Strukturwandel der Öffentlichkeit
Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft

von Jürgen Habermas

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Verlag: Suhrkamp
Format: Taschenbuch
Genre: Politikwissenschaft/Politische Theorien, Ideengeschichte
Umfang: 391 Seiten
Erscheinungsdatum: 06.11.1990


Rezension aus FALTER 24/2019

„Sprechen Sie über sich selber!“

Der Philosoph Jürgen Habermas wird 90. Seine rechten und konservativen Gegner sehen ganz alt aus

Der Philosoph und Intellektuelle Jürgen Habermas mag Interviews nicht. Er war „zeitlebens von der Überlegenheit des geschriebenen Wortes überzeugt“. Auftritte in Talk- und Personalityshows sind für Habermas schlicht undenkbar, weil diese Öffentlichkeit zur Inszenierung von Imagepirouetten pervertieren, in denen Öffentliches und Privates ununterscheidbar werden. Der leidenschaftliche Diskutant Habermas schätzt die alltagssprachliche Kommunikation sehr – „ich kenne keinen Menschen, dem das Reden und Argumentieren so viel Spaß macht wie ihm“, sagte der deutsche Sozialphilosoph Oskar Negt über ihn. Doch Habermas hält solche Kommunikation auch für naiv im Vergleich zum professionellen philosophischen Diskurs, der sich im Raum von Argumenten und Gründen bewegt, um Geltungsansprüche überprüfbar zu formulieren, das heißt, um dem „zwanglosen Zwang des besseren Arguments“ den Weg zu bahnen.

Das ist keine professorale Marotte, sondern hat neben theoretischen auch lebensgeschichtliche Wurzeln. Als Habermas 2004 den Kyoto-Preis, eine Art Neben-Nobelpreis, erhielt, forderte ihn Kazuo Inamori, Gründer des Konzerns Kyocera und von dessen Stiftung, auf: „Bitte sprechen Sie über sich selber!“ Habermas ging auf das für einen Philosophen eher befremdliche Ansinnen ein und erläuterte vier lebensgeschichtliche Wurzeln seines Denkens.

Zwei der lebensgeschichtlichen Wurzeln seines Denkens hätten mit seiner Sprachbehinderung zu tun, wie Habermas in seiner Dankesrede erläuterte. Direkt nach seiner Geburt wurde er einer Gaumenoperation unterzogen, mit fünf Jahren erfolgte ein zweiter Eingriff. Unmittelbar als Kommunikationsproblem erfuhr Habermas seine Behinderung als Schüler, weil man ihn wegen seiner nasalen Diktion und seiner Artikulation nicht oder nur schlecht verstand. Das bekam er in Form von Beleidigungen und Kränkungen zu spüren. Natürlich lassen sich zwischen diesen frühen Prägungen und dem wissenschaftlichen Werk keine geraden Verbindungen ziehen, aber die Bedeutung gescheiterter Kommunikation und daraus resultierender Kränkungen sind ohne Rückgriff auf küchenpsychologische Spekulationen verständlich.

Eine Frankfurter Skurrilität in der Zeit um 1968 zeugt davon. Es gab da Auftritte des Clowns Hans Imhoff, der sich als Aktionskünstler verstand und den Universitätsbetrieb durch Störungen verspottete. In Feuilletons werden Imhoffs Aktionen bis heute überschätzt und zu „Szenen eines höheren Lustspiels“ (FAZ, 1998) hochgeschrieben. Imhoff fiel jedoch nicht mehr ein, als Habermas’ Sprachbehinderung nachzuäffen. Die wurstige Zumutung eines Journalisten, die Begegnung mit Imhoff 30 Jahre danach zu kommentieren, beschied Habermas bündig mit einem einzigen Satz: „In jenen Tagen, als die Eier und Knallkörper im Hörsaal herumflogen, habe ich mich nur ein einziges Mal verletzt gefühlt: als Herr Imhoff unter die Gürtellinie schlug.“

Eine weitere lebensgeschichtliche Wurzel für sein Werk ist das Jahr 1945, das der Heranwachsende als „weltgeschichtliche Zäsur“ erlebte, auch wenn sich diese in der Kleinstadt Gummersbach, wo er aufwuchs, zunächst nur in einer KPD-Buchhandlung manifestierte. Vollends klar wurde dem 21-Jährigen die Zäsur, als er im Sommersemester 1950 in Zürich studierte. Hier sah er zum ersten Mal eine intakte Stadt mit einem großen kulturellen Angebot an Filmen, Theatern, Museen und Bibliotheken.

Als vierte Wurzel seines Denkens betrachtet Habermas die potenzielle Zerbrechlichkeit jeder Demokratie. Zwar gab es nach 1945 so etwas wie eine „Revolutionierung der Denkungsart im Ganzen“, aber an den Universitäten, im Justizwesen und in der Politik überlebten alte Eliten mit ihren nationalistisch imprägnierten Mentalitäten. Schon als 24-jähriger Student brach Habermas mit der „unseligen Verbindung von Nationalismus und bürgerlich-hoffähigem Antisemitismus“, wie sie sich in Martin Heideggers „Einführung in die Metaphysik“ aus dem Jahr 1935 zeigte. 1953 publizierte Heidegger diesen Text unverändert, ließ also „die innere Wahrheit und Größe“ des Nationalsozialismus weiterleben, so als ob der „planmäßige Mord an Millionen von Menschen“ (Habermas) nicht stattgefunden hätte. Konservative reagierten auf Habermas’ Kritik so, wie es ihm noch oft widerfahren sollte – mit der Denunziation als Marxist, der „den Geschäften der Herren im Osten Vorschub“ leiste.

Wörtlich erhob diesen Vorwurf gegen Habermas – 1957 Assistent von Theodor W. Adorno am Frankfurter Institut für Sozialforschung – Max Horkheimer, der Direktor des Instituts. Unter dem Titel „Zur philosophischen Diskussion um Marx und den Marxismus“ hatte Habermas eben einen Forschungsbericht veröffentlicht. Der missfiel Horkheimer so entschieden, dass er Adorno „die Aufhebung der bestehenden Lage“ befahl, das heißt die Entlassung von Habermas. Adorno wehrte sich tapfer, konnte sich aber nicht durchsetzen. Habermas stand über Nacht mit Frau und Kind buchstäblich auf der Straße. Wolfgang Abendroth, der „Partisanenprofessor im Lande der Mitläufer“, sprang ein und habilitierte Habermas 1961 mit der Studie zum „Strukturwandel der Öffentlichkeit“.

Horkheimer, der zeitlebens nie allein mit Habermas gesprochen hat, konzedierte diesem zwar „ungeheuren Scharfsinn“, Begabung und „geistige Überlegenheit“, aber traute ihm nur zu, „als Schriftsteller eine gute, ja glänzende Karriere“ zu machen. Mit dieser Prognose lag Horkheimer im Abseits und mit den Entlassungsgründen unter seinem und Habermas’ Niveau. Er unterstellte Habermas’ Arbeit über Marx, er sei mit den Machthabern in der Sowjetunion verbandelt und preise, „wenn auch ohne Absicht, die Diktatur“. Horkheimer buchstabierte schlichte Ressentiments in der Preislage der konservativen Parole im Kalten Krieg durch, wonach „der Sozialismus in einem Land und der Nationalsozialismus (...) ohnehin eine tiefe Verwandtschaft“ aufwiesen würden.

Ungeachtet der weltweiten Anerkennung des Philosophen trafen Habermas in der BRD immer wieder scharfe Attacken von Konservativen und Rechten, obwohl er selbst nicht zu „salopp hingeworfenen Zeitdiagnosen“ neige: „Ich gehöre nicht zu den Intellektuellen, die mal eben aus der Hüfte schießen“, bekannte er vor gut einem Jahr in der spanischen Zeitung El Pais.

Vom Fernsehintellektuellen Peter Sloterdijk wird das niemand behaupten wollen. Im Handstreich erklärte Sloterdijk die Kritische Theorie im Herbst 1999 für tot und Habermas zum „Starnberger Ajatollah“, der „Fatwas“ ausspreche und dienstbare Büttel als intellektuelle Rufmörder durchs Land schicke. In Fahrt geraten, legte Sloterdijk nach: „Das ist das Schicksal der Söhne großer Faschisten. Unter dem Nazismus hat der Vater von Habermas eine wirklich große Rolle gespielt, über die man öffentlich besser nicht redet.“ Das konnte man gar nicht, denn Habermas’ Vater war ein Subalterner – Major der Wehrmacht (in Frankreich eingesetzt, sehr gut erforscht) und im Zivilleben Leiter der Zweigstelle Gummersbach der Industrie- und Handelskammer Köln/Wuppertal. So kommen rechte Gurus mit der „Schlüsselattitüde des großen Denkers, aber ohne empirische Kenntnis“ daher.

Für das FAZ-Hilfspersonal wurde Habermas-Bashing unter Frank Schirrmacher zur Aufstiegschance. Einem der Jungschützen fiel zur Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels (2001) nur das Spielchen „Habermas für Kinder“ ein, in dem der Philosoph der „guten Absichten“ hämisch zum Ordnungshüter im „Kinderzimmer“ nobilitiert wird. Rustikal langte auch der Literaturwissenschaftler Karl Heinz Bohrer zu, der im Zuge der „nationalen“ Wiedergeburt von 1989 auf „deutsche Nationalgeschichte“ umsattelte und Habermas 2001 des „geschichtsfeindlichen Universalismus“ bezichtigte, um sein eigenes Halali für Kriege im Namen von nationalistischen Girlanden – „höheres Ethos, letzte Causa und brinkmanship“ – wenigstes am Stammtisch zu retten.

Spätestens damit war das Niveau nach unten offen. Der Ex-FAZianer Jürgen Busche verkaufte als Rentner 2006 dem rechten Blatt Cicero die vom FAZ-Journalisten Joachim Fest und anderen kolportierte, restlos erfundene Geschichte, Habermas habe als 14-Jähriger ein handschriftlich formuliertes „Bekenntnis zum Führer“ als Erwachsener „verschluckt“, um seine Spuren als Früh-Nazi zu vernichten. So agieren gutbürgerliche Konservative, wenn es gegen links geht. Schamlos.

All das wurde noch unterboten. Einen Salto mortale ins Reich der ewig Peinlichen schlug der Satiriker Eckhard Henscheid. Satire, sagt man, dürfe alles, außer sich über Eigennamen lustig machen, da diese jedem schuldlos zufallen. Das hinderte Henscheid nicht daran, Habermas als „Habi“ und „Habermaus“ zu verspotten. In einem FAZ-Artikel machte sich 1998 ein Nachwuchsmann lustig über Habermas’ Sprachbehinderung. Sein Freund Alexander Kluge richtete dem Blatt im ersten Leserbrief seines Lebens mit einem Wort aus, was derlei ist: „infam“.

Es gab Habermas-Gegner auch von links. Die professoralen und freischaffenden „Adorninis“ und „Adornauten“ aller Kaliber bemerkten nicht, dass sie sich mit ihrer selbstverschuldeten Ignoranz im Trüben einrichteten. Statt Habermas zu lesen, bezichtigten sie ihn lieber des „Verrats“ an Adornos Erbe – zunächst explizit und, als das nur noch lächerlich wirkte, implizit oder mit dem Herbeten von aufgelesenen wohlfeilen Gemeinplätzen, die nur belegen, wie wenig sie von Habermas verstanden. Zum „Verräter“ wurde ihnen Habermas, weil er sein eigenes Denken nicht abdichtete und in die Sackgasse der „Negativen Dialektik“ mit ihrem „rabenschwarzen Totalitätsdenken“ (Habermas) steuerte, sondern offen hielt. Habermas verabschiedete sich auch von Teilen der „Dialektik der Aufklärung“ und der aus dem historischen Kontext der Entstehung in dunkler Zeit (1944/47) verständlichen, aber in ihrer Rigidität haltlosen Vernunftkritik, die der Vernunft den Boden entzieht. Er verzichtete auch auf spekulativ aufgeladene Metaphern – vom „Nichtidentischen“ bis zur „Versöhnung“ –, mit denen Adornos Spätwerk für die Philosophie einen Rest von privilegiertem Status behauptete.

Mit Habermas wurde die Philosophie beziehungsweise die Kritische Theorie von ihrer geschichtsphilosophischen Last sowie ihrem auratischen Sprachgestus befreit und auf den Boden einer Wissenschaft unter anderen zurückgeholt. Die Eleganz und Elastizität von Habermas’ Denken drechselten die Kritikerinnen und Kritiker von rechts zum Vorwurf des Opportunismus und jene von links verbunkerten sich hinter Adornos schillernden Begriffen und Metaphern, indem sie diesen ihren Zeitkern entzogen und sie dadurch zu Dogmen sterilisierten.

Habermas dagegen bestand auf der historischen Situierung der Vernunft und auf deren Fähigkeit zu radikaler Selbstreflexion, mit der sie vermeintlich Verbürgtes und herkömmliche Wahrheitsansprüche diskursiv relativierte, also im Sinne Kants Wissen von bloßem Glauben trennte. Die Selbstreflexion der Vernunft ist auf rationale Beschränkung, nicht auf spekulative Aufblähung gerichtet. Sie grenzt sich so von postmoderner Beliebigkeit ebenso ab wie von den zu dekorativen Girlanden geronnen rhetorischen Beständen der älteren Kritischen Theorie. Habermas’ Vernunftverständnis ist „skeptisch, aber nicht-defaitistisch“ – in Abgrenzung zu post- oder hypermodernen Positionen. Seine sprach- und diskurstheoretische Wende der Kritischen Theorie bewegt sich im Rahmen von pragmatistischen Bedeutungs- und Handlungstheorien, die sich nicht subjektbezogen begründen lassen, sondern nur auf der Basis von intersubjektivem Austausch von Argumenten und Gegenargumenten in Sprach- beziehungsweise Diskursgemeinschaften. Habermas’ Denken beruht in diesem Sinne im Kern auf Öffentlichkeit, Diskurs und Vernunft – eine an Kant orientierte Zentrierung, die Habermas offen als seine „Obsession“ bezeichnet hat.

Gegen die Verschwisterung von Wissenschaft und akademisch drapiertem Nationalismus wandte sich Habermas immer. Von seiner Hegel-Preis-Rede (1974) bis zu seiner Position im Historikerstreit (1986/87) und seinen Schriften zur „postnationalen Konstellation“ (1998) zieht sich ein roter Faden: die Kritik an der „völkischen Auffassung der Nation“ und „nationalen Identitäten“ als quasi-natürlichen Begebenheiten. In egalitär und demokratisch verfassten Staaten gehe es, so Habermas, nicht länger um dynastische Herkunftslegenden, ethnische Abstammungsgeschichten oder Herkunft und „Blut“, sondern um Menschen- und Bürgerrechte, egalitären Zugang zu Nahrung, Gesundheit, Bildung, Arbeit und Wohnung sowie politische Partizipation.

Es gibt keine demokratisch akzeptable Begründung dafür, diese Rechte und den Zugang zu den Basisressourcen in einem multinational, multireligiös und multiethnisch bevölkerten Staat national, religiös oder ethnisch zu organisieren, ohne grundrechtliche Minimalstandards zu unterlaufen. Habermas entfaltete im rechtsphilosophischen Werk „Faktizität und Geltung“ (1992) starke Argumente dafür, warum auf national orchestrierte Ausschließungsparolen, wie „Leitkultur“, oder „nationale Identität“, verzichtet werden muss. Damit will sich das im Halbdunkel gefangene Denken seiner konservativen und rechten Gegner nicht abfinden. Sie denunzierten Habermas’ Kritik schon seit zwei Jahrzehnten als opportunistisches „Dabeisein beim Dagegensein“ (FAZ, 2001 und 2014).

Habermas verabschiedete sich längst vom „vollmundigen Tenor“, wie er es 1998 ausdrückte, mit dem er 1968 in „Erkenntnis und Interesse“ die Emanzipation als der Geschichte eingeschriebenes Telos beschwor. Nach der Tilgung solcher geschichtsphilosophisch inspirierten Denkfiguren wird aber „die diskursive Verflüssigung“ von fortexistierender Macht, Ungerechtigkeit und Gewalt durch Wissenschaft und Kritik nicht obsolet. Die Begründungsstrategie für das Interesse an Emanzipation hat Habermas in „Faktizität und Geltung“ umgestellt auf Teilhabe und damit – gegen den konservativen Zeitgeist – an den „radikalen Gehalten des demokratischen Rechtsstaates“ festgehalten. Erstens: Gleiches ist gleich und Ungleiches ungleich zu behandeln. Und zweitens müssen sich Bürgerinnen und Bürger als virtuelle Autorinnen und Autoren von Recht verstehen, damit dieses zum richtigen Recht wird. Mit diesen Ansprüchen an Recht, Rechtsstaat und Demokratie provoziert Habermas alte rechte Seilschaften wie junge postmoderne.

Habermas findet weltweit hochverdiente Anerkennung. Das intellektuelle Niveau der Angriffe auf ihn ist in Deutschland in den letzten 50 Jahren hingegen ständig gesunken – jüngst durch einen Lateinlehrer und einen SPD-Kultusminister aus Rostock, die Habermas „Ahnungslosigkeit“ vorwarfen. In Südkorea, Japan, China, im Iran und vor allem im angelsächsischen Sprachraum wird über Habermas heute sachkundiger diskutiert als unter deutschen Konservativen und Rechten. Pünktlich zum 90. Geburtstag erschien das von Amy Allen und Eduardo Mendieta herausgegebene, 850-seitige „Cambridge Habermas Lexicon“. Habermas bedankte sich für die Ehre, als erster lebender Philosoph im renommierten Verlag mit einem Lexikon belohnt zu werden. Lächelnd merkte er an, auf der Rückreise zu prüfen, was mit seinen Arbeiten aus fast 70 Jahren durch die Aufspaltung in 230 Lexikonartikel passiert sei.

Rudolf Walther in FALTER 24/2019 vom 14.06.2019 (S. 28)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Theorie des kommunikativen Handelns - Band I: Handlungsrationalität und gesell. Rationalisierung Band II: Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft (Jürgen Habermas)
Zur Verfassung Europas - Ein Essay (Jürgen Habermas)


Rezension aus FALTER 28/2011

Demokratische Geheimpolitik

Während in Österreich Internetaktivisten für mehr Transparenz kämpfen (siehe Seite 21), hat Jürgen Habermas bereits 1961 beschrieben, dass in den Institutionen unseres modernen Staats noch immer der Geist undemokratischer Geheimpolitik herrscht. Mit "Strukturwandel der Öffentlichkeit" hat der Autor den Durchbruch zu den ganz großen Denkern der Gegenwart geschafft, was auch der Grund ist, warum das Buch viele Regale ziert, aber nur wenig gelesen wird.
Die Grundbotschaft des Werkes ist eingängig: Das Prinzip einer frei zugänglichen Öffentlichkeit, in der die Kraft des besseren Arguments zählen würde, funktioniert nicht mehr in unserer liberalen Massendemokratie. Einst musste der Zutritt zur Öffentlichkeit von den Bürgern gegen die Geheimpolitik der Monarchen durchgesetzt werden, heute müsste er erneut erkämpft werden, gegen Konzerne, Parteien und Behörden, die im Hinterzimmer künstlich Stimmungen mithilfe von PR-Strategen kreieren.

Wolfgang Zwander in FALTER 28/2011 vom 15.07.2011 (S. 24)



Rezension aus FALTER 14/2009

Wandel und Öffentlich-Rechtlicher

Wenn ORF-General Alexander Wrabetz von einem "Strukturwandel" spricht, drängt sich der "Strukturwandel der Öffentlichkeit" von Jürgen Habermas (1962) auf. Zunächst zeichnet Habermas die Metamorphose der Öffentlichkeit von ihrer repräsentativen hin zu ihrer bürgerlichen Form nach, beschreibt dann ihren Niedergang durch die Vermischung von privater und staatlicher Sphäre, um schließlich die Verkümmerung der kritischen Öffentlichkeit zu Public Relation zu skizzieren. Die nicht unkomplizierte Lektüre schafft Verständnis für Öffentlichkeit zwischen Feudalismus und (Post-)Moderne – und lässt darüber hinaus die Zwickmühle zwischen Politischem und Privatem, in der der ORF steckt, begreifen.

Stefan Apfl in FALTER 14/2009 vom 03.04.2009 (S. 16)


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