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| Themen | Biographie, Literatur und Literaturwissenschaft Biografien und Sachliteratur Reportagen und journalistische Berichterstattung oder zusammengestellte Kolumnen |
|---|---|
| ISBN | 9783518433256 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 13.10.2026 |
| Größe | 22.2 x 14.1 cm |
| Verlag | Suhrkamp |
| Übersetzung | Matthias Strobel, Daniel Beskos, Eva Regul |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Suhrkamp Verlag GmbH Torstr. 44 | DE-10119 Berlin info@suhrkamp.de |
Fleisch, Geld, Muskeln – diesen drei Mythen der Männlichkeit folgt Julia Ebner in die Kämpfe unserer Gegenwart. Wann werden Männer empfänglich für Gewalt? Wie wird aus gewaltvoller Männlichkeit ein lukratives weltweites Geschäft? Und wie lässt sie sich einspannen in das politische Projekt der Extremisten? Als renommierte Radikalisierungsexpertin, als unerschrockene Rechercheurin, als brillante Analystin findet sie Antworten und zeigt, wie Männer verloren gehen. An nationalistische Active Clubs, an KI-gestützte sexualisierte Gewalt, an reichweitenstarke Gurus wie Andrew Tate, Clavicular oder Nick Fuentes und ihr Versprechen: Looksmaxxing gleich Erfolg, gleich Dominanz über die Frau, gleich globale Hegemonie der starken Männer.
Von Fitness zu Faschismus ist ein alarmierender Weckruf. Auf kluge, packende Weise bezeugt Julia Ebner, welche Gefahren ausgehen von extremer Männlichkeit. Für junge Männer, für Frauen, für unsere Gesellschaftsordnung.
| Themen | Biographie, Literatur und Literaturwissenschaft Biografien und Sachliteratur Reportagen und journalistische Berichterstattung oder zusammengestellte Kolumnen |
|---|---|
| ISBN | 9783518433256 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 13.10.2026 |
| Größe | 22.2 x 14.1 cm |
| Verlag | Suhrkamp |
| Übersetzung | Matthias Strobel, Daniel Beskos, Eva Regul |
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| Herstellerangaben | Anzeigen Suhrkamp Verlag GmbH Torstr. 44 | DE-10119 Berlin info@suhrkamp.de |
Julia Ebner in FALTER 41/2026 vom 07.10.2026 (S. 28)
Junge Männer, die in einem TikTok-Livestream rohe Leber und Stierhoden essen. Ein Influencer, der predigt, man solle Frauen das Wahlrecht entziehen. Ein Schüler, der mithilfe von KI sexualisierte Deepfakes von einer Klassenkameradin erstellt. Ein Mann, der bei einem Mixed-Martial-Arts-Turnier für Weiße trainiert, um sich auf einen "Rassenkrieg" vorzubereiten. Maskierte, schwer bewaffnete ICE-Agenten, die durch die Straßen von Minneapolis patrouillieren.
Sie alle sind Teil derselben Geschichte: der weltweiten Wiederkehr destruktiver Männlichkeit. Jahrhundertelang wurde Buben und Männern gepredigt, sie müssten Fleisch essen, Geld verdienen und Muskeln aufbauen. Sie müssten stark, reich und dominant sein, um ein angebliches Nullsummenspiel zu gewinnen - sei es auf dem Schlachtfeld, im Job oder im Schlafzimmer. Diese wiederkehrenden Muster haben das Selbstbild von Männern und Burschen und ihre Rolle in der Gesellschaft geprägt. Solche Männlichkeitsmythen sind weder neu noch - in Maßen -zwingend schädlich. Doch jetzt, da globale Krisen, Veränderungen in der Dynamik von Paarbeziehungen und rasanter technologischer Wandel aufeinandertreffen, kommen sie mit beispielloser Macht wieder zum Vorschein.
Der Sexmarkt New York, Februar 2026 Clavicular bereitete sich auf seinen ersten Laufsteg-Auftritt bei der New York Fashion Week vor. Visagistinnen schwirrten hinter der Bühne um ihn herum, puderten seine markante Kieferpartie und kneteten ihm Gel in die Locken. Aber dieses Styling war nichts im Vergleich zu den Prozeduren, denen er sich unterzogen hatte, um sein Aussehen zu optimieren.
Der zwanzigjährige Influencer, der mit bürgerlichem Namen Braden Peters heißt, ist der berühmteste Looksmaxxer des Internets. In der Logik der Manosphere ist Schönheit nichts als eine simple Kalkulation aus Genetik und Looksmaxxing. Das bedeutet, dass man "schlechte" Gene kompensieren kann, indem man stark an seinem Äußeren arbeitet. Wer Fitnesstraining betreibt, sich den Bart trimmt und öfter zum Friseur geht -"softmaxxing" im Jargon der Incels -, erhöht seinen Wert auf dem "Sexmarkt" nur geringfügig. Andere entscheiden sich fürs "hardmaxxing", um ihr Aussehen stärker zu verändern: von fettauflösenden Peptiden und Testosteroninjektionen bis hin zu Wangenknochenimplantaten, Ohrverkleinerungen oder Penisvergrößerungen.
Clavicular war im Alter von vierzehn Jahren zum Looksmaxxer geworden. Vier Jahre später flog er kurz nach seiner Immatrikulation wegen des Besitzes von Testosteron von der Universität. Er hat zugegeben, dass er durch jahrelangen Steroidmissbrauch unfruchtbar geworden ist und dass er Methamphetamin als Appetitzügler nimmt, um sein Gewicht niedrig zu halten. [...]
Nur wenige Tage vor seinem Model-Auftritt bei der New York Fashion Week wurde Clavicular in Arizona festgenommen, weil er sich mit einem gefälschten Ausweis Zutritt zu einer Bar verschafft hatte. Als die Anklage später fallen gelassen wurde, prahlte er auf X: "Du musst sie einfach moggen." Dazu postete er den Screenshot einer Studie, die einen Zusammenhang zwischen den Gesichtszügen männlicher Angeklagter und der Schwere der Gerichtsurteile gegen sie herstellt. Der Incel-Ausdruck "moggen" bedeutet, jemanden mit seinem guten Aussehen in den Schatten zu stellen. [...]
In einem Selbstversuch folgte ich den beliebtesten männlichen und weiblichen Looksmaxxern auf Instagram und TikTok. Schon nach wenigen Tagen, in denen ich mir ihren Content angesehen hatte, schienen sie überall zu sein. Es war schwer, den Männern mit kantiger Kieferpartie, breiter Brust und "Hunter Eyes" zu entkommen, die Zweihundert-Kilo-Gewichte hoben.
Genauso schnell hatte ich die zahllosen Frauen mit langen Locken, perfekter 90-60-90-Figur und porentief reiner, faltenfreier Haut satt, die mir erzählten, was sie pro Tag zu sich nahmen. Werden wir nicht alle von der KI gemoggt? Wenn die sozialen Medien mit den Gesichtern idealisierter "Chads" und "Staceys" geflutet werden - oft optimiert mithilfe von Filtern und KIgenerierten Bildern -, dann fällt es irgendwann schwer zu glauben, dass Schönheit im Auge des Betrachters liegt.
Die Sprache der Incels aus der Manosphere ist inzwischen im Mainstream angekommen. Politiker, Journalisten und Influencer sprechen sie fließend, um die Gen Z zu erreichen. Das US-Kriegsministerium brüstete sich mit "Letalitätsmaxxing", während das Republican National Committee Trump zum "Jobsmaxxing" in der Wirtschaft gratulierte. Und mit der Ausbreitung dieser Sprache schleichen sich auch die zugrunde liegenden stereotypen Vorstellungen von männlicher Schönheit und weiblichem Verhalten ein. [...]
Seit das Gedankengut der Incels sich im Mainstream verbreitet, steigt unter jungen Männern die Nachfrage nach Kosmetikprodukten und Schönheitsoperationen. Aber jenseits des Looksmaxxing gibt es inzwischen auch ein wachsendes Business von Gurus, die "Red Pill"-Tipps zu männlichem Verhalten geben. "Red-pilled" zu sein, also die rote Pille genommen zu haben, bedeutet, aufzuwachen und zu erkennen, dass der Feminismus eine Täuschung ist und Frauen sich in Wirklichkeit zu dominanten Männern hingezogen fühlen. Was bedeutet es also, ein Alpha-Mann zu sein?
"Frauen wählen ihre Partner anhand der Dominanzhierarchie", sagte Jordan Peterson 2017 in einem Podcast mit Joe Rogan. "Die Dominanzhierarchie ist ein Mechanismus, der Helden auswählt und dafür sorgt, dass sie sich fortpflanzen." Solche Argumente reduzieren menschliche Beziehungen auf reine Biologie und idealisieren Machtausübung statt Miteinander, wobei sehr viele wissenschaftliche Erkenntnisse zu Führungseigenschaften und Partnerwahl ignoriert werden. Wie ein Forscher zu Führungsverhalten es formulierte, herrsche in diesem Feld eine massive "Theorrhö" - eine Epidemie wissenschaftlich oft fehlerhafter Theorien. Besonders junge Männer lassen sich häufig von Pseudo-Evolutionstheorien über Dominanz und Führung beeindrucken, aus denen dann Dating-Tipps für die heutige Zeit abgeleitet werden.
Diese gestiegene Nachfrage nach Männlichkeitsberatung fällt in eine Zeit, in der Erwachsene weniger Sex als je zuvor haben, und die Generation Z sogar weniger Sex als alle vorhergehenden. Junge Menschen haben zunehmend "Angst davor, Sex zu haben, Angst davor, die falsche Art von Sex zu haben, sogar Angst davor, sie könnten den Eindruck erwecken, an jemandem interessiert zu sein", schrieb Carter Sherman, Journalist mit dem Schwerpunkt Fortpflanzungsgesundheit beim Guardian. "Dadurch verlieren sie die Möglichkeit, Verbindungen zu anderen einzugehen, sich selbst kennenzulernen und herauszufinden, was ihnen Lust bereitet." Carter nennt es eine "Sex-Rezession".
Simplifizierte Vorstellungen über den Zusammenhang von Gewalt und Sex breiten sich in Onlineforen, in denen junge Männer nach Dating-Ratschlägen suchen, rasant aus. Das Extrembeispiel ist die gewalttätige und misogyne Incel-Community. Manche Incels glauben, dass sie ihre mangelnde sexuelle Anziehungskraft nur durch Gewaltausübung kompensieren und auf diese Weise wieder Macht und Dominanz erlangen können.
Der zweiundzwanzigjährige britischamerikanische Amokläufer Elliot Rodger, der 2014 in Isla Vista, Kalifornien, sechs Menschen tötete und vierzehn weitere verletzte, schrieb in seinem Manifest: "Die bösesten und verkommensten Männer setzen sich durch, und die Frauen reißen sich um sie. Ihre bösartigen Taten werden von den Frauen belohnt, während die guten, anständigen Männer ausgelacht werden."
Rodger ist zu einem gefeierten Helden der frauenverachtenden Online-Community geworden, und seine Worte stacheln noch heute Männer zu misogyner Gewalt an, weil sie sich von Frauen, die ihnen Sex und Liebe vorenthalten, abgelehnt oder ungerecht behandelt fühlen.
Aber auch in anderen Bereichen der Manosphere ist die Vorstellung, dass Frauen ein bisschen männliche Gewalt sexy finden, weit verbreitet. Pick-up-Artists ermutigen junge Männer, ein "Nein" nicht zu akzeptieren und den Frauen stattdessen zu zeigen, dass sie in Wirklichkeit dominiert werden wollen. "Warum GIEREN Frauen nach gewalttätigen Männern?", fragt der Datingund Lifecoach Richard Cooper (online bekannt als "The Unplugged Alpha").
Gruppenbindung Die Art, wie Männer Gruppenbindung herstellen, ist einzigartig. Vielleicht ist sie sogar ein Schlüsselmerkmal für den Homo sapiens, wie der kanadische Anthropologe Lionel Tiger ausführt.
Von Burschenschaften mit schikanierenden Aufnahmeritualen zu Fußball-Ultras, vom Vatikanischen Konzil zu Initiationsgesellschaften in Sierra Leone und altershomogenen Kriegergruppen in Kenia und von modernen Militäreinheiten zu Sportteams sind Männerbünde charakteristisch für menschliche Gruppenbildung im Allgemeinen. Männerbünde sind nicht per se gefährlich, aber unter bestimmten Umständen wird Gewalt zu einem integralen Bestandteil von Identität und Zugehörigkeit. Wenn diese "Brüder im Geiste" sich durch eine dämonisierte Fremdgruppe bedroht fühlen, kann Gewalt nicht nur als gerechtfertigt, sondern sogar als notwendig erachtet werden.
Fehlende Gelegenheiten zur Ausbildung von positiven Männerbeziehungen ist eine der größten Bedrohungen für die heutige Gesellschaft. Eine Studie aus dem Jahr 2025 fand heraus, dass die Einsamkeitsquote unter Männern und Frauen etwa gleich ist. Trotzdem haben Männer ein höheres Risiko zu vereinsamen. Im Vergleich zu 1990 gibt es heute fünfmal mehr Männer, die keine engen Freunde haben. Frauen hingegen greifen viel eher auf ihr Netzwerk zurück, um sich soziale und emotionale Unterstützung zu holen. Dieses anders geartete Verhalten macht Männer anfälliger für extremistische Bewegungen und Kulte. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich männerdominierte Hobby-Communitys -Fitness, Kampfsport und Gaming -zu Rekrutierungszielen entwickelten.
Moderne Extremisten machen sich gegenwärtige Bedürfnisse zunutze, um exklusive Bruderschaften oder Alpha-Allianzen zu bilden.
Active Clubs Glaubst du wirklich, wir gehen einfach nur zum Training? Unser Kampf -für unabhängige Nationen, Tugend und Ehre -geht viel tiefer. Wir wollen nicht nur als Volk überleben, wir wollen im 21. Jahrhundert erblühen. Wenn wir eine starke nationalistische Bewegung werden wollen, müssen wir auch starke Männer werden. Beim Einzelnen fängt es an. Sei also keine Schwuchtel. Geh ins Gym! [...] Ein Active Club und jede andere Bruderschaft ist insofern gut oder schlecht, als dass sie nicht nur Männer dazu animiert, körperlich stärker zu werden, sondern dafür sorgt, dass dieser Zuwachs an Muskelkraft und Charakter der nationalistischen Sache dient.
Das ist Weißer Nationalismus 3.0. Die Skinheads der 1990er-Jahre (Nationalismus 1.0) und sogar die Alt-Right-Bewegung der 2010er-Jahre (Nationalismus 2.0) wirken im Vergleich dazu grobschlächtig und ineffektiv. Weißer Nationalismus 3.0 ist nicht mehr eine Geheimoperation im Darknet, sondern spielt sich am helllichten Tag ab und zieht zigtausende fanatische Mitglieder an, die wiederum eine perfekte, auf junge Männer zwischen 13 und 35 zugeschnittene Propaganda betreiben. Die Grundidee lautet: "Faschismus ist Fun."
Die Ideologie des Weißen Nationalismus 3.0 beschränkt sich nicht nur auf Fightclubs oder extremistische Gyms. Fitness wird benutzt, um Faschismus auf ein kulturelles Level zu heben. Sie sickert ein in ein digitales Ökosystem, in dem die nächste Generation lernt, was es heißt, ein Mann zu sein. Dieser Mythos von Stärke und Männlichkeit gelangt durch Podcasts, Memes und algorithmische Feeds bis in die Klassenzimmer. Der Aufstieg der faschistischen Bruderschaften hat direkte Auswirkungen auf die Zukunft der Politik. Die jüngste Generation wird zu Anhängern von politischen Führergestalten, die betont männlich und charismatisch auftreten.
Eine lebhaft diskutierte Umfrage aus dem Jahr 2026 kam zu dem Ergebnis, dass ein Drittel der jungen Briten im Alter von 18 bis 30 "Autoritarismus der Demokratie vorziehen". Andere Forscher zeichneten zwar ein nuancierteres Bild, aber eines zeigte die Umfrage doch: Die Unterstützung für einen Strongman -einen Autokraten -ist auch dann noch groß, wenn es auf Kosten der demokratischen Freiheit geht.
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