Schöne Welt, wo bist du

Der Nummer 1 Bestseller aus UK & USA von der Autorin von "Normal People"
€ 20.6
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Kurzbeschreibung des Verlags:



»Schöne Welt, wo bist du hat die karge, intensive Melancholie eines Hopper-Gemäldes. Ihr bester Roman.«

Brandon Taylor, The New York Times




Alice trifft Felix. Sie ist eine erfolgreiche Schriftstellerin, er arbeitet entfremdet in einer Lagerhalle. Sie begehren einander, doch können sie einander auch trauen? Alice' beste Freundin Eileen hat eine schmerzvolle Trennung hinter sich und fühlt sich aufs Neue zu Simon hingezogen, mit dem sie seit ihrer Kindheit eng verbunden ist. Sie lieben sich, doch ist der Versuch der Liebe den möglichen Verlust ihrer Freundschaft wert? 
Zwischen Dublin und einem kleinen Ort an der irischen Küste entfaltet Sally Rooney eine Geschichte von vier jungen Menschen, die sich nahe sind, die einander verletzen, die sich austauschen: über Sex, über Ungleichheit und was sie mit Beziehungen macht, über die Welt, in der sie leben. Schöne Welt, wo bist du ist eine universelle Geschichte über den Raum zwischen Alleinsein und Einsamkeit und über die Freiheit, sein Leben mit anderen zu teilen – überwältigend klug, voller Klarheit und Trost. 

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FALTER-Rezension

Und zum Dessert ein Blowjob

Wenn Deine Ehefrau jetzt bei Dir wäre, würde sie Dir die Krawatte abbinden.“ So beginnt eine Szene mit Telefonsex in Sally Rooneys neuem Roman. Es geht darin um keine reale Gattin, sondern um ein vorgestelltes Frauchen, das zuhause mit dem Essen auf seinen Mann wartet und ihm zum Nachtisch einen bläst. Und gerade weil die Hauptfiguren Eileen und Simon solche Rollenbilder ablehnen, turnt sie die Fantasie an.

Es ist bezeichnend, dass die beiden via Social-Media-App zum Höhepunkt kommen. Ein Teil der Spannung verdankt der scharfe Dialog anfangs der Unklarheit, ob sich die beiden beim Gespräch sehen oder nicht. Kommunikation auf digitalem Weg nahm schon in Rooneys ersten beiden Büchern viel Raum ein. Ihr neues Werk besteht zur Hälfte aus E-Mails, die sich die Freundinnen Eileen und Alice schicken.

Zwei Liebespaare, die sich erst finden müssen, stehen im Zentrum von „Schöne Welt, wo bist Du“. Die Frage, welches Idyll sich die Protagonisten jenseits von Liebesglück herbeisehnen, zieht sich als roter Faden durch das dritte Buch der gehypten Autorin.

War am Ende gar jene Epoche befriedigender, als die Geschlechterverhältnisse noch easy, weil normiert waren? In ihren E-Mails spekulieren die ehemaligen Studienkolleginnen über den Beginn des Niedergangs, dem Anfang jener gesellschaftlichen Malaise, unter der sie beide leiden. Könnte die breite Verwendung von Plastik Ende der 1970er-Jahre der Zivilisation so geschadet haben? Oder war der Fall des Sozialismus, der das „Ende der Geschichte“ und den Vormarsch des Konservativismus einläutete, der Anfang vom Ende? Und was ist mit dem Paradies, das die Religion verspricht? In ihrer Jugend waren die Hoffnungen noch stärker, die Empfindungen noch wahrhaftiger als jetzt mit Ende 20. Schriftstellerin Alice trägt zudem ein schweres Kreuz: Sie wurde früh berühmt und reich.

„Überall begegne ich dieser Person, die ich selbst bin, und ich hasse sie mit jeder Faser“, schreibt sie über ihren Celebrity-Status und speit Galle über den oberflächlichen, PR-besessenen Literaturbetrieb. Es ist verführerisch, die Romanfigur mit Rooney selbst gleichzusetzen. In der New York Times sprach sich die 30-jährige Starautorin jüngst gegen den Kult um Literaten aus.

„Warum hast du mir nicht gesagt, dass du berühmt bist?“, wird Alice von ihrer Tinder-Bekanntschaft Felix bei der zweiten Verabredung gefragt. Dem Lagerarbeiter in der Küstenstadt, in die sich die Schriftstellerin nach einem Psychiatrieaufenthalt zurückgezogen hat, kam nicht einmal die Idee, sein Date zu googeln.

Felix spielt im Buch zweifellos die interessanteste Rolle. Nicht dass Rooney ihm einen schillernden Charakter verleihen würde, aber sie setzt den rauen Kerl geschickt als Kontrapunkt zu dem fragil-selbstreflexiven Akademikermilieu ein.

Anfangs scheint es so, als würde Alice dem wortkargen Biertrinker nur aus Masochismus verfallen. Ist ihr Alkoholiker-Vater, über den wir nichts erfahren, die Vorlage für diese Partnerwahl? Im Verlauf der Handlung offenbart Felix zwar feinere Facetten, aber summa summarum dient er dem Roman als Repräsentant der Arbeiterklasse. Er ist in der miesen „gelebten Realität“ gefangen, die der euro-amerikanische Gegenwartsroman laut Eileen wahlweise verdrängt oder literarisch ausbeutet. Der Unterschied wird mit dem Vergleich eines Arbeitstags auf die Spitze getrieben: Während Alice in ihrem großen Haus am Meer liest, telefoniert und E-Mails beantwortet, ruiniert sich Felix frierend beim Kistenschleppen das Kreuz.

„Ich stimme dir zu, es erscheint vulgär, dekadent, sogar epistemologisch brutal, Energie in die Trivialität von Sex und Freundschaft zu investieren, wenn die menschliche Zivilisation vor dem Zusammenbruch steht“, schreibt die Lektorin Eileen an die schreibgehemmte Alice.

An dieser Stelle schimmert die Corona-Krise durch, kein Wunder, ist Rooneys Neuling doch in den letzten zwei Jahren entstanden. Die Pandemie kommt darin zwar erst ganz am Schluss vor, aber sie bildet zweifellos ein Movens für die hochtrabenden Existenzfragen, von denen die früheren Bücher der Autorin verschont blieben.

Wie könnte ein engagierter Roman heute aussehen? 2018 ist es Nicolas Mathieus Roman „Wie später ihre Kinder“ gelungen, Klassenfragen und Coming-of-Age überzeugend zu verknüpfen. Bei Rooney bleibt Gesellschaftskritik ein frommer Wunsch.

Ihre Romanfiguren machen am Ende das, was im Englischen als „settling down“ bezeichnet wird: Sie machen es sich zu zweit schön. Dass Rooney so viele Grundsatzfragen aufwirft, nur um ihr Personal am Ende ins Neo-Biedermeier zu schicken, ist deprimierend – und leider auch sehr nah an der Realität.

Nicole Scheyerer in Falter 37/2021 vom 17.09.2021 (S. 33)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783546100502
Ausgabe 5
Erscheinungsdatum 07.09.2021
Umfang 352 Seiten
Genre Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Format Hardcover
Verlag Claassen
Übersetzung Zoë Beck
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