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| Themen | Geschichte und Archäologie Geschichte Besondere Ereignisse und Themen Kolonialismus und Imperialismus |
|---|---|
| ISBN | 9783552076440 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 18.08.2026 |
| Größe | 22 x 15.4 cm |
| Verlag | Zsolnay, Paul |
| Übersetzung | Brigitte Hilzensauer |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München info@hanser.de |
»Was für eine unerschrockene Reise!« Paul Theroux – Sophy Roberts’ neues Buch über die Ausuferungen des Kolonialismus, mit Elefanten den afrikanischen Kontinent zu plündern 1879 startete König Leopold II. von Belgien einen sonderbaren Plan, um Afrikas Ressourcen zu plündern: Elefanten sollten als Arbeitstiere dienen. Dazu beauftragte er den irischen Abenteurer Frederick Carter, vier gezähmte Asiatische Elefanten von Indien an die ostafrikanische Küste zu verschiffen, von wo sie ins Landesinnere Richtung Kongo marschieren sollten. Ziel war nicht weniger als die Gründung einer Ausbildungsstätte für Afrikanische Elefanten. Auf den Spuren dieser Expedition erzählt Sophy Roberts eine längst vergessene Geschichte, die sie nach Afrika und Asien führt, wo sie auf Elfenbein- und Menschenhändler trifft, mächtigen Häuptlingen begegnet und die Erhabenheit der Natur erlebt. Packend und fundiert berichtet sie von Ausbeutung, von kolonialer Gier, Unfähigkeit, Heuchelei und Torheit.
| Themen | Geschichte und Archäologie Geschichte Besondere Ereignisse und Themen Kolonialismus und Imperialismus |
|---|---|
| ISBN | 9783552076440 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 18.08.2026 |
| Größe | 22 x 15.4 cm |
| Verlag | Zsolnay, Paul |
| Übersetzung | Brigitte Hilzensauer |
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Tessa Szyszkowitz in FALTER 37/2026 vom 09.09.2026 (S. 43)
Kommt ein Elefant nach Schönbrunn und sagt: Warum bloß? So könnte ein Witz beginnen, aber eigentlich ist es eine ernste Geschichte. Der erste Elefant Wiens stammte aus Indien und landete im 18. Jahrhundert im Wiener Tiergarten. Als Geschenk der Niederländischen Ostindien-Kompanie an Kaiserin Maria Theresia. Ein Prestigegeschenk von Kolonialisten an eine Imperialistin.
Heute gibt es im Zoo in Wien sechs afrikanische Elefanten. Tonga, die Leitkuh, wurde 1985 noch wild im Kruger-Nationalpark in Südafrika geboren. Der Tiergarten Schönbrunn kaufte sie von einer italienischen Tierhandelsfirma für den Zoo. 2025 kam in Schönbrunn Maputo zur Welt, das erste Elefantenbaby seit 20 Jahren, das auf natürliche Weise in Schönbrunn gezeugt wurde. Mutter Numbi und Vater Abu leben auch im Zoo. Der Schönbrunner Tiergarten will so zum Artenschutz beitragen. Tierschützer bemängeln, dass Elefanten in die freie Wildbahn gehören.
Die Spur afrikanischer und asiatischer Elefanten hat auch die britische Reisejournalistin Sophy Roberts zurückverfolgt. In ihrem Buch "Schule der Elefanten" beschreibt sie eine aberwitzige Expedition: Der belgische König Leopold II. schickte 1879 den Abenteurer Frederick Carter los, um afrikanische Elefanten zu fangen und zu zähmen. Als Lasttiere sollten sie bei der Erschließung und Ausbeutung Afrikas helfen. Weil keine gezähmten afrikanischen Elefanten zu finden waren, klapperten Leopolds Abgesandte europäische Zoos und Zirkusse ab, die sie nach Afrika bringen konnten. Das klappte nicht. Also schiffte man vier asiatische Elefanten aus Indien nach Sansibar ein.
Die abenteuerlustige Roberts ist die Route der Elefanten von Tansania bis zum Tanganjikasee nachgereist. So ist sie zur Geschichtszeugin einer der grausamsten und sinnlosesten Unterfangen der europäischen Kolonialgeschichte geworden.
Falter: Mrs. Roberts, galten Elefanten immer schon als wertvoll?
Sophy Roberts: Das Prestige eines Elefanten war extrem hoch. Es wurzelt in den mittelalterlichen Bestiarien, das sind bebilderte Tierbücher. Elefanten galten als fantastische Fabelwesen, bekannter durch Legenden als durch reale Begegnungen. Ich fand in einem österreichischen Bestiarium des 14. Jahrhunderts Zeichnungen, die wie eine Mischung aus Wolf, Nilpferd und Pferd aussehen - gezeichnet rein nach Berichten. In der europäischen Neuzeit trafen echte Elefanten erst Ende des 18. Jahrhunderts in Europa ein. Es war ein kolossaler imperialer Coup. Ich bin der Spur des asiatischen Elefanten Soliman nachgegangen. Er wurde als Geschenk des portugiesischen Königshauses an den späteren österreichischen Kaiser Maximilian II. überreicht. Soliman überlebte in Wien aber nicht viel länger als ein Jahr. Seine Vorderfußknochen wurden später zu einem Prunkstuhl verarbeitet, der bis heute im österreichischen Stift Kremsmünster steht. Solche "Knochen des Imperiums" lagern auch noch in Sammlungen - ein hochgradig aufgeladenes Erbe, über das man sprechen sollte. Im 19. Jahrhundert gab es eine regelrechte "Elefantenmanie": Zoos und Aristokraten rissen sich um lebende Tiere. Ein brutaler Welthandel entstand, oft dominiert von großen deutschen Händlern.
Ihr Buch "Schule der Elefanten" dreht sich um König Leopold II. von Belgien und seinen Plan, Arbeitselefanten in Afrika zu zähmen. Warum wollte Leopold Afrika kolonisieren und warum waren die Habsburger da nicht beteiligt?
Roberts: Leopold war in seiner Obsession einzigartig. Leopold wollte seinem jungen, unbedeutenden Königreich internationales Gewicht verleihen -und zugleich ein Kolonialreich schaffen, das seiner persönlichen Kontrolle unterstand und enorme Gewinne abwarf. Die Habsburger suchten zwar keine Kolonien in Übersee, aber sie waren keineswegs unschuldig! Als Leopold 1876 seine Brüsseler Konferenz einberief und behauptete, die Sklaverei zu bekämpfen, war Österreich-Ungarn eine der ausländischen Nationen, die seine Internationale Afrika-Assoziation sofort finanziell unterstützte. Bei der Berliner Konferenz 1884/85 unterstrichen die Habsburger seine Ansprüche im Kongo -auch aufgrund enger Familienbande. Obwohl sie selbst kein Land beanspruchten, waren sie Wegbereiter für Leopolds Herrschaft. Wien hatte 1876 eine der ersten afrikanischen Gesellschaften.
Nutzen Sie die Geschichte der Elefantenschule, um den Kolonialismus zu erklären?
Roberts: Ja. Ich lege den Fokus immer auf einen speziellen Aspekt, um komplexe Geschichten zusammenzuhalten. In meinem ersten Buch über die Klaviere in Sibirien war es ein Instrument. Nun sind es Elefanten. Die Expedition von vier asiatischen Elefanten, die durch den Dschungel getrieben wurden, ist eine starke Metapher: Dieses gewaltig große Tier, das unterworfen werden soll. Das Schicksal der Elefanten erzählt die Geschichte der europäischen Kolonisierung Afrikas. Ich bin die Route der Elefanten nachgereist. In Sansibar habe ich in einer alten Missionskirche den dortigen Mesner getroffen. Dieser Peter Sudi - schon 87 Jahre alt -erzählte mir, dass einer seiner Großonkel im Juni 1879, als die Elefanten ankamen, in Sansibar gerade zum Diakon geweiht worden war. Dieser John Swedi war ein ehemaliger Sklave. Da spürte ich, wie lebendig die Geschichte sein kann. Adam Hochschilds "Schatten über dem Kongo" - eines der besten Geschichtsbücher -widmet dieser Expedition nur ein paar Zeilen. Ich wollte in diese Fußnote der Geschichte eintauchen und die vergessenen Menschen und Elefanten finden.
Wer heute den Namen Leopold II. hört, denkt an abgehackte Hände und die grausame Behandlung von Afrikanern durch den belgischen Kolonialistenkönig. Sind Elefanten ein "sanfterer" Einstieg, um Menschen mit dieser düsteren Epoche zu konfrontieren?
Roberts: Ja, das war mein Antrieb. Meine Söhne hatten im britischen Schulsystem nichts darüber gelernt. Zeigt man dann aber nur Bilder von Afrikanern mit Armstümpfen, wenden sich die Menschen vielleicht ab. Elefanten sind ikonische Symbole für Safaris oder Disneyfilme. Sie bieten einen neutralen Zugang zu schwerer Geschichte. Überrascht hat mich jedoch mein eigenes Unwissen über den historischen Umgang mit Tieren: Die Wilderei begann nicht in den 1980ern, sondern ist tief im Kolonialismus verwurzelt. Seit dem 19. Jahrhundert sank die Zahl der Elefanten von 26 Millionen auf heute etwa 500.000. Nur um Klaviertasten oder Billardbälle aus Elfenbein zu bekommen. Verheerend. Mein Blick auf diese Ausbeutung hat sich beim Schreiben völlig verändert.
Das bringt uns zum modernen Artenschutz. Sollten wir uns heute schuldig fühlen, wenn wir mit unseren Kindern in den Zoo gehen, um Elefanten zu bewundern? Oder werden diese Tiere "artgerecht" gehalten?
Roberts: Das ist kompliziert. Zoos und Reservate wie in Ruanda oder Kenia leisten heute enorm wertvolle Arbeit für den Artenschutz, und ihre Expertise ist lebenswichtig. Mir persönlich fällt es trotzdem schwer, Tiere in Gehegen zu sehen. Selbst eingezäunte Nationalparks sind im Grunde riesige Zoos. Aber ohne Zäune ginge alles verloren. Elefanten könnten nicht vor Wilderern geschützt werden und Felder nicht vor Elefanten. Für Europäerinnen wie mich sind Elefanten majestätische Geschöpfe. Für afrikanische Bauern aber sind sie auch existenzbedrohende Schädlinge, die Ernten und Lebensgrundlagen zerstören. Wir müssen in einer überbevölkerten Welt Kompromisse akzeptieren. Ein indischer Mahut (Pfleger, oft Besitzer der Elefanten, Anm.) sagte mir dazu den bemerkenswerten Satz: "Auf dem Rücken eines Elefanten zu sitzen, ist ein sehr hoher Ort, um feige zu sein." Also: Da thront jemand hoch oben in Leopolds rotem Samt, um seine Macht zu demonstrieren. Doch man sitzt auf einem angeketteten, unterworfenen Tier. Und das, um am Ende dessen Elfenbein auszubeuten.
Die Expedition von Leopolds Abgesandten 1879 endete in einer Katastrophe. Die Elefanten starben qualvoll, und der Expeditionsleiter Frederick Carter kam bei Kämpfen ums Leben. Warum haben Sie sich gerade diesen historischen Misserfolg ausgesucht?
Roberts: Weil Scheitern uns zwingt, unbequeme Fragen zu stellen. Ein Buch im Misserfolg enden zu lassen, ist ungemütlich, aber ehrlich. Carter war ein rassistischer Narzisst, aber auch ein Wagnisse suchender Abenteurer. Bei Leopolds erster Expedition 1877 war übrigens auch ein Österreicher dabei.
Der in Wien geborene Afrikaforscher Ernst Marno schied aber schnell wieder aus. Zu viele Sümpfe und Tsetsefliegen?
Roberts: Vielleicht. Es kann auch sein, dass ihm aufgegangen war, dass diese Expedition eine Art Narrenschiff war. Jahre später etablierte Leopold II. dann doch noch eine Elefantenschule. Ich habe die Ruinen gefunden. Afrikanische Elefanten wurden also doch auch trainiert.
War an dem Gerücht etwas dran, dass afrikanische Elefanten von Natur aus unzähmbarer sind als asiatische?
Roberts: Nein, das ist ein Mythos, der stark von Rassismus genährt wurde. Inder wurden generell mehr geschätzt als Afrikaner. Der Unterschied ist nicht biologischer Natur, sondern kulturell. In Asien zähmten schon die Mogulkaiser im 16. Jahrhundert Elefanten. In Afrika gab es diese Tradition in dieser Art nicht.
Werden wir es schaffen, das Aussterben der Elefanten in freier Wildbahn zu verhindern?
Roberts: Das Bild ist geografisch extrem gemischt. In Simbabwe ist das Schutzprojekt so erfolgreich, dass es zu viele Elefanten gibt. Die Überpopulation führt jetzt schon zu schweren Konflikten zwischen Menschen und Tieren. In Angola dagegen ist die Lage nach dem Bürgerkrieg verheerend. Wer Elefanten schützen will, braucht Geld, lokales Management und eine Erkenntnis: Artenschutz gelingt nur mit und nicht gegen die lokale Bevölkerung.
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