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| Reihe | edition suhrkamp |
|---|---|
| ISBN | 9783518001318 |
| Erscheinungsdatum | 18.02.2026 |
| Genre | Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft |
| Verlag | Suhrkamp |
| Übersetzung | Stephan Gebauer |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Suhrkamp Verlag GmbH Torstr. 44 | DE-10119 Berlin info@suhrkamp.de |
Wie wurde aus dem genialischen Nerd eine kettensägenschwingende Ikone der globalen Rechten?
Mit Paypal hat Elon Musk die Finanzbranche aufgemischt, mit Tesla den Markt für E-Autos revolutioniert, nach seiner Übernahme Twitter kurzerhand auf rechts gedreht. Im US-Wahlkampf 20204 schwang er sich zu einem der wichtigsten Einflüsterer Donald Trumps auf, anschließend machte er sich mit seiner Abteilung für Regierungseffizienz (DOGE) daran, den amerikanischen Staat zu zerlegen.
Wie wurde aus dem genialischen Nerd eine kettensägenschwingende Ikone der globalen Rechten? Um die Welt zu begreifen, die Musk erschafft, müssen wir die Welten verstehen, die Musk erschaffen haben. Quinn Slobodian und Ben Tarnoff zeichnen nach, wie sich im Silicon Valley um die Vorstellungen von Disruption und tollkühnen CEOs ein regelrechter Kult bildete, wie soziale Medien und Videospiele die Erzählung vom heldenhaften Einzelgänger etablierten und wie rassistische Memes und Verschwörungstheorien Eingang fanden in die Gedankenwelt des reichsten Menschen der Erde. Der Muskismus, so Slobodian und Tarnoff, ist ein frankensteinsches Monster des zeitgenössischen Kapitalismus.
| Reihe | edition suhrkamp |
|---|---|
| ISBN | 9783518001318 |
| Erscheinungsdatum | 18.02.2026 |
| Genre | Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft |
| Verlag | Suhrkamp |
| Übersetzung | Stephan Gebauer |
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Eva Konzett in FALTER 17/2026 vom 22.04.2026 (S. 30)
Quinn Slobodian und Ben Tarnoff kommen direkt vom Flughafen in die Räumlichkeiten des Falter in der Wiener Innenstadt. Der eine ist Historiker an der Boston University, der andere Schriftsteller und Techniknerd. Sie sind müde, aber gut gelaunt. Slobodian kennt Wien, er hat ein vielbeachtetes Buch über den österreichischen Ökonomen Friedrich August von Hayek und die haarsträubenden Auswüchse seines Werkes geschrieben. Gemeinsam mit Tarnoff hat er sich einen neuen Mann vorgenommen. Einer, der als Businessgenie daherkommt, aber eigentlich eine gefestigte und gefährliche Ideologie verfolgt: Elon Musk, Amerikaner mit südafrikanischen Wurzeln.
Die beiden nehmen in einem Kammerl Platz, strecken die Füße aus. Einen Kaffee noch. Dann geht es los.
Falter: Herr Slobodian, Herr Tarnoff, Sie haben Ihr Buch "Muskismus" genannt. Ist Musks Tun eine Ideologie?
Quinn Slobodian: Unsere Inspiration war der sogenannte Fordismus. Das war weniger die festgeschriebene Lehre von Henry Ford selbst. Der Begriff beschreibt vielmehr ein gesellschaftliches System, ausgehend von den von Ford geprägten Produktionsprozessen. Da war im Zentrum die Fabrik, rundherum die Familie, das Leben außerhalb der Arbeit, ein Wohlfahrtsstaat und steigende Löhne. Es war ein gesellschaftlicher Vertrag. Ford hat den Kapitalismus stabilisiert, indem er der Produktion den Massenkonsum zur Seite gestellt hat. Wir sehen Parallelen zu Musk. Musk ist inzwischen überall. Denken Sie an die Elektroautos, aber auch an Satellitennetzwerke, Medienplattformen, Weltrauminfrastruktur, Kryptowährungen. Er baut die Betriebssysteme für diese Welt. Wir haben uns gefragt: Was ist seine gesellschaftspolitische Vision?
Ben Tarnoff: Wir wollten Musk weniger als Individuum betrachten, sondern verstehen, welche Weltanschauung er verkörpert. Wir alle befinden uns derzeit in einer verwirrenden und instabilen Übergangsphase: Der Neoliberalismus, grob gefasst, ist möglicherweise an sein Ende gelangt oder befindet sich zumindest in einem Prozess der Umformung und Abschwächung. Er sieht nicht mehr so aus wie auf dem Höhepunkt der marktorientierten Globalisierung in den 2000er-Jahren. Musks Biografie bietet die Möglichkeit, die Entwicklung des globalen Kapitalismus nachzuvollziehen und die gegenwärtige Krise zu deuten. Von seiner Kindheit im Apartheidstaat Südafrika bis zum DOGE-Experiment in Washington. (Donald Trump überantwortete Musk die DOGE-Verwaltungsagentur, Anm.)
Warum ist Elon Musk so gut in allem?
Slobodian: Weil er eine Lösung parat hat, wenn eine gebraucht wird. Er erkennt, wenn der Staat etwas benötigt, und macht ein Angebot. Zwei Beispiele: In den frühen 2000er-Jahren, als die USA den Krieg gegen den Terror führten, haben Satelliten stark an Bedeutung gewonnen. Das war ein neues Schlachtfeld. Musk war zur Stelle - mit dem Angebot eines Unternehmens für Raketenstarts und Satelliten. Nach der globalen Finanzkrise 2008 wollten die USA die Abhängigkeit von ausländischem Öl verringern: Musk präsentierte Tesla -ein massentaugliches Elektrofahrzeug. Es besteht eine symbiotische Beziehung zwischen staatlichen Bedürfnissen in bestimmten historischen Momenten und den Produkten, die Musk entwickelt und auf den Markt bringt.
Das ist das Gegenteil eines klassischen Libertären, der den Staat verachtet.
Slobodian: Genau. Musk versucht, seine privaten Dienstleistungen eng mit staatlichen Bedürfnissen und Funktionen zu verknüpfen, sodass er unverzichtbar wird. Besonders deutlich wird das im Bereich der Raketenstarts. Sein Unternehmen SpaceX ist für den Großteil der Starts in den USA verantwortlich und stellt auch weltweit einen erheblichen Anteil. Im sogenannten "Musk-Modell" geht es nicht darum, staatliche Macht vollständig durch private zu ersetzen. Es will keine totale Privatisierung, wie man sie aus libertären Denkschulen kennt. Vielmehr handelt es sich um eine Synthese: Private Anbieter, insbesondere Technologieunternehmen, werden tiefer in die Funktionsweise des Staates integriert, sodass sie unverzichtbar werden.
Die Europäer waren zeitweise zu 100 Prozent abhängig von SpaceX, um die eigenen Satelliten ins All zu schießen.
Slobodian: Exakt. Es gibt inzwischen ein spanisches Raumfahrtunternehmen, das von Französisch-Guayana aus operiert und ihn möglicherweise verdrängen kann. Aber die Raketenstarts und sein Unternehmen Starlink, das Satelliteninternet im niedrigen Erdorbit bereitstellt, machen Musk zentral. Denken Sie an die Bedeutung von Starlink im Ukraine-Krieg. Musk erzeugt einen strategischen Engpass, über den er erheblichen Einfluss auf Staaten ausüben kann. Gleichzeitig macht es diese Abhängigkeit für Staaten schwierig oder unmöglich, sich von ihm zu lösen.
Wohin steuern wir? Musk mag der reichste Mann der Welt sein, aber er ist immer noch eine Einzelperson.
Tarnoff: Er steht für ein System. Der Neoliberalismus hat versucht, den Staat auszuhöhlen. Jetzt geht es um etwas anderes. Muskismus bedeutet, die Souveränität des Staates mit privaten Mitteln zu erhöhen.
Slobodian: Nahezu jedes Unternehmen, jede Behörde in Europa, Australien und anderswo arbeitet mit Cloud-Diensten und Software aus den USA. E-Mails werden über kalifornische Technologien verschickt, Daten auf Plattformen wie den Cloud-Diensten von Amazon Web Services gespeichert, die Jeff Bezos gehören.
Wir haben die Macht an eine Handvoll Typen abgegeben?
Slobodian: In gewissem Maße schon. Regieren wird zunehmend zu einer digitalen Frage. Einfach abkoppeln können Staaten sich nicht. Wer die Software kontrolliert, wer die Infrastruktur bestimmt, hat potenziell die Macht, staatliches Handeln zu beeinflussen oder zu blockieren. Dahinter stecken Firmen und letztlich, ja, Einzelpersonen. Sie halten Staaten in Geiselhaft. Regierungen können mitunter nicht mehr in ihrem besten Interesse entscheiden, wenn das den Interessen dieser Clique entgegenwirkt. Die eigentliche Frage muss daher lauten: Was passiert, wenn die Welt auf einem amerikanisch geprägten digitalen Modell basiert - und man gleichzeitig mit einer aggressiv auftretenden politischen Führung konfrontiert ist, die es schafft, die Tech-Eliten hinter sich zu versammeln?
Das heißt, nicht mehr das Gruppenbild der G7 zeigt die mächtigsten Männer der Welt, sondern das Foto von Trumps Inauguration mit den Tech-Bros in der ersten Reihe? Slobodian: Ja, so kann man das sagen.
Was treibt diese Unternehmer an? Geld? Unsterblichkeit?
Slobodian: Musk, und das unterscheidet ihn von Peter Thiel und den anderen Silicon-Valley-Typen mit ihrer Obsession für Longevity, glaubt an den Tod. Er sieht in Sterben und Geburt einen Wert. Der Austausch einer Generation durch die nächste ist für ihn ein Zeichen von Erneuerung. Wenn der Fortpflanzungsprozess auf bestimmte Weise gesteuert und organisiert werde -sodass sich vor allem Menschen mit "höheren Fähigkeiten" fortpflanzen -, dann sei es aus seiner Sicht positiv. Er glaubt daran, dass sich Fähigkeiten genetisch weiterentwickeln.
Tarnoff: Und noch etwas treibt ihn und das Silicon Valley an: Die künstliche Intelligenz ist zum Ordnungsprinzip geworden. Nicht nur, wenn es um Geschäftsmodelle geht, sondern in einer spirituellen Form. Es gibt einen tief verankerten Glauben - den auch Elon Musk teilt -, dass sogenannte Künstliche Allgemeine Intelligenz (AGI) erreichbar ist. Sie glauben daran, dass ein KI-System bald den Menschen in vielen oder den meisten kognitiven Aufgaben übertreffen kann. Um dahin zu kommen, sind in dieser Lesart massive Investitionen notwendig. Das ist ein Wettrennen, denn der Erste wird einen enormen First-Mover-Vorteil haben - nicht nur finanziell, sondern auch durch geopolitische Macht.
Was tut Musk dafür?
Tarnoff: Er hat sein KI-Unternehmen xAI kürzlich mit seinem Unternehmen SpaceX zusammengeführt. Das fusionierte Unternehmen geht wohl noch dieses Jahr an die Börse. Das könnte der größte Börsengang der Geschichte werden, die angestrebte Bewertung liegt bei rund 1,75 Billionen US-Dollar. Warum macht er das? Er will neue Kapitalquellen anzapfen.
Was aber, wenn das Rennen nach AGI einfach ein Ponzi-Scheme ist?
Tarnoff: Vielleicht ist AGI ohnehin ein Unsinn. Nur darum geht es nicht. Denn das Wettrennen ist so oder so ein Business--Case. Wenn AGI nicht kommt, wird man die Definition von AGI so anpassen, dass man das Produkt verkaufen kann. Was Musk noch antreibt, ist die Überzeugung, dass die Trainingsdaten der Sprachmodelle seiner Konkurrenten durch linke, progressive Ideologien beeinflusst oder "kontaminiert" seien. In dieser Sichtweise würde - wenn sich Unternehmen wie seine Mitbewerber OpenAI oder Anthropic durchsetzen - die Welt von einem übertriebenen Egalitarismus geprägt werden. Er nennt das das "woke mind virus".
Bleiben wir kurz beim Businessmodell. Weltweit wurden im vergangenen Jahr 250 Milliarden Euro in die Entwicklung von KI-Systemen investiert. Das entspricht dem Doppelten des österreichischen Staatsbudgets. Und dann ist nicht einmal sicher, dass es ein Ergebnis gibt?
Slobodian: Beim Wettrennen um technologische Führerschaft sehen wir, dass etwas gleichzeitig unwahrscheinlich, eine Fiktion oder einfach Bullshit sein kann -und dennoch reale materielle Auswirkungen entfaltet. Ob man glaubt, dass Elon Musk tatsächlich eine Million Satelliten ins All bringen oder KI-Datenzentren im Orbit betreiben wird, um technologische Durchbrüche zu ermöglichen, oder AGI erreicht? Es ist unwesentlich. Diese Visionen bilden die Grundlage für die enorme Bewertung seines Unternehmens. Sobald dieses Unternehmen dann an die Börse geht, wird es Teil von Aktienindizes und wird damit indirekt in den Rentenportfolios vieler Menschen landen. Investoren wie der norwegische Staatsfonds werden sich daran beteiligen. Die haben dann politisch keinerlei Nähe zu Musk oder halten seine Visionen sogar für Unsinn. Aber sie stecken drin.
Elon Musk war einmal dieser verschrobene Nerd, jetzt ist er ein Anführer der Rechten. Was ist passiert?
Tarnoff: Ich muss da immer an diese Aufkleber für Teslas denken: "Ich habe dieses Auto gekauft, bevor Elon verrückt wurde." Was wir wissen: 2022 hat Elon Musk begonnen, systematisch rechte politische Positionen auf Twitter zu verbreiten. Bereits seit 2015 hatte er aber Twitter genutzt und sich zum Twitter-Super-User entwickelt. Er sprach damals zunehmend von der Verwandlung der Menschheit in Cyborgs. Er glaubte, dass Mensch und Maschine verschmelzen und sich zu "gigantischen kybernetischen Kollektiven" verbinden. Und dass diese Verschmelzung in den sozialen Netzwerken geschieht. Er hat das außerdem gut und notwendig gefunden, um die Menschheit gegen eine bösartige KI-Superintelligenz zu wappnen. Aber sein Problem ist eben: Musk befürchtete, dass dieses "gigantische kybernetische Kollektiv" mit dem Woke-Mind-Virus infiziert wird. Er meinte das buchstäblich. Deshalb hat er Twitter nach rechts gedreht, ein eigenes KI-System aufgebaut und Grok erfunden, seinen Bot. Slobodian: Deshalb hat er sich mit Trump zusammengetan.
Was will Musk von Donald Trump? Daten? Macht? Ist das eine ideologische Geschichte?
Slobodian: Für Musk ist der Staat, das hat er selbst gesagt, nur "eine Menge Computer". In diese staatlichen Strukturen einzugreifen, bedeutet vor allem, die Integration zwischen der privaten Welt des Silicon Valley und den als rückständig empfundenen Verwaltungsstrukturen in Washington zu verbessern. Es geht darum, ein System-Upgrade vorzunehmen: alte Papierarchive zu digitalisieren, Behörden interoperabel zu machen und ihre Systeme zu vernetzen.
Es geht also um Sparen?
Slobodian: Das Ziel ist nicht nur eine Modernisierungspolitik. Musk ist besessen von der Idee, dass Menschen am falschen Platz seien. Migranten sind am falschen Platz. Mitarbeiter bei Twitter waren am falschen Platz. Es geht darum, den Staat so umzubauen, dass er diese fehlplatzierten Personen identifizieren und entfernen kann. Die Einwanderungsbehörde ICE setzt diesen Ansatz fort. Und ähnlich funktionieren auch Kürzungen bei Bildung und im akademischen Bereich, etwa in den Geisteswissenschaften.
Tarnoff: Bereits Barack Obama hat versucht, mithilfe von Softwareingenieuren aus dem Silicon Valley die Verwaltung zu modernisieren. Der Unterschied ist, dass Informationstechnologie traditionell als politisch neutral verstanden wird. Auch wenn Kritiker darauf hingewiesen haben, dass Algorithmen nur neutral erscheinen, in Wahrheit aber Ungleichheiten verstärken und reproduzieren. Musk betrachtet Technologie von vornherein nicht als neutral. Er betont ihre politische Dimension. Technologie ist für ihn ein Werkzeug im politischen Kampf -etwa gegen das, was er als Wokeness versteht.
Die einen sind am falschen Platz, die anderen müssen sich bestmöglich vermehren. Musk hat Frauen dafür bezahlt, dass sie Kinder von ihm bekommen. Was steckt hinter dem natalistischen Ansatz?
Slobodian: Seine technische Ingenieursmentalität erstreckt sich auch auf das Gesellschaftsbild: Gesellschaft funktioniert wie ein System, das man optimieren kann. Und optimieren heißt für ihn, so etwas wie "guten Code" zu produzieren - also eine kleine, weiße, besonders leistungsfähige Elite mit hoher Reproduktionsrate, die er als das oberste Prozent der Intelligenz versteht. Er versucht, das auch selbst umzusetzen, zum Teil sogar über künstliche Befruchtung.
Tarnoff: Wenn man wirklich glaubt, dass die Überintelligenz an der nächsten Ecke wartet, dann glaubt man auch, dass bald die meisten Menschen von der Arbeit ausgeschlossen und als "parasitärer Überschuss" gesehen werden. Wirklich wertvoll sind dann vor allem jene Individuen, die über genügend Intelligenz verfügen, um mit einer übermächtigen KI, also AGI, umgehen zu können. Deshalb sei es entscheidend, dass genau diese Menschen sich fortpflanzen und Nachkommen haben -mit Musk an der Spitze.
Inwiefern spielt in dieser Aufteilung in Gut und Böse auch seine Kindheit im Apartheidregime Südafrikas eine Rolle?
Slobodian: Wir wollten nicht den Beweis führen, dass er durch seine Herkunft eine Art rassistische DNA geerbt habe. Aber das politische und ökonomische Modell des Apartheidstaates hat Musk beeinflusst. Südafrika war trotz seiner reaktionären Politik wirtschaftlich hochmodern: Es verfügte über ein Atomprogramm, baute eine eigene Industrie mit ausländischen Lizenzen auf und nutzte IBM-Computer zur Verwaltung einer rassistisch strukturierten Gesellschaft. Man kann dieses Modell als eine Art "Fortress Futurism" beschreiben: ein technologisch hochentwickelter, aber abgeschotteter Staat, der sich als belagerte Minderheit in einer feindlichen Umgebung versteht und deshalb stark auf Kontrolle, Integration und Selbstgenügsamkeit setzt. Auf ähnliche Weise betrachtet Musk die Welt.
Tarnoff: Musk baut seine Businessmodelle als vertikal integrierte und abgeschlossene Systeme. Er hat schon Mitte der 2000er-Jahre die Produktionsschritte in seinen Fabriken gebündelt und die Abhängigkeiten von globalen Lieferketten klein gehalten. Das widersprach der Logik der damals stark von globaler Arbeitsteilung geprägten Welt. Für Musk ist eine Fabrik eher eine abgeschlossene Einheit als ein Knoten in einem globalen Netzwerk. Diese Mentalität spiegelt das südafrikanische Wirtschaftsmodell. Man kann nicht wie Apple die Produktion nach China auslagern. Denn die anderen sind für Musk feindselig gestimmt. Nicht nur in der Fabrik. Sondern auf der ganzen Welt. F
Ben Tarnoff und Quinn Slobodian Ben Tarnoff (geb. 1985) ist Schriftsteller, Mitbegründer der Tech-Zeitung Logic und regelmäßiger Autor der New York Review of Books. Er lebt in Massachusetts. Quinn Slobodian (geb. 1978) unterrichtet internationale Geschichte an der Boston University. Er hat sich in seiner Forschung mehrfach dem Neoliberalismus gewidmet

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