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| Themen | Biographie, Literatur und Literaturwissenschaft Biografien und Sachliteratur Reportagen und journalistische Berichterstattung oder zusammengestellte Kolumnen |
|---|---|
| ISBN | 9783518433188 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 20.08.2026 |
| Größe | 22 x 14 cm |
| Verlag | Suhrkamp |
| Übersetzung | Matthias Strobel |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Suhrkamp Verlag GmbH Torstr. 44 | DE-10119 Berlin info@suhrkamp.de |
Als seine Mutter erzählt, dass sie sich im Netz in jemanden verliebt hat, der ihr Goldbarren schicken will, weiß Carlos sofort, was los ist: ein Romance Scam, eine Form des Internetbetrugs, bei denen Opfern unter falscher Identität Nähe vorgegaukelt wird, um an Geld zu kommen. Carlos kann seiner Mutter beweisen, dass alle E-Mails ihres Verehrers aus Nigeria stammen, und der Spuk ist vorbei, doch nun lassen ihn, den jungen Investigativjournalisten, die vielen Fragen nicht mehr los. Warum fällt jemand auf so was rein? Wer steckt bitte hinter dieser zeitintensiven Betrugsmasche? Carlos reist nach Lagos. Er schleust sich ein in die Welt der Love Scammer, begleitet vier von ihnen für ein Jahr. Anhand ihrer wechselhaften Schicksale versteht er die Psychologie des Romance Scams, erfährt von der Ausweglosigkeit einer ganzen Generation, von ihrem verschwenderischen Lifestyle, ihrer Erschöpfung und den moralischen Dilemmata. Und wie sich die Einsamkeit im Westen auf verblüffende Weise spiegelt in der Armut Nigerias.
Vielschichtiges Porträt Nigerias samt seiner Megametropole Lagos, rührende Mutter-Sohn-Geschichte, erschütternder Bericht von den Frontlinien moderner Einsamkeit – Hi Honey erweitert eindrucksvoll den Blick, auf die Art unseres Alleinseins und den afrikanischen Kontinent.
| Themen | Biographie, Literatur und Literaturwissenschaft Biografien und Sachliteratur Reportagen und journalistische Berichterstattung oder zusammengestellte Kolumnen |
|---|---|
| ISBN | 9783518433188 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 20.08.2026 |
| Größe | 22 x 14 cm |
| Verlag | Suhrkamp |
| Übersetzung | Matthias Strobel |
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| Herstellerangaben | Anzeigen Suhrkamp Verlag GmbH Torstr. 44 | DE-10119 Berlin info@suhrkamp.de |
Christina Vettorazzi in FALTER 41/2026 vom 07.10.2026 (S. 36)
Der Antrieb, das Buch „Hi Honey“ zu schreiben, ist der Wille, zu verstehen: Warum fällt eine europäische Ärztin und Mutter von drei Söhnen auf einen Romance-Betrüger herein? Die Suche nach Antworten führt den spanischen Journalisten Carlos Barragán nach Nigeria – in die Heimat des Internetbetrügers, dessen Opfer seine Mutter wurde.
Carlos Barragán, Jahrgang 1996, studierte Kreatives Schreiben an der Columbia University in New York und arbeitet nun als Reporter für die New York Times. Von 2022 bis 2025 recherchierte er für sein erstes Buch „Hi Honey“ und verbrachte fast sechs Monate in Nigeria, wo er vier Scammer begleitete, die ihm ihre Geschichten erzählten: Biggy, Chibuike, Azeez und Richie.
„Love Scammer“ oder auch „Yahoo-Boys“ – benannt nach den Mailadressen, die sie früher benutzten – sind Betrüger, die online nach Opfern suchen und ihnen eine falsche Identität sowie Liebe vorgaukeln, um an Geld zu kommen. In Nigeria boomt dieses Geschäft, denn Jobs sind rar. Viele junge Menschen haben daher viel Zeit. Und der Westen ist angesichts der hierzulande grassierenden Einsamkeit ein leichtes Ziel.
Einer der vier Männer, die Barragán begleitet, ist Biggy. Mit 19 Jahren begann er zu scammen – weil seine Freunde es auch taten und er sich eine bessere Zukunft erhoffte: „In Nigeria gibt es kein System, das einem irgendwie helfen würde. Es ist der reine Überlebenskampf, und weil ich mit Waffen oder Scheißjobs nichts zu tun haben wollte, habe ich eben das gemacht.“
Seit 2012 hat Biggy mit dem Betrug über 40.000 Dollar verdient, also etwa 35.000 Euro. Obwohl er viel zu viel Gras raucht und ziemlich faul ist, zeigt er doch Ambition. Wäre er in Europa geboren worden, hätte er möglicherweise ein berühmter Schauspieler werden können.
Barragán spricht auch mit den Eltern und Großeltern der Scammer. Einige sehen den nigerianischen Nachwuchs durch die wirtschaftliche Situation entschuldigt. „Kein Vater und keine Mutter will, dass der Sohn Scams im Internet betreibt“, so Biggys Mutter. „Aber oberste Priorität ist nun mal, dass immer Essen auf dem Tisch steht.“
Diese Szenen und Zitate verleihen Barragáns Buch seine Wirkung: Der Autor urteilt nicht, sondern beschreibt die Entscheidungen der Scammer vor dem Hintergrund von Armut und Elend. Dennoch verliert der Spanier nie aus dem Blick, welchen Schaden der Betrug verursacht. Dafür sorgen der persönliche Bezug durch seine Mutter sowie seine faktenbasierte Recherche: „Laut FBI steht eine alarmierend hohe Zahl von Selbstmorden in Zusammenhang mit dieser Art von Erpressung.“
So detailliert und nachvollziehbar der Autor die Beweggründe der Scammer in „Hi Honey“ beschreibt, so unscharf bleibt die Antwort auf die Frage, warum Menschen auf Liebesbetrüger reinfallen. Der Grund liegt in der Bauart des Buchs. Barragán konzentriert sich in seinen Schilderungen auf die Täter und schränkt sich auch in seiner Recherche ein: Zwar unterhält er sich mit einigen Opfern, die in der Vergangenheit gescammt wurden, doch mit niemandem, der aktuell noch mit einem Scammer in Verbindung steht. Andernfalls, fürchtete er, hätte kein Scammer mehr mit ihm gesprochen. Plus: Er „wäre kein neutraler Journalist mehr gewesen, sondern ein Beteiligter“. Doch so nachvollziehbar diese Vorgehensweise scheinen mag, so fahl wirken die Opfer in seiner Geschichte. Sie werden zu Namen und Zahlen. Die Schicksale dahinter kommen kaum zur Geltung.
Nach drei Jahren hat Barragán weder den Scammer seiner Mutter gefunden noch eine letztgültige Antwort auf die Frage, warum sich Menschen in Online-Betrüger verlieben. Dennoch stecken in „Hi Honey“ zwei große Erkenntnisse: Erstens, Leid multipliziert sich. Zweitens, die Vereinsamung des Westens macht dessen Bevölkerung angreifbar. Vor Betrug schützt jedoch Aufklärung – und dieser hat sich Barragán erfolgreich verschrieben.
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