Gehorchen

Über das Wesen der Autorität
176 Seiten, Hardcover
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Themen Philosophie und Religion Philosophie Themen der Philosophie Soziale und politische Philosophie
ISBN 9783552076105
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 15.09.2026
Größe 21 x 13.2 cm
Verlag Zsolnay, Paul
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HerstellerangabenAnzeigen
Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG
Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München
info@hanser.de
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Kurzbeschreibung des Verlags

In »Gehorchen« betrachtet Lisz Hirn Autorität philosophisch. »Sie trägt die Philosophie in die Öffentlichkeit – unerschrocken, glasklar und für alle verständlich.« Barbara Bleisch Autoritäre Strömungen haben weltweit Konjunktur. Die einen jubeln über deren triumphale Rückkehr, die anderen sind besorgt über die zunehmende Obrigkeitshörigkeit der Massen. Von Sigmund Freud über Erich Fromm, von Hannah Arendt bis Slavoj Žižek: Philosophie, Psychoanalyse und Politik fragen seit jeher nach dem Wesen und der Legitimation von Autorität. Aber was bedeutet eigentlich autoritär? Welche Formen des Autoritären lassen sich unterscheiden? Wen erkennen wir als Autorität an und wem unterwerfen wir uns freiwillig? Gibt es ein Recht zu gehorchen oder eine Pflicht zum Widerstand? Wenn es stimmt, dass Autorität notwendig ist, dann reicht es nicht, sie pauschal abzulehnen. Wir müssen verstehen, wem wir wann gehorchen müssen.

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FALTER-Rezension

Eine eher schwammige Ehrenrettung des Gehorsams

Raffael Reithofer in FALTER 41/2026 vom 07.10.2026 (S. 18)

Keiner hat das Recht zu gehorchen" ist eines der berühmtesten Zitate, die der einflussreichen politischen Denkerin Hannah Arendt zugeschrieben werden. Dass Arendt das allerdings nie so gesagt hat, daran erinnert die österreichische Philosophin Lisz Hirn in ihrem neuen Buch "Gehorchen. Über das Wesen der Autorität":"Fehlt doch der wesentliche Zusatz: Keiner hat das Recht zu gehorchen bei Kant."

Der NS-Verbrecher Adolf Eichmann berief sich nämlich ausgerechnet auf die Ethik von Immanuel Kant, als er 1961 vor einem Jerusalemer Bezirksgericht als einer der Haupttäter des Holocaust zur Verantwortung gezogen und schließlich zum Tode verurteilt wurde: "Dieser Ungeheuerlichkeit widerspricht Arendt." Denn Kants Ethik laufe durch den kategorischen Imperativ gerade darauf hinaus, dass sich jeder selbst überlegen müsse, ob der Grundsatz seiner Handlung zu einem allgemeinen Gesetz werden könne. Falsch sei jedoch, dass Hannah Arendt Autoritäten deshalb generell ablehne, betont Lisz Hirn. Im Gegenteil: "Der schleichende Verfall der Autorität hätte überhaupt erst den Weg für Despoten wie Hitler und Stalin frei gemacht."

Die genannten Arendt-Zitate stehen stellvertretend für den Duktus von Lisz Hirns populärphilosophischem Buch. Denn die Philosophin versucht sich an einer Ehrenrettung des Gehorsams, ohne dabei jedoch für einen neuen Autoritarismus zu plädieren. Dabei beschäftigt sich Hirn nicht nur mit Politik, sondern auch mit Erziehung und Bildung.

Und während sie in ihren politischen Ausführungen tendenziell schwammig bleibt, bekundet Hirn durchaus deutlich, dass sie einen antiautoritären Erziehungsstil ablehnt: "Das permissive Ideal, Erwachsene und Kinder in so gut wie jeder Hinsicht auf Augenhöhe zu halten, hatte und hat einen hohen Preis, den vor allem die Kinder zahlen." Denn Kinder hätten eben noch nicht die gleiche Verantwortung für die Welt wie Erwachsene und die Autorität der Erwachsenen sei insbesondere auch dafür notwendig, "um die Freiheit der jüngeren und schwächeren Kinder zu gewährleisten", betont Hirn.

Anders als die Autorität der Eltern, des Staates und des eigenen Gewissens sieht Hirn eine neue Form der Autorität skeptisch: jene Autorität, die viele von uns mittlerweile den Antworten von KI-Chatbots zugestehen. Diese "künstliche Autorität" zählt die Philosophin mit Rückgriff auf den Psychoanalytiker Erich Fromm zu den unsichtbaren Autoritäten. Denn wer sich auf ChatGPT und Co. verlasse, würde mitunter "unhinterfragt gehorchen und es nicht einmal merken".

Wer sich von Lisz Hirn einen moralischen Leitfaden dafür erhofft, wie viel Autorität unsere moderne Gesellschaft nötig hat, wird von "Gehorchen" enttäuscht sein. Auch eine genaue Abgrenzung des Begriffs der Autorität zum Adjektiv "autoritär" bleibt die Philosophin ihren Leserinnen und Lesern schuldig. Überhaupt findet sich Hirns Definition des Autoritätsbegriffs (abgesehen von einigen kurzen Bemerkungen im Prolog) erst im dritten Kapitel ihres im Zsolnay-Verlag erschienenen Buches, was schwer nachvollziehbar ist.

Insofern verspricht der Untertitel "Über das Wesen der Autorität" letzten Endes zu viel. Zugutehalten muss man der Autorin hingegen, dass sie ein gut lesbares Buch geschrieben hat, das durchaus als Einführung zu Hannah Arendts Autoritätsverständnis taugt und dieses mit einigen interessanten Gedanken zur Krise der Autoritäten im digitalen Zeitalter verknüpft.

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