Kolumbus' Erbe

Wie Menschen, Tiere, Pflanzen die Ozeane überquerten und die Welt von heute schufen
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Kurzbeschreibung des Verlags:

«Das beste Sachbuch des Jahres.» TIMEDie Entdeckung Amerikas war für das Leben auf unserem Planeten das folgenreichste Ereignis seit dem Aussterben der Dinosaurier. Denn: Millionen Jahre waren die Hemisphären weitgehend voneinander isoliert gewesen. Mit Kolumbus traten sie in einen Austausch. Menschen und Pflanzen, Tiere und Krankheiten gelangten per Schiff in neue Lebensräume und schufen eine Welt, in der nichts blieb, wie es einmal gewesen war. Das hatte auch gravierende politische Konsequenzen: Der «kolumbische Austausch» trug mehr als alles andere dazu bei, dass Europa zur Weltmacht aufstieg und China verdrängte. Charles C. Mann zeichnet ein spannendes Panorama dieser Vorgänge, das Kontinente und Jahrhunderte umfasst. Ein großartiges Lesevergnügen für alle Wissensdurstigen!«Herausragend.» The New York Times«Ein faszinierendes und vielschichtiges Buch, das auf vorbildliche Weise sprechende Fakten mit gutem Geschichtenerzählen vereint.» The Washington Post

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FALTER-Rezension

Amerikanische Bäume und Regen in China

Globalisierung: Ein fulminantes Buch erklärt die Veränderung der Welt durch die Entdeckung Amerikas

Wenn man ein genaues Datum für den Beginn der Globalisierung nennen müsste, wäre es der 16. Jänner 1493. An diesem Tag machte sich Christoph Kolumbus wieder auf den Weg zurück nach Europa. Ein denkwürdiges Datum, denn erst durch seinen Bericht von den Reichtümern, die für Europa jenseits des Atlantiks bereitstünden, formte sich unsere heutige, neue Weltordnung.

Die bis dahin getrennten Weltzonen Eurasien und Amerika mit ihren unterschiedlichen Tier- und Pflanzenarten wurden für biologische Verhältnisse in Sekundenschnelle zu einem einzigen ökologischen System. Durch den Transfer der plötzlich verfügbaren Ressourcen konnte Europa über entscheidende Jahrhunderte die politische Initiative an sich reißen und die Grundlagen unseres heutigen erdumspannenden Wirtschaftssystems mit all seinen Vor- und Nachteilen schaffen. So weit die trockene Theorie.
Charles C. Mann ist zu danken, dass er die Geschichte der letzten 500 Jahre im Licht einer ökonomisch-ökologischen Analyse neu aufrollt. China war im 15. Jahrhundert das reichste und mächtigste Land der Erde. In jedem Bereich – Wohlstand, militärische Stärke, kultureller und technischer Entwicklungsstand – war es dem Rest der Welt überlegen.
Das durch Sprache, Kultur und Religion zerrissene Europa konnte China nicht einmal Handelswaren oder Technologien anbieten, die für dieses Land im Austausch interessant gewesen wären. Das änderte sich schlagartig, als Spanien über Silber, Tabak und Mais aus den neuen Kolonien verfügte.
Anders gesagt: Aus dem Wunsch an Teilhabe am wirtschaftlichen Wohlstand Chinas hatte Europa moderne Finanzierungsformen entwickelt, mit denen es Expeditionen zu neuen Ressourcen realisieren hatte können. Und damit begannen Dominosteine zu fallen. Dazu gehörte, dass andere, effizientere Kulturpflanzen wie die importierte Kartoffel die Ernährungsbedingungen in europäischen Ländern verbesserten und die Bevölkerung schnell anwachsen ließen.
Zudem veränderte sich in dieser Zeit das Klima; Historiker nennen diese Kältewelle mit ihren langen, schneereichen Wintern die Kleine Eiszeit.
Theorien für deren Ursache gibt es so viele wie für das Aussterben der Dinosaurier. Der belesene Wissenschaftsjournalist Charles C. Mann favorisiert in diesem Zusammenhang eine der neueren, zunehmend an Akzeptanz gewinnenden Thesen der Paläoklimatologie, die von der Tatsache ausgehen, dass Flächen für die Landwirtschaft von der indigenen amerikanischen Bevölkerung nicht mit Axt und Pflug gerodet, sondern seit vielen Jahrhunderten durch Brand­rodung erschlossen worden waren.

Im Zuge des "Columbian Exchange", des Im- und Exports von Lebewesen aller Art, breiteten sich auch eurasische Bakterien, Viren und Parasiten rasant über Amerika aus und töteten eine ungeheure Zahl von Menschen. Als damit auch die Rodungsbrände der Indianer buchstäblich erloschen, gelangte weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre, und die offenen Grasgebiete verwaldeten.
Diese Umkehrung unserer heutigen Klimaerwärmung bewirkte in Europa mehr Schneefall, in China hingegen ertranken die Ernten in Regenfällen, auf die Phasen trockener Kälte folgten. Die Ming-Dynastie wurde von Hungersnöten und Rebellionen abgelöst, und die einstige Weltmacht verlor in nur eineinhalb Jahrhunderten ihre einstige ökonomische Strahlkraft. Schuld daran waren amerikanische Bäume.
Ein weiterer fataler Bio-Import nach Amerika war der Einzeller Plasmodium, der Erreger der Malaria, die bis 1492 nur in Eurasien und Afrika gewütet hatte. In kurzer Zeit wurden die subtropischen Gebiete der Neuen Welt vom Sumpffieber heimgesucht.
Europäische Arbeitskräfte weigerten sich zunehmend, auf Plantagen in diesen Zonen zu arbeiten, was zur größten Massenverschleppung von Menschen in der Geschichte führte: 11,7 Millionen versklavter Afrikaner wurden zwischen 1500 und 1850 nach Amerika verschifft. In dieser Zeit emigrierten aber nur 3,4 Millionen Europäer in die Neue Welt. Demografisch war Amerika bis ins 19. Jahrhunderte also eher ein Anhangsgebilde Afrikas als Europas.

Diese und viele andere verblüffende Zusammenhänge, die wie der sprichwörtliche Flügelschlag eines Schmetterlings weitreichende Folgen bis in die Gegenwart zeigen, macht Charles C. Mann abseits der traditionellen Geschichtsschreibung sichtbar. Wie ein Reiseberichterstatter führt er den Leser durch Zeit und Raum, schweift zu kleinen Nebenschauplätzen ab, um das große Ganze der Folgen des kolumbischen Austausches sichtbar zu machen.
Ähnlich Peter Watson mit seiner monumentalen Ideengeschichte der Menschheit ("Ideen: Eine Kulturgeschichte von der Entdeckung des Feuers bis zur Moderne", 2008) erklärt Mann die Welt, ohne je belehrend zu wirken. Staunend folgt man ihm auf seinen faktenreichen Pfaden an die Quellen unserer jetzt globalisierten und homogenisierten Welt, die nur unter Nutzung der Ressourcen Amerikas entstehen konnte.
1713 führte der Forstmeister Hans Carl von Carlowitz erstmals den Begriff der "nachhaltigen Entwicklung" als Gleichgewicht von Ökologie, Ökonomie und sozialer Gerechtigkeit ein, der heute als sustain­able development in aller Munde ist.
In Charles C. Manns Buch werden genau diese Auswirkungen ökonomischer Initiativen auf ökologische Systeme sichtbar, die wiederum gesellschaftliche Veränderungen mit sich bringen. Angenehmerweise wird dieser oft missbrauchte und in der Alltagsprache verwaschene Begriff der Nachhaltigkeit nicht einmal andeutungsweise von Mann verwendet.
Absolute Empfehlung für das Sachbuch des Jahres!

Peter Iwaniewicz in Falter 41/2013 vom 11.10.2013 (S. 39)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783498045241
Ausgabe 5. Auflage
Erscheinungsdatum 20.09.2013
Umfang 816 Seiten
Genre Sachbücher/Geschichte/Allgemeines, Nachschlagewerke
Format Hardcover
Verlag Rowohlt
Übersetzung Hainer Kober
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