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| Themen | Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch |
|---|---|
| ISBN | 9783498007126 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 06.10.2026 |
| Größe | 21 x 13.4 cm |
| Verlag | Rowohlt |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Rowohlt Verlag GmbH Kirchenallee 19 | DE-20099 Hamburg produktsicherheit@rowohlt.de |
Dieses kraftvolle Buch stellt unsere Glaubenssätze zu Freundschaft und Romantik infrage und beschreibt mutig die Utopie, die wir uns für unser Leben wünschen.
Luzia wächst in einer Gemeinschaft auf, die für ganz unterschiedliche Menschen eine Zuflucht bietet. Im Haus werden queere und platonische Formen von Liebe sowie geteilte Elternschaft gelebt. Später, als Erwachsene, kämpft Luzia als Theaterregisseurin gegen patriarchale Strukturen an und versucht, etwas zum Guten zu verändern. Ihre Jugendfreundin Marle verspürt mit Anfang vierzig einen starken Kinderwunsch und entscheidet sich für einen ungewöhnlichen Weg abseits von Beziehungen mit Männern.
Doch plötzlich, nach einem verheerenden Unwetter, scheint alles bedroht, was diese Wahlfamilie über Jahrzehnte miteinander aufgebaut hat. Was braucht es, damit eine solche Gemeinschaft in Zeiten wie diesen bestehen kann?
| Themen | Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch |
|---|---|
| ISBN | 9783498007126 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 06.10.2026 |
| Größe | 21 x 13.4 cm |
| Verlag | Rowohlt |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Rowohlt Verlag GmbH Kirchenallee 19 | DE-20099 Hamburg produktsicherheit@rowohlt.de |
Sebastian Fasthuber in FALTER 41/2026 vom 07.10.2026 (S. 27)
Es ist nur eine winzige Szene in dem neuen Roman von Mareike Fallwickl. Aber sie steht pars pro toto für den Kampf der weiblichen Hauptfiguren mit dem Konzept der romantischen Liebe, der den Mittelpunkt von "Haltet euch fest" bildet.
Luzia, eine der beiden Protagonistinnen, erinnert sich an einen Tag in ihrer Kindheit. Aus dem Radio der Nachbarin dudelt ein Hit der Münchener Freiheit: "Ohne dich schlaf' ich heut' Nacht nicht ein / Ohne dich fahr' ich heut' Nacht nicht heim." Das Kapitel endet mit der Überlegung, dass das nicht konsensual sei. Das angesungene Gegenüber müsse doch gefragt werden, ob es überhaupt mitwolle.
Der Unterschied zwischen Schlagerpop
und den Romanen der österreichischen Autorin ist: In Ersterem herrscht in amourösen Angelegenheiten stets der unausgesprochene Konsens, dass beide es wollen, während bei Fallwickl die Frau -wenn sie Männern nicht längst abgeschworen hat - nur mitmacht, damit er nicht zornig wird. Beide Extreme sind nicht besonders glaubwürdig.
In Büchern wie "Die Wut, die bleibt" (2022), Theaterarbeiten oder zuletzt der Anthologie "Das Pen!smuseum" (2025) hat sich die Salzburgerin nach dem Romandebüt "Auf Touren", das als frivol-erotisches Auftragswerk aus der Reihe tanzt, eine Welt herbeigeschrieben, in der Männer für Frauen keine Rolle mehr spielen. Dagegen wäre nichts zu sagen. Würde Fallwickl interessante Kunst machen. Aber die Botschaft erdrückt in ihren Büchern alles.
In "Haltet euch fest" tun sich in den späten 1970ern zwei Frauen, die von ihren Alkoholikermännern geschlagen werden, zusammen. Um ein neues Leben starten zu können, bedarf es einer radikalen Aktion, beschließen sie. Während die Typen in ihrer Saufbude im Keller sitzen -die Tür dort runter lässt sich blöderweise nur mehr sehr schwer öffnen -, zünden Sigrid und Frieda das Haus an.
Der Mord wird als Brandunfall eingestuft, und mit dem Geld, das die Versicherung zahlt, bauen die beiden ein neues Haus. Es soll ein Ort sein, an dem andere Formen des Zusammenlebens ausprobiert werden können. Hier wohnen einige Kinder, zwei Mamas und ein schwules Paar. Auch Ausreißern und anderen jungen Leuten in Nöten steht die Tür offen.
Luzia ist in dem Haus aufgewachsen und führt es, nachdem die meisten ursprünglichen Bewohner ausgezogen oder verstorben sind, nun weiter. Wenn sie nicht gerade unterwegs ist: Sie ist Theaterregisseurin und kommt viel herum. Als radikal feministische Künstlerin hat sie es endlich an größere Bühnen geschafft.
Männer spielen in ihrem Leben praktisch keine Rolle mehr. Sie führt eine Beziehung mit der Kostümbildnerin Somi, allerdings ohne dass sie Sex hätten. Wenn es einmal sein muss, holt sich Luzia den in Berliner Sexpositive-Clubs oder unter der Dusche.
Die zweite Protagonistin ist ihre beste Freundin Marle, die aus einer Zirkusfamilie stammt. Sie hat umso mehr Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht gesammelt. Stets endete es schlimm. Worauf sie mit Ende 30 beschließt, dass sie ohne Mann ein Kind haben will. Mit der Unterstützung von Luzia und anderen wird sie es schon schaukeln.
Für Luzia, das Sprachrohr der Autorin, ist die Kleinfamilie die Vorhölle. Von der Regenbogenfamilie bis zu Schwesternschaft spielt Fallwickl in "Haltet euch fest" diverse Gegenentwürfe zur Mann-Frau-Kind-Haus-Hund-Konstellation durch. Überraschendes Resümee: Alle sind besser.
Geschenkt, dass Cis-hetero-Männer böse sind. Aber dass auf mehr als 400 Seiten kein einziges Exemplar vorkommt, das kein Arschloch wäre, zeugt dann doch von einiger Konsequenz der Autorin im Verfolgen ihrer Mission. Umso feinfühliger werden im Roman all jene Männer geschildert, die anders leben. Dieses Schwarz-Weiß-Denken würde in ein gesellschaftspolitisches Pamphlet passen, in einem Roman ist es fehl am Platz. Auch die Figurenzeichnung leidet darunter, dass uns Fallwickl eigentlich nichts erzählen will, dafür umso mehr erklären. Die handelnden Personen stehen für bestimmte Haltungen, entsprechend leblos agieren und reden sie: "Seit Jahrzehnten erschaffen queere Menschen sich sogenannte chosen families, also Wahlfamilien, weil sie von ihren Herkunftsfamilien verstoßen und enterbt werden. Aber diese Wahlfamilien sind nicht einmal annähernd auf dieselbe Weise gesellschaftlich akzeptiert wie die heteronormative Kleinfamilie."
Mit Verlaub: Solche Sätze kann man in einem Kommentar schreiben, aber nicht als Figurenrede in einem Roman. Kein Mensch spricht so. Man fragt sich bei solchen Stellen -und es gibt viele davon - auch, wo da das Rowohlt-Lektorat war.
Wenn Fallwickl aber Gefühle ins Spiel bringen will, kippt sie stilistisch schnell in Kitsch und Pathos. So endet das Kapitel, in dem Luzia und Somi beschließen, dass ihre freundschaftliche Zuneigung für sie eine Form von Liebe ist, mit einem Satz aus dem Baukasten des leicht gehobenen Groschenromans: "Jede Liebe ist ein Wagnis, jede Liebe, jede."
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