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| Themen | Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch |
|---|---|
| ISBN | 9783552075825 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 21.07.2026 |
| Größe | 20.8 x 13.5 cm |
| Verlag | Zsolnay, Paul |
| Sammlung | Literatur aus Österreich |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München info@hanser.de |
Tamara Štajners Roman über eine Familie, die vom Esprit der Frauen geprägt ist. »Ein furioser Selbstversuch, der Liebe jenseits aller Schablonen und Enttäuschungen zu huldigen.« Maja Haderlap Nach vielen Jahren kommt Iva zurück an den Ort ihrer Kindheit, um ihr geliebtes Kindermädchen zu beerdigen. Im Hotel am Ohridsee, das Ivas Familie gehörte, hat sie wesentlich mehr Zeit mit Marija verbracht als mit ihrer eigenen Mutter. Als Iva auf Marijas Grabstein einen zweiten Namen entdeckt, kommt sie einem Familiengeheimnis auf die Spur … Tamara Štajners Protagonistin unternimmt eine intensive, berührende, aber auch herrlich komische Tour in die Vergangenheit. Und in die Zukunft, denn Iva versucht gerade auf komplizierten Wegen, mit ihrem Freund ein Kind zu bekommen. »Luft nach unten« ist eine moderne Familiengeschichte, die von ganz unterschiedlichen Frauen geprägt ist. Ein beeindruckender Roman über das Mutter- und Tochtersein.
| Themen | Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch |
|---|---|
| ISBN | 9783552075825 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 21.07.2026 |
| Größe | 20.8 x 13.5 cm |
| Verlag | Zsolnay, Paul |
| Sammlung | Literatur aus Österreich |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München info@hanser.de |
Stefanie Panzenböck in FALTER 41/2026 vom 07.10.2026 (S. 10)
Iva will, dass der Sarg geöffnet wird. Sie steht auf dem Friedhof in der nordmazedonischen Stadt Ohrid, wo ihr ehemaliges Kindermädchen Marija begraben werden soll. Und jetzt will sie die Verstorbene noch einmal sehen. Sofort. Neben ihr steht eine alte Freundin ihrer Eltern, Slava, und deren Enkelin Karmela.
Nach dem ersten Schock verlangt Slava nach einer Zigarette, wendet sich an den Pater: „,Ist das wirklich so schwer? Ich kenne Iva, seit sie so klein war‘, sie positioniert ihre Hand unterhalb der Hüfte, ,sie wird keine Ruhe geben, bis ihr den Sarg aufmacht, ich sag’s nur. Ich sag’s nur …‘“
Die Träger schrauben den Deckel ab. Im Sarg liegt Marija, zwischen den Pölstern und ihrem Körper steckt eine Urne. Es handelt sich um die Überreste von Marijas Tochter Vesna, von der Iva nie etwas erfahren hatte.
In dieser Szene lässt sich das große Spannungsfeld von „Luft nach unten“ schon erahnen: enge Beziehungen, schmerzhafte Grenzüberschreitungen und viel Unausgesprochenes. Kurz, es geht um Familie. Der Fokus des Romans der in Wien lebenden slowenischen Bratschistin und Schriftstellerin Tamara Štajner liegt auf den Beziehungen zwischen Müttern und Töchtern. Wie weit darf eine Mutter weggehen, um noch eine Mutter zu sein? Was ist eine gute Mutter? Und sind diese Fragen überhaupt relevant, weil die Beziehung zur Mutter niemals aufhört, auch wenn sie schmerzt?
Iva, Ende 30, wie die Autorin Musikerin und ursprünglich aus Slowenien, lebt mit ihrem Mann Felix in Wien. In Ohrid leitete ihr Vater das Hotel Metropol, wo sie einen großen Teil ihrer Kindheit verbrachte. Ihr Kindermädchen Marija war ihr da oft näher als ihre Mutter, die meist in Slowenien blieb.
Als das Begräbnis stattfindet, beschäftigt Iva nicht nur ihre Vergangenheit. Sie möchte selbst eine Familie gründen, wird aber nicht schwanger. Immer wieder schreibt sie Nachrichten an Felix, der in einem Labor eine Spermaprobe abgeben soll. Doch Iva glaubt ihm nicht, dass er den Termin wahrnimmt. Zu oft hat er sie schon angelogen.
Und dann gibt es noch Gabriel, der mit seiner Familie in Berlin lebt und mit dem Iva seit wenigen Monaten eine Affäre hat. „Verfahren und hoffnungslos“, so beschreibt Štajner ihre Gefühlswelt. „Aber auch eine Gegenkraft rührte sich in mir. Ein Unwille, solch eine Wucht an Gefühl aus meinem Leben zu verbannen.“
Štajner gelingt mit „Luft nach unten“ ein vielschichtiger Roman. Eine Frau entdeckt immer mehr blinde Flecken in ihrer Kindheit, ist hin und her gerissen zwischen dem Wunsch nach Geborgenheit in einer Familie und einer aufgeregten Verliebtheit.
Gleichzeitig bekommt das Thema Reproduktionsmedizin viel Raum: wie der Weg zu einem Kind in viele kleine technisierte Schritte unterteilt wird, wie ein unerfüllter Kinderwunsch die Paarbeziehung verändert, wie jeden Monat Tag für Tag die Hoffnung wächst, dass es diesmal klappt, dann aber doch wieder die Menstruation einsetzt.
Durch unterschiedliche Textformen bringt Štajner gekonnt Tempowechsel in die Geschichte: Ivas Erzählungen folgen auf Briefe, die sie an ihre Mutter schreibt, dazwischen stellt Štajner Chat-Verläufe zwischen Iva und Felix sowie Iva und Gabriel.
Die Passagen über die Beziehung zu ihrer Mutter geraten besonders intensiv. Als Iva noch ein Kind war, musste sie jeden Sonntag auf die Waage steigen. „,Ausziehen‘, sagtest du, ohne mich anzuschauen.“ Dann zerrte die Mutter ihre Tochter ins Wohnzimmer, wo der Vater saß: „,Fett ist sie! Hörst du mich! Immer fetter wird sie! Und hässlich! Hier, schau!‘ [...] Ja, sonntags hast du die Kalaschnikow ausgepackt und dir was gegönnt, nicht wahr? [...] Zehn Minuten später Käsekränze, Pasteten und Wurstteller auf dem Frühstückstisch vor mir.“
Die Mutter erkrankt im Alter an Adipositas und lebt in einem völlig mit Unrat zugestellten Haus. Iva, die in ihren Briefen versucht, all die Demütigungen und Verletzungen aufzuarbeiten, kann die physische Anwesenheit ihrer Mutter kaum aushalten und besucht sie nur widerwillig. „Ich ertrage deinen Verfall nicht“, heißt es an einer Stelle.
Štajner geht es nicht um Anklage und Urteil, sondern um die Gedanken, die Zuneigung, den Schmerz und die Wut dazwischen. Das ist nur eine Stärke dieses großartigen Romans.
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