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| Themen | Geschichte und Archäologie Geschichte Besondere Ereignisse und Themen |
|---|---|
| ISBN | 9783552075580 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 18.08.2026 |
| Größe | 20.8 x 13.8 cm |
| Verlag | Zsolnay, Paul |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München info@hanser.de |
Walter Mayr erzählt von neun Fluchtversuchen entlang des Eisernen Vorhangs von Norwegen bis Georgien. »Sein Gespür für Menschen und Themen macht seine Geschichten zu Ereignissen.« Dirk Kurbjuweit Von Norwegens Norden über die deutsch-tschechische Grenze bis zum Südkaukasus: Der Eiserne Vorhang spaltete ab 1945 den Kontinent – in eine westliche, demokratisch verfasste Hälfte und in die sowjetisch dominierte östliche Hemisphäre. Beim Versuch, dieses »schwer bewachte Monstrum« im Herzen des Kontinents zu überwinden, verloren Tausende ihr Leben. Am Beispiel von neun Ländern und von Menschen, die an der Systemgrenze den Tod fanden, zeichnet der langjährige Spiegel-Reporter Walter Mayr die Verwerfungen auf dem Kontinent nach. Die Nahaufnahmen fügen sich zu einem Bild, das wie ein Menetekel auf die Krisen der Gegenwart verweist.
| Themen | Geschichte und Archäologie Geschichte Besondere Ereignisse und Themen |
|---|---|
| ISBN | 9783552075580 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 18.08.2026 |
| Größe | 20.8 x 13.8 cm |
| Verlag | Zsolnay, Paul |
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| Herstellerangaben | Anzeigen Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München info@hanser.de |
Martin Staudinger in FALTER 34/2026 vom 19.08.2026 (S. 18)
Über den Eisernen Vorhang nach Osten schauen, vom Aussichtsturm Moldaublick im Mühlviertel aus zum Beispiel, vom Ufer der Donau an der Hainburger Pforte oder von Mörbisch im Seewinkel: Wer alt genug ist, um sich daran zu erinnern, kennt das beklemmende Gefühl, das sich dabei einstellte. Und wird es wahrscheinlich nie ganz los.
Dahinter lag das "Reich des Bösen", wie Ronald Reagan es einmal nannte. Und das glaubte man zu spüren, selbst wenn davon nicht viel zu sehen war - auch nicht von den Schrecken der Demarkationslinie, die Europa auf einer Länge von fast 7000 Kilometern vom Polarkreis bis zum Schwarzen Meer zerriss. Stacheldrahtzäune, Selbstschussanlagen, Minenfelder, Hundelaufzonen verbargen sich über weite Strecken im Gelände. Nur der eine oder andere Wachturm ragte aus der Landschaft.
Offiziell wurde der Eiserne Vorhang als "antifaschistischer Schutzwall" gegen angebliche Bedrohungen aus dem Westen errichtet. Das mag für die Ostblock-Kommunisten durchaus ein Grund gewesen sein. Gleichzeitig ging es ihnen aber mindestens genauso - wenn nicht sogar mehr -darum, ihre Bevölkerung am Davonlaufen zu hindern. Das versprochene Arbeiter-und-Bauern-Paradies wollte sich nicht und nicht manifestieren. Die Repression, die man für notwendig hielt, um den Idealzustand zu erzwingen, versteinerte stattdessen zum Dauerzustand, aus dem Millionen lieber heute als morgen geflohen wären. Und das ließ sich in der Logik des realen Sozialismus nur durch Anwendung von brutaler Gewalt verhindern.
Über die Jahre hinweg kamen tausende Menschen am Eisernen Vorhang ums Leben - erschossen, ertrunken, zu Tode geprügelt, von Hunden zerfleischt, von Sprengfallen zerfetzt. Der langjährige Spiegel-Auslandskorrespondent Walter Mayr hat neun dieser Todesfälle exemplarisch herausgegriffen, die Geschichten dahinter recherchiert und sie mit dem Können des erfahrenen Reporters aufgeschrieben: auf Basis aber von Interviews mit Zeitzeugen und profunder Archivarbeit, detail-und kenntnisreich geschildert, fesselnd erzählt.
Was bei anderen Autoren vielleicht eine Ansammlung breit ausgewalzter Tragödien geblieben wäre, wird bei Mayr zum historisch-politischen Panorama. Er holt weit in die Vergangenheit aus, beleuchtet geschichtliche Hintergründe und daraus resultierende politische Dynamiken in der Gegenwart.
Damit stellt sich auch eine hohe Aktualität ein, wird zwischen der EU und Russland doch gerade ein neuer Eiserner Vorhang heruntergelassen. In Norwegen und Finnland folgt er seinem historischen Verlauf, was den alten Systemkonflikt mit der UdSSR fast bruchlos wieder aufnimmt. Ehemalige Ostblockländer wie Tschechien, die Slowakei oder Rumänien wiederum finden sich selbst auf der anderen Seite der Auseinandersetzung wieder, mit entsprechenden gesellschaftlichen und politischen Verwerfungen.
Und eines ruft das Buch auch ins Bewusstsein: wie sehr es bereits in Vergessenheit geraten ist, was es hieß, mit dem Eisernen Vorhang zu leben oder an ihm zu sterben. Wie etwa der letzte Tote in seiner Geschichte, der übrigens bei Lutzmannsburg (Burgenland) zu beklagen war. Dort wurde am 21. August 1989 der DDR-Bürger Kurt-Werner Schulz erschossen. Er hatte es bereits auf österreichisches Staatsgebiet geschafft, wurde aber schwerstverletzt wieder nach Ungarn zurückgezerrt - zwei Tage nach dem berühmten Paneuropäischen Picknick zwischen Sopron und Sankt Margarethen, das zum Signal für den Fall des Eisernen Vorhangs werden sollte.
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