Scheinland

192 Seiten, Hardcover, ab 14 Jahre
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Themen Kinder, Jugendliche und Bildung Persönliche und soziale Themen Rassismus und Antirassismus
ISBN 9783551586469
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 27.02.2026
Größe 22 x 14.8 cm
Verlag Carlsen
Empf. Lesealter ab 14 Jahre
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HerstellerangabenAnzeigen
Carlsen Verlag GmbH
Völckersstraße 14-20 | DE-22765 Hamburg
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Kurzbeschreibung des Verlags

Daniel ist nach dem Abi auf der Suche nach seinem Weg. Karriere machen, auf Kosten der Umwelt leben, im Mainstream mitschwimmen - das alles will er nicht. Als er den Ökobauern Steffen kennenlernt, bewundert er ihn für sein alternatives, unangepasstes Leben. Er fühlt sich wohl auf dessen Hof - doch immer wieder fallen zweifelhafte Äußerungen, die ihn irritieren. Schließlich erkennt er, was sich hinter dem vermeintlichen Landidyll verbirgt: Steffens Hof ist Treffpunkt für ein rechtsextremes Netzwerk, das einen Staatsstreich plant. Mit Beweisen für ihre Machenschaften geht Daniel zur Polizei - doch nun wird es gefährlich für ihn …

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ISBN 9783551586469
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FALTER-Rezension

Kirstin Breitenfellner in FALTER 23/2026 vom 03.06.2026 (S. 30)

Daniel ist ein kritischer Geist. Seine Eltern sind geschieden, sein Vater arbeitet als Maître in einem noblen Restaurant, was der Sohn verachtet. Der Protagonist von Cornelia Franz' Jugendroman "Scheinland" will nicht im Mainstream mitschwimmen und schon gar nicht auf Kosten der Umwelt leben. Aber wenn der Student im ersten Semester mit seinen Fragen in das Internet eintaucht, steigt seine Verwirrung.
"Undurchsichtige Strukturen im Wirtschaftsministerium? Rechtsextreme Verstrickung bei der Polizei? Gemeine Pläne der Grünen für eine Öko-Diktatur? Die Covid-Gefahr eine Erfindung der Pharmakonzerne? Was stimmte? Was war Bullshit? Was waren Fake News?"

Seine Mitbewohner Roberto und Lu, mit der sich gerade eine zarte Liebesbeziehung anbahnt, empfindet Daniel als "naive Gutmenschen", die sich an alles gewöhnen, auch an den Angriffskrieg des russischen Präsidenten Putin auf die Ukraine.

Aber dann lernt er jemanden kennen, der auf den ersten Blick wie er selbst Kritik an herrschenden Zuständen übt. Er heißt Steffen und lädt Daniel auf seinen Ökohof in den Hunsrück ein, wo der sinnsuchende Jugendliche auf vermeintlich Gleichgesinnte stößt. Die Selbstversorger machen auf dem Sonnhof ihr "eigenes Ding", was Daniel fasziniert. Die körperliche Arbeit, aber auch die neue Gemeinschaft.

Steffen strahlt eine Autorität aus, die Daniel anzieht. Und er scheint nicht im Geringsten von Selbstzweifeln geplagt zu sein. Wörter wie Volksgemeinschaft und Überfremdung lassen Daniel zwar aufhorchen, aber erst die Aussage "Wir sind Nationalsozialisten" lässt ihn klar erkennen, womit er es zu tun hat: mit Reichsbürgern, die, wie er bald herausfindet, einen gewaltsamen Umsturz planen.

Der letzte Jugendroman von Cornelia Franz, "Goldene Steine" (2024), erzählte davon, wie die Nazi-Vergangenheit in das Leben dreier Jugendlicher hineinreicht, in "Swing High" (2022) machte sie die vergessene Geschichte verfolgter deutscher Swing-Fans zum Thema.

In "Scheinland" zeigt Franz nicht nur, dass die Nazi-Zeit immer noch nicht ganz überwunden ist, sondern wie gerade kritische Heranwachsende in die Fänge von Propaganda geraten können - und ist damit nach 35 Kinder-und 14 Jugendbüchern immer noch am Puls der Zeit.

Als Daniel schließlich zur Polizei geht, entwickelt sich ein Krimi, der gehörig aufwühlt. In ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen und in einer Waldhütte versteckt, kommen ihm nämlich Zweifel, ob seine Bewacher tatsächlich für den demokratischen Staat arbeiten. Ein Roman mit Erkenntniswert, der beweist, dass das Leben immer noch komplizierter ist, als man zu denken bereit ist.

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