Wer verteidigt Europa?

Die neuen Kriegsgefahren und was wir tun müssen, um uns zu schützen
256 Seiten, Hardcover
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ISBN 9783498007997
Erscheinungsdatum 27.01.2026
Genre Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Politik
Verlag Rowohlt
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Rowohlt Verlag GmbH
Kirchenallee 19 | DE-20099 Hamburg
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Kurzbeschreibung des Verlags


Europas Sicherheit steht auf dem Spiel. Russland tritt offen revisionistisch auf, sucht den antiwestlichen Schulterschluss mit China – und es ist mehr als unsicher, ob die Schutzmacht USA ihren Bündnisverpflichtungen im Fall eines Angriffs auf NATO-Gebiet nachkommen würde. Sicher ist nur: Europa könnte sich, Stand heute, kaum selbst verteidigen.


Jana Puglierin zeigt ausgehend von Szenarien für konventionelle, hybride und atomare Kriegsführung, was jetzt geschehen muss, damit die Länder Europas ihre Bürger schützen können. Welche Fähigkeiten, welche Technologien, welche Armeen werden benötigt? Braucht Deutschland, dem dabei eine zentrale Rolle zufällt, eigene Atomwaffen, oder könnte ein europäischer Nuklearschirm Abschreckung garantieren? Wie lässt sich die zivile Verteidigung stärken, wenn Angriffe längst auch aus dem Cyberraum, durch Desinformation oder Sabotage von kritischer Infrastruktur erfolgen?


Eine weitsichtige Analyse der aktuellen Bedrohungslage, ein Plädoyer für eine ambitionierte Sicherheits- und Verteidigungspolitik – und ein dringender Appell, endlich nachzuholen, was über Jahrzehnte versäumt wurde.


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FALTER-Rezension

Europas neue Aufgabe: Aufrüsten zur Abschreckung

Tessa Szyszkowitz in FALTER 6/2026 vom 04.02.2026 (S. 20)

Bücher, die in der Zukunft spielen, sind en vogue. Nach Florence Gaubs "Szenario", das 2031 spielt, wagt auch Jana Puglierin einen Blick in die nahe Zukunft. Die deutsche Außenpolitikexpertin leitet das Berlin-Büro des Thinktanks European Council on Foreign Relations. Ihr "Wer verteidigt Europa?" beginnt 2029: In Frankreich herrscht Marine Le Pens Nachfolger Jordan Bardella, in Deutschland hat die AfD bereits die Wahlen gewonnen - die Regierungsbildung steht noch aus. Inzwischen ziehen die Russen wieder ihre Truppen zusammen. So wie im Winter 2021, bevor sie die Ukraine überfielen.
Ein "Worst-Case-Szenario" nennt das die Autorin. Ein russischer Angriff auf das Baltikum könnte wie 2014 in der Ukraine mit Provokationen beginnen. Vor allem in der exponierten estnischen Stadt Narwa, in der 95 Prozent Russisch sprechen. Die Nato wird -mit oder ohne amerikanische Unterstützung -Estland verteidigen müssen, sollte Russland angreifen.

Aber wie nur, wenn die USA nicht mehr mitmachen sollten? Die europäischen Nato-Staaten haben laut einer IISS-Studie 2024 schon drei Mal so viel für Verteidigung ausgegeben wie Russland. Außerdem, schreibt Jana Puglierin: "Fünf europäische Länder zählen zu den zehn größten Waffenexporteuren weltweit, viele von ihnen entwickeln hochmoderne Waffensysteme."

Weiter so, sagt die Autorin: "Um verteidigungsfähig zu werden, brauchen die Europäer durchhaltefähige Streitkräfte, schlagkräftige militärische Fähigkeiten, eine wettbewerbsfähige Rüstungsindustrie und die finanziellen Mittel, um all das langfristig zu sichern."

Die europäischen Armeen aber sind noch nicht aufeinander abgestimmt. Sie müssen sich dazu durchringen, das Verhältnis zwischen Nato und EU neu zu ordnen. Heute gebe es zu viele Doppelungen. Gemeinsame Verteidigungsinitiativen bleiben zu oft stecken, weil zu viele unterschiedliche Interessen mitspielen.

Es fehlt der Führungsanspruch. Wer soll den SACEUR-Posten besetzen, den Supreme Allied Commander Europe, den Oberkommandierenden in Europa der Nato? Bisher war es immer ein Amerikaner.

Wenn Europa ohne USA seine Verteidigung sichern will, dann sieht Jana Puglierin vor allem in Deutschland Handlungsbedarf. Allein die Diskussion über die deutschen Leopard-Panzer für die Ukraine habe gezeigt, wie langsam und mühsam diese Zeitenwende für den größten EU-Staat vor sich geht. Immerhin haben die Nato-Staaten sich gemeinsam dazu durchgerungen, ihre Verteidigungsbudgets auf 3,5 Prozent des BIP aufzustocken. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat mit neuen Instrumenten wie SAFE und Re-Arm-Europe Grundlagen für eine stärkere Autonomie in Verteidigungsfragen in der EU geschaffen.

Schwarzes Schaf in diesem Bereich ist Österreich. Die Alpenrepublik wird von Jana Puglierin überhaupt nur einmal erwähnt: Bei der Frage, ob die EU eine eigene Atombombe bauen soll. Österreich sagt nein. Während der Einsatz von Atomwaffen in Russland seit Jahren im öffentlichen Diskurs normalisiert wird, hat Europa darauf keine Antwort. Wer soll für Abschreckung sorgen, wenn sich die USA von Europa abwenden?

Frankreich? Das französische Nuklearprogramm ist nicht Teil der Nato. Die Briten haben ihre Atombomben in die Strukturen der Nato eingebunden, sind aber nicht mehr EU-Mitglied.

Puglierin hat auch nicht alle Antworten darauf, aber ihr Buch regt dazu an, die Zeitenwende militärisch mitzudenken.

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