Postliberalismus?

Eine transatlantische Debatte | Das große Debattenbuch zur Zukunft der westlichen Demokratie
500 Seiten, Taschenbuch
€ 28,80
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Lieferbar in 14 Werktagen
Mehr Informationen
Reihe suhrkamp taschenbuch wissenschaft
Themen Gesellschaft und Sozialwissenschaften Politik und Staat Politische Ideologien und Bewegungen Liberalismus, Mitte
ISBN 9783518300947
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 20.08.2026
Größe 17.7 x 11.8 cm
Verlag Suhrkamp
Herausgegeben von Veith Selk, Julian Nicolai Hofmann
LieferzeitLieferbar in 14 Werktagen
HerstellerangabenAnzeigen
Suhrkamp Verlag GmbH
Torstr. 44 | DE-10119 Berlin
info@suhrkamp.de
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Kurzbeschreibung des Verlags

Die Vorherrschaft des Liberalismus scheint ihrem Ende entgegenzugehen. Angesichts sich verschärfender geopolitischer Krisen und der beschleunigten Erosion liberaler Demokratien werden in der politischen Theorie diesseits und jenseits des Atlantiks Alternativen zum Liberalismus diskutiert, die unter dem schillernden Oberbegriff des Postliberalismus zusammengefasst werden. Der Band versammelt Beiträge von international renommierten Wissenschaftler:innen wie u. a. Thomas Biebricher, Annelien de Dijn, Patrick J. Deneen, Anton Jäger, Philip Manow, Samuel Moyn, Jan-Werner Müller, Elif Özmen, Adrian Pabst und Nadia Urbinati, die dieses neue Phänomen in den Blick nehmen. Als Beobachter, Kritikerinnen oder Befürworter solcher Alternativen fragen sie: Ist der Liberalismus noch zu retten?

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FALTER-Rezension

Postliberalismus: Zeitdiagnostisch oder rückwärtsgewandt?

Lina Paulitsch in FALTER 37/2026 vom 09.09.2026 (S. 18)

Ob Donald Trump sich auf so etwas wie ein intellektuelles Fundament stützt, darf bezweifelt werden. Fest steht: Intellektuelle stützen sich auf den US-Präsidenten. Sie sehen in Trump einen Rammbock, mit dem die liberale Ordnung aufgebrochen wird.
"Postliberalismus" heißt die Diagnose, die nach Faschismus, Kommunismus und Liberalismus eine neue Epoche einläuten soll. Populär gemacht haben den Begriff rechte US-Denker. Da ist der katholische Politologe Patrick Deneen, der statt der liberalen Demokratie eine vormoderne Aristokratie einfordert. Deneen liefert Vizepräsident JD Vance die Stichworte. Oder der Jurist Adrian Vermeule, der die US-Verfassung auf katholische Rechtslehre ummodeln will.

Der nun im Suhrkamp Verlag erschienene Sammelband "Postliberalismus? Eine transatlantische Debatte" transferiert die amerikanische Diskussion nach Europa. In Großbritannien entwirft Adrian Pabst aus dem linkskonservativen Blue-Labour-Umfeld eine eigene Theorie des Postliberalismus. Im deutschsprachigen Raum kleben sich politisch links stehende Theoretiker, etwa das Soziologen-Paar Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey, das postliberale Label auf. Generell gibt es kaum mehr Politologen, die den Liberalismus nicht in einer Krise sehen. Das Buch versammelt die sehr verschiedenen Positionen, die aus dieser Einsicht folgen.

Jahrelang galt die Kritik am Liberalismus als linkes Terrain. Raubtierkapitalismus, Individualismus, Vereinzelung -gegen diese Phänomene schrieben traditionell Globalisierungskritiker an. Heute fordern auch Rechte einen starken Staat. Veith Selk und Julian Nicolai Hofmann, Herausgeber des Bandes, sprechen von einer "Paradigmakrise" des Liberalismus. Zwar mag die liberale Demokratie als solche funktionieren. Ihre Unterstützung ist aber rückläufig, in vielen Ländern siegen Rechtspopulisten und Vertreter einer illiberalen Politik. Schuld daran sei der Erfolg des Liberalismus selbst: Infolge einer "negativen Dialektik" bringe er seine Gegner selbst hervor. Die Freiheit zur Unfreiheit, sozusagen.

Im selbstbewusst getitelten Beitrag "Wir sind jetzt alle Postliberale" setzt US-Denker Deneen den Liberalismus mit dem Progressivismus gleich. Die Mängel der freien Wirtschaft sind bei ihm zweitrangig, Deneen treiben vor allem kulturelle Freiheiten um. Frauenrechte, der Kampf um Diversität, Geburtenkontrolle -all das habe zu einem Verlust des Gemeinschaftsgefühls geführt. Tradition, Familie und Religion versprächen Abhilfe. Eine tugendhafte Elite solle das Volk aristokratisch zum Guten führen.

Mehrere Autoren setzen sich dieser Schlussfolgerung vehement entgegen. Anton Jäger, der politische Theorie in Oxford lehrt, hält Deneens Schwärmerei von der Vormoderne für fehlerhaft. Im 19. Jahrhundert waren die Gesellschaften nicht im selben Ausmaß wie heute politisch organisiert, ein Vergleich mit der Gegenwart sei daher schwierig. Andrew Scerri, US-Politologe, kritisiert den Postliberalismus als bloßen Wertkonservatismus. Und Stefan Borg, schwedischer Forscher, hält die Theorie für vergangenheitsfixiert. Der Postliberalismus brauche per definitionem liberale Fehler, an denen er sich abarbeiten kann -und führe in eine rückwärtsgewandte Utopie.

Über den Atlantik schwappt der abfällige Gebrauch von "liberal" herüber. Warum der Liberalismus in Verruf gekommen ist und was am Postliberalismus dran sein könnte -all das zu verstehen lohnt heute mehr denn je.

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