Rechtspopulismus als Klassenprojekt
271 Seiten, Taschenbuch
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Reihe edition suhrkamp
Themen Wirtschaftswissenschaft, Finanzen, Betriebswirtschaft und Management Wirtschaftswissenschaft Wirtschaftspolitik, politische Ökonomie
ISBN 9783518128138
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 11.03.2026
Größe 17.8 x 10.8 cm
Verlag Suhrkamp
Herausgegeben von Heinrich Geiselberger
Sammlung Unsere Bestseller
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HerstellerangabenAnzeigen
Suhrkamp Verlag GmbH
Torstr. 44 | DE-10119 Berlin
info@suhrkamp.de
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Kurzbeschreibung des Verlags

Als Donald Trump zum ersten Mal Präsident wurde, ging ein Richard Rorty zugeschriebenes Zitat viral: Wenn die »kulturelle Linke«, so Rorty 1998, materielle Fragen weiterhin ignoriere, werde es einen Bruch geben – »something will crack«. »Ärmere Wähler« würden einen starken Mann an die Macht bringen, es drohe eine Rückkehr des Sadismus. So hellsichtig diese Prognose war, hat derFokus auf die »woken« Linken und die »Verlierer« in Debatten über Trump & Co. doch einen blinden Fleck erzeugt. Geht man davon aus, dass Politiker wie Trump, Tino Chrupalla oder der tschechische Ministerpräsident Andrej Babiš sich auch selbst wählen, kommt schließlich eine andere »Klassenfraktion« in den Blick: konservative Männer, die ihr eigenes Unternehmen leiten. Aus diesem Milieu stammen nicht nur Vorläufer wie Silvio Berlusconi und Christoph Blocher, sondern auch Unterstützer wie etwa Elon Musk oder Peter Thiel. Genau diese Gruppe der kleinen und großen politischen Unternehmer nehmen die Beiträge in diesem Band unter die Lupe. Verfolgt wird dabei testweise die These, dass der Rechtspopulismus nicht in erster Linie eine spontane Revolte »ärmerer Wähler« darstellt, sondern ein gezielt vorangetriebenes Projekt .

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Themen Wirtschaftswissenschaft, Finanzen, Betriebswirtschaft und Management Wirtschaftswissenschaft Wirtschaftspolitik, politische Ökonomie
ISBN 9783518128138
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FALTER-Rezension

Milliardär und kleiner Mann: Wie das Kapital den Rechtspopulismus erfand

Robert Misik in FALTER 20/2026 vom 13.05.2026 (S. 18)

Als die liberale deutsche FDP 1992 Jörg Haider als Starredner in ihre Ortsgruppe Bad Cannstatt (Stuttgart) einlud, gab es noch heftige Aufregung. Die dortigen Freidemokraten -typische Freiberufler und Familienunternehmer - hatten sich längst eine andere Partei gewünscht: mehr Haider, weniger Hans-Dietrich Genscher. Als Haider in Bad Cannstatt vor die deutsche Presse trat, begrüßte er mich mit seinem Verhaberungs-Du: "Servas, lang nicht g'sehen, schön dass du auch da bist " Ein spontanes "Herr Haider, wir sind nicht per Du" rettete meine Reputation. An diese Anekdote musste ich denken, als ich die Beiträge und Reportagen des von Heinrich Geiselberger herausgegebenen Sammelbandes mit dem Titel "Oben rechts -Rechtspopulismus als Klassenprojekt" las.
Diese Zusammenschau widmet sich einem oft unterbelichteten Thema: Dem Bündnis von Teilen des Groß-und mittleren Kapitals und Parteien, die sich als populistische Fürsprecher des "kleinen Mannes" kostümieren. Dabei ist es ja augenfällig: Teile der Tech-Milliardäre haben Donald Trump und den radikalen Flügel der Republikaner genauso groß gemacht wie spendenfreudige Traditionsunternehmer wie die Koch-Brüder. Die FPÖ wettert gegen den Steuerstaat und hievt Extremlibertäre wie Barbara Kolm in Parlament und Nationalbank. Bei der AfD ist es genauso. Der tschechische Ministerpräsident Andrej Babiš ist genauso wie Italiens berühmtester Rechtspopulist, Silvio Berlusconi, Unternehmer.

In historischen Recherchen und aktuellen Reportagen begibt sich "Oben rechts" auf die Spuren all dessen, zusammengetragen von Herausgeber Heinrich Geiselberger. Ziel ist eine materialistische Theorie des zeitgenössischen Rechtspopulismus. Der Journalist Tobias Moorstedt reist durch Baden-Württemberg, um das eingangs beschriebene Biotop aus CDU, FDP und AfD zu erforschen. Er begegnet Leuten, die er als "Weltbürger und Kleinbürger zugleich" charakterisiert: "Weltkleinbürger" nennt er sie.

Instruktive Essays rekonstruieren, wie zu Beginn der 1990er-Jahre in den USA in neoliberalen Thinktanks die These entwickelt wurde, dass es eine Allianz aus reicher Anti-Staats-Revolte und gesellschaftspolitisch konservativen, antiliberalen Volksteilen brauche, wenn man Einfluss gewinnen wolle. Mit neoliberalen Predigten alleine würde man frustrierte Arbeiter kaum gewinnen. Dieser "rightwing populism" wurde von Vordenkern der Libertären, wie Murray Rothbard, als "Erfolgsformel" angepriesen. Anton Jäger charakterisiert die rechte Welle als "eine Art Übermut" radikalisierter Unternehmer, der Konservativismus-Forscher Thomas Bierbricher erinnert an Vorläufer wie den Poujardismus in Frankreich, von dem eine direkte Linie zu Le Pen, Berlusconi und Trump führt.

Die rechte Welle erweist sich weniger als Reaktion auf Abstiegsängste oder sozialpsychologische Verlorenheit und mehr als Projekt einer Kapitalfraktion. In dieser Sicht sind die lokal verwurzelten Familienunternehmer eher Bündnispartner der Ultrarechten, die global agierenden Konzerne mehr auf Seiten eines Liberalismus Clinton'scher Prägung.

Mitunter ist das etwas zu sehr mit der Axt zugeschlagen (es gibt auch viele linksliberale Familienunternehmer), rückt aber doch so manchen konventionellen Unfug gerade: "Small Businesses" sind im rechten Wählerpotenzial am stärksten überrepräsentiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Selbstständiger die AfD wählt, ist deutlich höher, als dass dies ein Arbeiter tut.

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