Bitte haben Sie einen Moment Geduld, wir legen Ihr Produkt in den Warenkorb.
Diese Produkte könnten Sie auch interessieren:
Bitte haben Sie einen Moment Geduld, wir legen Ihr Produkt in den Warenkorb.
| Themen | Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch |
|---|---|
| ISBN | 9783518432976 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 02.09.2026 |
| Größe | 21 x 13.6 cm |
| Verlag | Suhrkamp |
| Sammlung | Deutscher Buchpreis 2026 |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Suhrkamp Verlag GmbH Torstr. 44 | DE-10119 Berlin info@suhrkamp.de |
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren an derselben Universität – doch das ist auch schon alles, was sie verbindet. Anton entstammt einer Akademikerfamilie, Alma ist bei ihrer Mutter und ihrem lieblosen Stiefvater am östlichen Stadtrand aufgewachsen. Anton ist Jude. Alma nicht. Doch die beiden verlieben sich, ziehen zusammen, streiten und versöhnen sich, bis Anton nach New York geht, um dort seine Masterarbeit über die Massenkonversion der Chasaren zum Judentum zu schreiben. Alma bleibt allein zurück und sucht Halt in Antons Gemeinde. Erst die Ereignisse des 7. Oktober 2023 und des Gaza-Kriegs, die polarisierte Stimmung sowohl auf dem Campus als auch in seiner eigenen Familie lassen Anton zu Alma zurückkehren, bei ihr Trost und Zuflucht finden. Doch dann reißt ein tiefer Abgrund auf, und die Hoffnung auf Glück scheint ferner denn je.Anton und Alma erzählt die Geschichte einer großen Liebe in einer zunehmend gespaltenen Welt. Von der Sehnsucht nach Aufrichtigkeit und Geborgenheit, von Trauer und Verlust, von Glauben und Zugehörigkeit – und von unser aller Versuch, dem Leben einen Sinn zu geben. Ein herzzerreißender, mutiger Roman darüber, was es bedeutet, Mensch zu sein.
| Themen | Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch |
|---|---|
| ISBN | 9783518432976 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 02.09.2026 |
| Größe | 21 x 13.6 cm |
| Verlag | Suhrkamp |
| Sammlung | Deutscher Buchpreis 2026 |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Suhrkamp Verlag GmbH Torstr. 44 | DE-10119 Berlin info@suhrkamp.de |

Lina Paulitsch in FALTER 41/2026 vom 07.10.2026 (S. 17)
Alma freut sich eigentlich über alles, das Anton ihr gibt. Wenn er sich umentscheidet und sie doch nochmal trifft. Wenn er ihr einen kleinen Blumenstrauß schenkt, zur Entschuldigung, weil er sich nicht gemeldet hat. Wenn er sie seinen „coolen“ Freunden vorstellt.
Doch als er ihr eine Playlist erstellt, die zeitgenössische Form des Mixtapes, hört sie monatelang nicht hinein. Anton mag traurige Musik, Alma eher schnelle Beats. Weil er nur ein bisschen traurig sein könne, denkt sie, richtige Probleme kenne er nicht. Er bekomme keine Heulkrämpfe bei Nick Cave, nicht so wie sie.
Diese Beziehung ist von Beginn an eine asymmetrische. Alma will, Anton nicht so ganz, schwankt, wendet sich dann doch zu. Über mehr als 500 Seiten verschiebt sich diese Konstellation geringfügig, ändern wird sie sich nicht.
„Anton und Alma“ lautet der schlichte Titel dieser Liebesgeschichte, die leichtfüßiger klingt, als sie ist. Noch vor Erscheinen landete der Roman von Dana Vowinckel auf der Long- und später auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Die Autorin, Jahrgang 1996, zählt zu den aktuell gehyptesten Autorinnen Deutschlands.
Bereits um ihr Debüt rissen sich die Verlage, Suhrkamp entschied das Rennen für sich. Zur Rezeption zählte damals auch das Timing: „Gewässer im Ziplock“ erschien kurz nach dem 7. Oktober 2023 und erzählt von jüdischen Lebenswelten in Chicago, Berlin und Jerusalem. Vowinckel selbst hat einen jüdischen Vater, konvertierte zum Judentum und wuchs in Kreuzberg auf. Sie kennt das Milieu, von dem sie schreibt.
Auch in ihrem zweiten Roman bildet das Judentum eine alles definierende Kulisse, die der Geschichte ihren Drive gibt. Was es bedeutet, jüdisch zu sein, gießt tagesaktuelles Öl ins Feuer einer streckenweise langatmigen Romanze.
Aus jeweils personal-auktorialer Perspektive erzählt einmal Anton, dann Alma. Am Anfang halten sich beide für unattraktiv, sie sind unsicher, von Krankheiten geplagt. Sie kennen einander bereits von einem Schulaustausch in Frankreich und begegnen sich später auf einer Uni-Party wieder. Zwar studieren sie dasselbe, Literatur und Geschichte, kommen aber aus völlig unterschiedlichen Kontexten.
Anton ist Jude, der Vater ein verpeilter Dozent aus New York City, die Mutter eine verkorkste Psychiaterin aus Israel. In der großzügigen Altbauwohnung in Berlin-Schöneberg stehen Bücher, schick ramponierte Designermöbel, Kunst hängt an den Wänden.
Alma kommt aus Biesdorf, einem spießigen Ostberliner Außenbezirk. Ihre Familie ist zerrüttet, der Vater früh verstorben, die Mutter heiratete einen Mann, der Alma als Kind das Leben zur Hölle machte. Alma weiß, wie es sich anfühlt, verlassen zu werden.
Wenn Anton geht, dann leidet sie existenziell: „Das Gefühl, als hätte ihr jemand versehentlich den Ellbogen in die Kehle gerammt, als müsste sie jetzt sofort sterben, nur war es durchgehend so. Es war kein Kloß, sondern, als hätte sie eine Reihe kantiger Gegenstände verschluckt.“
Die erste Hälfte des Buches erzählt von der Zusammenkunft zweier Twentysomethings. Mit großem Gespür fürs Zeitgenössische fängt Vowinckel die Bitterkeiten des Datings ein, erzählt plastisch von sexueller Lust, aber auch von der überwältigenden Intensität der ersten großen Liebe. Das erinnert mal an die US-Serie „Girls“, dann an Romeo und Julia, ein bisschen auch an den lässig-leichten Sound von Caroline Wahl.
Trotz anfänglicher Bindungsschwierigkeiten und einer angeblichen Depression Antons machen es sich Anton und Alma bald in trauter Zweisamkeit gemütlich. Sie leben zwar in Berlin, von Techno und Partys ist dennoch keine Rede. Populäre polyamore Beziehungskonzepte belächeln sie nur und bekochen sich gegenseitig am Samstagabend daheim. Das kommt sehr anti-zeitgeistig und deshalb erfrischend daher. Immerhin, so wagt es Vowinckel auszuschreiben, wünschen sich die meisten Menschen die gute alte Paarbeziehung – progressiv hin oder her.
Die Autorin ist mit 30 Jahren selbst verheiratet, den Roman widmete sie ihrem Mann. Sie halte nichts von der „Insta-Pop-Psychologie“, erklärte sie in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, lehne es ab, wie leichtfertig man auf Social Media von einer „toxischen Beziehung“ spricht. „Im Buch sind Anton und Alma schon auch ordentlich blöd zueinander, Anton ist nicht frei von Misogynie, Alma gibt ihm nicht genug Freiheit. Aber das ist klar etwas anderes als Missbrauch oder Toxizität.“
Zwar bemüht sich die Autorin, das Gute und Schlechte, das Starke und Schwache gleichmäßig auf ihre Charaktere zu verteilen. Dabei schadet sie aber deren Schärfe. Anton stößt sich ab, ohne dass die Leserin so recht versteht, warum, und watschelt so überaus nett zurück, dass sich noch mehr Fragezeichen auftun. Alma soll cool sein, sassy und funny, wirkt aber gleichzeitig derart unterwürfig, dass ihre Figur vor lauter Widersprüchlichkeit verblasst.
Vor allem ab der Hälfte legt die Geschichte ordentlich an Pathos zu. Anton geht nach New York, um zu studieren, die beiden trennen sich. Den Schmerz stillt Alma in der Synagoge. Ausgerechnet im Judentum, in Antons Identität, findet sie Halt, und plant zu konvertieren. Ihre Bigotterie wirkt seltsam kitschig, als am 7. Oktober 2023 die Hamas in Israel mehr als tausend Menschen tötet und der Gaza-Krieg ausbricht. Anton kommt mit Amerika – Stichwort Pro-Palästina-Proteste – nicht zurecht und kehrt in Almas vorgewärmten Schoß zurück.
Treffend schildert Vowinckel eine für Jüdinnen und Juden unmögliche Zeit. Besonders für Liberale ist es vertrackt, sich zum Krieg zu verhalten: das Leid beider Seiten zu gewichten, ohne eine zu delegitimieren. Die intersektionale Linke, in Berlin unter jungen Menschen dominant, kaprizierte sich auf Israel als Oberfeind. Diesen Schmerz habe sie selbst erlebt, erzählt Vowinckel, und literarisch verarbeitet. Aber auch den „Schock und Verrat“, den sie gegenüber der deutschen Mehrheitsgesellschaft empfand, die das Leid der Palästinenser negierte.
Umso störender gerät der letzte Teil dieses Buches. Kluge Reflexionen rund um das Judentum überlagert ein Hollywood-Twist, dessen Details hier lieber verschwiegen werden. Dieses Buch verdankt seine Relevanz der politischen Debatte und nicht so sehr seinen ästhetischen Qualitäten.

Wie gefällt Ihnen unser Shop?