Im Grunde gut

Eine neue Geschichte der Menschheit
480 Seiten, Taschenbuch
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ISBN 9783499004162
Erscheinungsdatum 17.08.2021
Genre Sachbücher/Geschichte
Verlag ROWOHLT Taschenbuch
Übersetzung Ulrich Faure, Gerd Busse
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HerstellerangabenAnzeigen
Rowohlt Verlag GmbH
Kirchenallee 19 | DE-20099 Hamburg
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Kurzbeschreibung des Verlags


Der Historiker Rutger Bregman setzt sich in seinem Buch mit dem Wesen des Menschen auseinander. Anders als in der westlichen Denktradition angenommen ist der Mensch nicht böse, sondern, so Bregman, im Gegenteil: von Grund auf gut. Und geht man von dieser Prämisse aus, ist es möglich, die Welt und den Menschen in ihr komplett neu und grundoptimistisch zu denken. In seinem mitreißend geschriebenen, überzeugenden Buch präsentiert Bregman Ideen für die Verbesserung der Welt. Sie sind innovativ und mutig und stimmen vor allem hoffnungsfroh.


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FALTER-Rezension

"Patriotismus ist nicht vulgär"

Tessa Szyszkowitz in FALTER 6/2026 vom 04.02.2026 (S. 18)

Rutger Bregman kommt zu früh zum Interview. Der 37-jährige Holländer schlendert durch die Türe des Fischer' s, das sich als Wiener Kaffeehaus im Londoner Marylebone ausgibt. Er beäugt die Käsekrainer mit Sauerkraut am Nebentisch. Das ist nichts für ihn. Er will die Massentierhaltung abschaffen und ist Vegetarier.
Sieben Jahre ist es her, dass ein junger Historiker auf einem Podium beim World Economic Forum in Davos Platz nahm und das Publikum beschimpfte: "Was diskutiert ihr hier über die Klimakrise, wenn ihr in Privatjets anreist?" Von da an war Rutger Bregman ein gern gesehener Gast bei Debatten, in denen er für scharfe Worte gegenüber Superreichen sorgte.

Der BBC ging er zu weit. Sie schnitt ihm den Satz "Donald Trump ist der offen korrupteste US-Präsident aller Zeiten" im November 2025 aus einer Vorlesung, die er für die BBC gehalten hatte. Bregman machte den Skandal sofort öffentlich -die BBC war aus Angst vor Milliardenklagen Trumps eingeknickt. Bis heute hat sich niemand bei ihm entschuldigt.

Während er an der Universität Harvard ein Fellowship-Programm für seine Schule für moralische Ambition aufbaute, lebte er in New York. Jetzt ist er mit seiner Familie wieder in den Niederlanden und reist durch die Lande, um für seine Schule zu werben. Den Falter trifft Bregman gemeinsam mit vier europäischen Medien zum Interview.

Falter: Herr Bregman, müssen wir uns um die Demokratie Sorgen machen?

Rutger Bregman: Wir haben bisher angenommen, dass Menschenrechte und die regelbasierte internationale Ordnung selbstverständlich sind. Jetzt merken wir anhand der politischen Ereignisse in den USA: Das stimmt so nicht. Trumps Vize-Kabinettschef Stephen Miller reißt die regelbasierte internationale Ordnung einfach ein, er sagt: Die Menschen sind grundsätzlich egoistisch, allein die Macht zählt. US-Vizepräsident JD Vance sieht "America first" als seine moralische Verpflichtung an, weil er Moral tribalistisch definiert - es geht nur um den eigenen Stamm. Wir müssen uns dem entgegenstellen, es handelt sich um eine Schlacht der Ideologien. Die Menschenrechte sind radikale, utopische Ideen. Wir müssen sie wieder einfordern.

Fürchten Sie, dass die westliche Weltordnung Trump II nicht überlebt?

Bregman: Wir müssen aufhören, bei jeder neuen Aktion der regierenden Autokraten ständig überrascht zu sein. Es gibt inzwischen ein Muster des faschistischen Autoritarismus. Zukunftsforscher und Historiker des Faschismus warnen uns, dass zwei Entwicklungen ganz schnell ineinandergreifen: der Aufstieg der KI und der Aufstieg des Autoritarismus. Die KI macht riesengroße Schritte in den nächsten Jahren. Wer immer diese Technologie beherrschen wird, hält die Zukunft der Welt in Händen. Gleichzeitig schließt sich der Schutzschirm, den die USA über Europa gespannt hatten. Wir landen in einer sehr einsamen und gefährlichen geopolitischen Lage. Wir müssen darauf antworten.

Aber wie? Jenen Parteien, die die regelbasierte Welt erhalten wollen, laufen die Wähler davon.

Bregman: Nach der ersten Wahl von Donald Trump 2016 gingen die Eliten in sich und fragten: Haben wir nicht genug zugehört? Nahmen wir unsere Privilegien für zu selbstverständlich? Darum ging es aber nicht. Das Problem war, dass wir unsere Privilegien nicht dazu benutzt haben, die Welt besser zu machen. Die Linke hat Konzepte wie Patriotismus, Innovation und Fortschritt aufgegeben. Patriotismus ist aber nicht vulgär, es ist ein wichtiger Bestandteil von politischen Programmen, um eine Gemeinschaft zu bilden. Oft haben sich progressive Bewegungen leider verzettelt. Als zum Beispiel George Floyd in Minneapolis 2020 getötet wurde, gab es den Slogan der Protestbewegung: "Defund the police". Man wollte der Polizei das Budget kürzen. Das war total kontraproduktiv. Die große Mehrheit der Bevölkerung in den USA oder hier will eine starke Polizei.

Halten Sie Europa für innovationsfeindlich?

Bregman: Es schmerzt mich, aber Europa ist Weltklasse, wenn es darum geht, "die Situation sorgfältig zu beobachten". Wir verkünden stolz unser EU-Gesetz zur künstlichen Intelligenz. Aber die EU reguliert eine Industrie, die sie selbst gar nicht besitzt. Wir starren wie ein Kaninchen in die Scheinwerfer eines heranrasenden Autos.

Die KI birgt aber auch Gefahren. Wo soll sich die EU positionieren?

Bregman: Die EU hat recht: Wir müssen die großen Techfirmen regulieren. Ich bin sogar ein Anhänger des "Temperance Movement" des späten 19. Jahrhunderts in den USA, als man Alkohol verbieten wollte, weil die Bevölkerung nicht damit umgehen konnte. Es geht alles viel zu schnell. Wir beobachten eine Art "AI-Game of Thrones" zwischen den zwei großen KI-Entwicklern Open AI und Anthropic - das ist das mächtigste technologische Rennen in der Menschheitsgeschichte. Ich bin hinsichtlich der KI deshalb fast ein "Luddite".(Ludditen waren britische Arbeiter, die Anfang des 19. Jahrhunderts Maschinen zerstörten, weil sie um ihre Arbeitsplätze fürchteten, Anm.). Ich glaube, wir sollten eine Pause einlegen und abwarten, bis sich die Gesellschaften an die neue Technologie angepasst haben.

Widersprechen Sie sich da nicht? Wie sollen wir in Europa KI-Firmen bauen, wenn wir sie gleichzeitig regulieren?

Bregman: Wir haben keine Wahl, wir müssen beides machen. Deshalb habe ich die Schule für moralische Ambition gegründet: Wir brauchen alle Talente, die wir kriegen können, damit wir die beiden Herausforderungen der nächsten Jahre annehmen können: die Entwicklung von KI und die Bedrohung der Demokratie. Wir müssen darüber nachdenken, wie Steuern fair verteilt werden können, und nicht, wie man Steuerzahlen vermeiden kann. Wie soll Umverteilung funktionieren, wenn Arbeit ein immer kleinerer Teil der Wirtschaften wird -dank KI? Deshalb will ich ein Ökosystem von Experten bauen, die ihre Karrieren der Beantwortung dieser Fragen widmen. Wir werden sie brauchen, um schnell auf die nächsten Krisen reagieren zu können.

An wen wendet sich Ihr Aufruf nach mehr moralischem Ehrgeiz konkret?

Bregman: Kennen Sie den Begriff "Bermuda-Dreieck der Talente"? Den hat mein Freund Simon van Teutem geprägt. Er bezeichnet Beratungsfirmen, Finanzinstitute und Kanzleien für Unternehmensrecht. Banker und Berater brauchen meiner Meinung nach einen Tritt in den Hintern. Was machen die mit ihrer Eliteerziehung? Sie arbeiten in der Londoner City oder bei McKinsey und schreiben dort Powerpoint-Präsentationen? In unserem Fellowship-Programm der Schule für moralische Ambition in Harvard halten wir Fokusgruppen ab und stellen zum Beispiel diese Frage: Hast du dich bis nach Harvard durchgeschlagen, um am Ende einen Bullshit-Job zu machen? Der größte Verlust für mich ist nicht, was diese Leute mit ihrer Arbeit machen -viel Geld verdienen -, sondern was sie mit ihrer Arbeit nicht machen: die Welt verbessern.

Ohne die Londoner City wäre Großbritannien bankrott.

Bregman: Ich bin nicht generell gegen die Finanzwirtschaft. Ich bin aber ein altmodischer niederländischer Sozialdemokrat. Ich glaube, dass der Kapitalismus ein wildes Tier ist, das gezähmt werden sollte. Dann kann es riesige Vermögen produzieren. Das ist übrigens kein moralisches Argument, es geht mir nicht wie manchen in der Linken darum zu sagen: Es ist unmoralisch, viel Geld zu verdienen. Wenn ich so etwas den Studenten erzählen würde, dann ginge der Schuss nach hinten los. Ich gehe die Gespräche lieber so an, ich sage dann: Wow, du bist so talentiert, und dann arbeitest du bei JP Morgan? Warum nicht was Interessanteres? Wieso forschst du nicht, wie wir KI sicher machen können, oder über Pandemie-Prävention? Das klappt besser, um an Leute heranzukommen, die sich fragen, ob es moralisch vertretbar ist, was sie machen. Es geht mir darum, dass wir unser Potenzial besser nutzen.

Klingt sehr elitär, nicht alle haben die Wahl, nach Harvard und dann zu JP Morgan zu gehen.

Bregman: Es ist ja nur, dass ich gerade auf diese Elite wütend bin, weil sie ihr Potenzial nicht nutzt. Aber natürlich richtet sich mein Appell an alle. Wir wissen aus der Geschichte, wie wichtig einzelne Aktivisten wie die Menschenrechtsaktivistin Rosa Parks, Lech Walesa oder Nelson Mandela waren. Mich hat ein Busfahrer aus einer kleinen holländischen Stadt angerufen, der mein Buch gelesen hat. Er sagte: Ich möchte auch etwas tun. Inzwischen hat er eine Initiative gegründet, um sein Städtchen LGBTQ+-freundlich zu machen. Solche Initiativen sind großartig.

Ist das auch eine Antwort auf den Erfolg der neuen Rechten? Entsteht auf den Straßen Amerikas angesichts der Gewalt gerade eine neue Bürgerrechtsbewegung?

Bregman: Historisch gesehen entstehen wichtige innovative Bewegungen oft durch den Einsatz von kleinen Gruppen, die sich gegen die herrschende Gesellschaftsordnung auflehnen. Ich habe das anhand von zwei erfolgreichen Gruppen beschrieben: den britischen Abolitionisten, die für die Abschaffung des Sklavenhandels eingetreten sind; und den Suffragetten, die das Wahlrecht für Frauen gefordert haben. Was ich beim Studium dieser politischen Gruppen gelernt habe: Wer sich für eine soziale Sache einsetzt, der tut das dann oft auch bei der nächsten dringlichen Frage. Ich nenne das die Ausweitung des "moral circle", der Moralzone. Das brauchen wir jetzt auch.

Investor Peter Thiel nennt solche Gruppen, die von etwas zu 100 Prozent überzeugt sind, "Sekten". Sie erwähnen in Ihrem Buch fast lobend, wie Thiel sich im Silicon Valley der Sekte der Start-up-Gründer angeschlossen hat.

Bregman: Ich teile mit Thiel das Interesse an Sozialphysik. Thiel beschreibt den Unterschied zwischen einem Menschen, der in einer Beratungsfirma arbeitet und von einem Projekt zum nächsten springt, ohne sich richtig für etwas zu begeistern, und dem Mitglied einer Sekte. Jemand, der sich einer Idee verschrieben hat, kann viel bewegen. Das hat mich interessiert. Wir müssen diese Energie für die Ideen nutzen, die uns weiterbringen.

Gehört Thiel zu den Sponsoren der Schule für moralische Ambition?

Bregman: Aber nein. Thiel steht auf der anderen Seite des politischen Spektrums. Ich trete dafür ein, dass wir die Kraft der heroischen Aktivisten der Menschenrechtsbewegung nutzen. Dass wir aber auch die Eliten dazu bringen, ihr Potenzial einzubringen. Aufgeklärte Angehörige der Elite wie Louis Brandeis, der radikal für soziale Gerechtigkeit eintrat und 1916 in den Supreme Court der USA berufen wurde. Seine Rechtsprechung ist bis heute einflussreich. Solche Persönlichkeiten können die Welt verändern. Ich glaube, wir brauchen diesen doppelten Crunch von unten und von oben - wenn Grassroots-Bewegungen und Eliten zusammenarbeiten. So war es auch bei der Abschaffung der Sklaverei - es gab Sklavenrevolten in Jamaika. Und die kleine Gruppe von Abolitionisten in England. So entzündet sich eine moralische Revolution.

Sehen Sie den Kampf gegen unregulierte KI und gegen die Bedrohung der Demokratie jetzt als wichtiger an als den gegen die Klimakrise?

Bregman: Ich habe für die Klimakrise einfach nicht mehr den Kopf frei. Sie?

Wir sind mitten in einem "Greenlash" unter Trumps Administration, sollten wir nicht einen Teil unserer Energie darauf verwenden, zu überlegen, was wir gegen die Erderwärmung unternehmen könnten?

Bregman: Über den steigenden Meeresspiegel 2100 nachzudenken, wenn uns gerade die internationale Ordnung wegbricht, kommt mir vor wie Luxus.

Sie zeichnen ein düsteres Bild, wirken aber ganz dynamisch und optimistisch. Wo nehmen Sie die Hoffnung her, dass die demokratische Welt doch nicht untergeht?

Bregman: Ich glaube an die menschliche Handlungsfähigkeit. Es gibt keinen großen historischen Bogen und es gibt keinen Gott. Es gibt nur uns. Die Geschichte lehrt uns, dass kleine Gruppen wie die Abolitionisten enorm große strukturelle Veränderungen bewirken können, auch wenn sie zu Beginn gegen die wirtschaftlichen Interessen zu stehen scheinen. Das Eisen der Geschichte ist jetzt heiß. Unsere Zukunft ist extrem unvorhersagbar. Wer jetzt aktiv wird, kann mitbestimmen, wie die Geschichte weitergeht.

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