Die letzte Grenze
Am Rand Europas, in der Mitte der Welt

von Kapka Kassabova

€ 26,80
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Übersetzung: Brigitte Hilzensauer
Verlag: Zsolnay, Paul
Format: Hardcover
Genre: Reisen/Reiseberichte, Reiseerzählungen
Umfang: 384 Seiten
Erscheinungsdatum: 20.08.2018

Rezension aus FALTER 41/2018

Ein sorgfältiger Bericht über den Alltag am Rande Europas

Kapka Kassabova beginnt die Beschreibung ihrer Reise in das Dreiländereck Bulgarien-Griechenland-Türkei unprätentiös und ambitioniert zugleich. „Ich wollte wissen, was dort vor sich ging, 25 Jahre nachdem ich fortgegangen war.“ Ihr Buch ist ein sorgfältiger Bericht über die elende Alltagsnormalität eines Dutzends Menschen am Rande Europas.

„Bleiben Sie eine Woche, und Sie werden nicht mehr fortkommen“, sagte eine alte Frau des „Dorfes im Tal“, in dem sich Kassabova einmietet. Sie trifft auf Arbeitslose, Schmuggler und Jäger, ein alter Grenzsoldat erzählt von den fehlgeschlagenen Versuchen, in die Türkei zu fliehen. An die 4000 Menschen nahmen dieses Wagnis auf sich, einige hundert wurden erschossen und umstandslosen verscharrt. Der Alte, von dem es heißt, er habe damals selbst getötet, schenkt der Journalistin zum Abschied eine Handvoll Zwetschken.

Nicht weniger stark ist die Geschichte der „schönen Russin“, die Kassabova vor nächtlich herumstreifenden Frauen warnt, die ihre Wäsche verhexen könnten. Der von den bulgarischen Kommunisten staatlich organisierte Antikenschmuggel in den 1980er-Jahren ist die bizarrste Story des Buches. Die Goldschätze einer damals entdeckten thrakischen Nekropole wurden von der Akademie der Wissenschaften geplündert – Parteibonzen finanzierten damit ihr Luxusleben, Drehscheibe dafür war Wien.

Omnipräsent in den Rhodopen ist der heute weitgehend vergessene „Bevölkerungstransfer“ des Jahres 1989. „Es ist verlockend, eine Parallele zwischen der Vertreibung der bulgarischen Türken und dem Inferno zu ziehen, das bald darauf in der Nachbarschaft, in Bosnien, serbische Nationalisten anrichteten“, schreibt Kassabova. Und sie erinnert an einen weiteren Schandfleck in Bulgariens Geschichte: Zwar weigerte sich das Land im Zweiten Weltkrieg standhaft, seine jüdischen Bürger an die Nazis auszuliefern, aber um die Juden in den damals angrenzenden, bulgarisch besetzen Gebiete kümmerte sich niemand. Sie fielen dem Holocaust zum Opfer.

Kassabova versteht es meisterhaft, Kulturgeschichte ohne Betulichkeit zu schildern: Die bulgarische Tabakindustrie, die Herstellung von Rosenöl oder die Brücken aus osmanischer Zeit kommen dabei ebenso zu ihrem Recht wie die größte Bauchtanzshow des Balkans.

Erich Klein in FALTER 41/2018 vom 12.10.2018 (S. 52)


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