald fordert.
Mit derlei Sorgen im Nacken irrt der Legationsrat über das diplomatische Parkett, wo sich die internationalen Mächte belauern. Unversehens macht die Not aus Strinetzky einen gerissenen Verhandler – mit weltpolitischen Folgen.
| Themen | Belletristik Historischer Roman |
|---|---|
| ISBN | 9783498003883 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 06.11.2026 |
| Größe | 21 x 13.4 cm |
| Verlag | Rowohlt |
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Sebastian Fasthuber in FALTER 45/2026 vom 04.11.2026 (S. 30)
Der Kongress tanzt. Kleine schwarze Buben in bunten Röcken treten auf, um die hohe Diplomatie in Berlin zu unterhalten. Sie sorgen für Amüsement, während sich die westliche Welt auf der Kongo-Konferenz den afrikanischen Kontinent aufteilt.
Da fällt dem US-amerikanischen Botschafter auf, dass die Kinder weiße Füße haben. Man hat ein paar Straßenbuben engagiert und ihre Gesichter schwarz angemalt, um das Publikum zu unterhalten.
"Afrika" heißt der neue Roman von Daniel Kehlmann. Er basiert auf einem traurigen Witz: Afrika kommt darin weder vor noch zu Wort. Lediglich der Afrodeutsche August Sabac el Cher tritt in einer Nebenrolle auf. Er ist eine reale historische Figur, wurde als Kind dem preußischen Prinzen Albrecht als Geschenk überreicht und war später dessen Kammerdiener. An der Konferenz nahm freilich auch er nicht teil.
Kehlmann ist bekannt dafür, akribisch zu recherchieren. Seinen Romanen geht jahrelange Lektüre von Fachbüchern, Biografien und Briefwechseln voraus. Hat er die Materie einmal durchdrungen, nimmt er sich gern die Freiheit, die Fakten bei der literarischen Ausgestaltung zu verfremden.
Als Protagonist wählt er eine fiktive Figur, die an Afrika keinen Gedanken verschwendet. Der österreichische Legationsrat Gustav von Strinetzky landet nur durch Zufall auf der Konferenz. Er vertritt den Botschafter, weil dieser Wichtigeres zu tun hat, als über "Grenzen im Urwald" zu verhandeln: Er muss Klavier üben. Franz Liszt hat ihm ein Stück gewidmet, das der Diplomat demnächst öffentlich vortragen will. Leider übersteigt es seine Fähigkeiten als Pianist.
Legationsrat Strinetzky hat zudem eigene Sorgen. In Wien unterhielt er eine sehr teure Affäre mit einer jungen Schauspielerin. Am Ende musste er dafür sogar öffentliche Gelder abzweigen. Er erfand einen Gutachter namens Dr. Waldbach, der für ihn die Welt bereiste und horrende Spesenabrechnungen stellte, um Mitzis anspruchsvolle Wünsche erfüllen zu können.
Nach dem Ende der Affäre lässt Strinetzky sich nach Berlin versetzen, um seine Ruhe zu haben. Dass dort ein echter Dr. Waldbach auftaucht, bringt ihn in Erklärungsnot. Das veruntreute Geld ist futsch. Sein größeres Problem ist aber das drohende Duell mit einem preußischen Offizier.
"Afrika" erzählt mit großem Gespür für Komik 24 Stunden im Leben des Legationsrats -womöglich sind es ja seine letzten. Die Innenansicht der Figur fördert zwar wenig Spannendes zutage. Wie auch? Kehlmann zeichnet Strinetzky als Einfaltspinsel, der sich nur mit ein paar kommunikativen Taschenspielertricks, die er auf der Diplomatischen Akademie gelernt hat, durchschlägt. Die Kunst, in Gesprächen nichts von Belang zu sagen, beherrscht der Österreicher dafür mit Bravour. Er weicht aus und lenkt ab. Versteht er sein Gegenüber nicht, was recht häufig vorkommt, so sagt er selbstverständlich: "Verstehe." Das verschafft ihm zumindest ein wenig Zeit.
Als er Bismarck trifft, der auf der Konferenz die Fäden zieht, hat der deutsche Reichskanzler nicht ganz zu Unrecht das Gefühl, einem Meister im Verhandeln gegenüberzustehen. Nur dass Strinetzky sich nicht extra blöd stellen muss, um so rüberzukommen.
Bisweilen erinnert "Afrika" an die Slapstick-Romankunst des US-Autors Thomas Pynchon. Hinter diesem Unernst lauert freilich Unheil. Symbolisch angekündigt wird es vom Wetter. Ein Blutregen fällt auf Berlin und färbt den Schnee rot. Am Ende der Verhandlungen geht mit König Leopold II. von Belgien ein übler Mann als Privatherrscher über den Kongo hervor.
Mit seinem Auftritt verfinstert sich der Roman. "Ich könnt dir hier und jetzt von meinen Leuten den Hals durchschneiden lassen, niemand würd sich auch nur wundern", droht er Strinetzky. "Und wenn sie sich doch wundern, wenn sie deine Spur bis zu mir verfolgen, dann können sie mir gar nichts. Ja, könnt ich sagen, ich hab ihn umgebracht, es hat Spaß gemacht, ich bin ein König. Kein Gesetz berührt mich."
Spätestens hier bekommt der historische Stoff Bezug zur Aktualität. So ähnlich wie Leopold, dessen Schreckensherrschaft im Kongo Millionen Menschen zum Opfer fallen sollten, denken, sprechen und agieren auch heute wieder Staatsoberhäupter, die auf der Welt den Ton angeben.
Würde nur einer auf die Frauen hören. Die wahre Heldin des Buches ist Strinetzkys Gattin. Sie übertrifft ihn an Intelligenz, darf es nur leider nicht zeigen. Die Ehe, was für ein Unglück: "Der Vorteil, den ich der Soubrette gegenüber habe, ist, dass ich offiziell mit ihm lebe und seinen Namen trage. Der Nachteil ist, dass ich seinen Namen trage und mit ihm lebe."
"Afrika" ist nicht so sehr ein Roman über Kolonialismus als über Machtstrukturen und Machtausübung an sich. Oft bleibt einem das Lachen im Hals stecken.
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