Retter in Uniform

Handlungsspielräume im Vernichtungskrieg der Wehrmacht
248 Seiten, Taschenbuch
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Reihe Die Zeit des Nationalsozialismus – »Schwarze Reihe«
Themen Biographie, Literatur und Literaturwissenschaft Biografien und Sachliteratur Tatsachenberichte, wahre Begebenheiten
ISBN 9783596152216
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 01.04.2002
Größe 19 x 12.5 cm
Verlag FISCHER Taschenbuch
Herausgegeben von Wolfram Wette
LieferzeitLieferung in 7-14 Werktagen
HerstellerangabenAnzeigen
S. Fischer Verlag GmbH
Hedderichstraße 114 | DE-60596 Frankfurt am Main
produktsicherheit@fischerverlage.de
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Kurzbeschreibung des Verlags

Es waren kaum 100 Soldaten, die sich über den Vernichtungskrieg und sein Mordprogramm hörbar empörten, die ihre Kooperation verweigerten, sich demonstrativ nicht an Exekutionen beteiligten oder gar zu Rettern von Juden und anderen politisch und rassisch Verfolgten wurden. Sie zählen zu den wenigen innerhalb der Wehrmacht, die sich ihre humane Orientierung bewahrt haben - und ihre Namen sind z.B.: Anton Schmid (nach ihm wurde im Mai 2000 die Kaserne der Bundeswehr in Rendsburg benannt), Reinholf Lofy, Karl von Bothmer, Wilm Hosenfeld,Erich Heym, Karl Laabs, Heinz Drossel und Max Liedtke. Wie die Angehörigen des Widerstandes und die Deserteure der Wehrmacht stehen die "Retter in Uniform" dafür, dass es neben dem militärischen Gehorsam auch Möglichkeiten individuell verantworteter Humanität im totalitären Staat gegeben hat - Handlungsspielräume, um "aktiven Anstand" zu praktizieren. Diese Wenigen halten Millionen von gehorsamen Befehlsempfängern den Spiegel vor.

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Reihe Die Zeit des Nationalsozialismus – »Schwarze Reihe«
Themen Biographie, Literatur und Literaturwissenschaft Biografien und Sachliteratur Tatsachenberichte, wahre Begebenheiten
ISBN 9783596152216
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FALTER-Rezension

Karl Pfeifer in FALTER 17/2002 vom 24.04.2002 (S. 15)

Ein neuer Sammelband zeigt nun das Schicksal jener Wehrmachtssoldaten auf, die sich weigerten, an Verbrechen teilzunehmen. Es waren nicht viele - etwa einhundert.

Manche von ihnen waren sogar NSDAP-Mitglieder. Doch angesichts der Verbrechen haben sie sich eines Besseren besonnen. Andere wiederum, wie der österreichische Feldwebel Anton Schmid, der auch "der Judenretter von Wilna" genannt wurde, haben aus christlicher Überzeugung gehandelt.

Der Historiker Wolfram Wette, der früher am Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Freiburg tätig war, hat nun einen Sammelband über jene Soldaten und Offiziere der Deutschen Wehrmacht herausgegeben, die sich geweigert hatten, bei Verbrechen mitzumachen. Es waren nur um die einhundert, die sich über den Vernichtungskrieg und sein Mordprogramm hörbar empörten, ihre Kooperation verweigerten, sich demonstrativ nicht an Exekutionen beteiligten oder politisch und rassistisch Verfolgten halfen, weshalb sie in die Mühlen der nationalsozialistischen Militärgerichtsbarkeit gerieten. "Diese winzige Minderheit hält Millionen von ,Gehorchern' den Spiegel vor", schreibt der Herausgeber.

Obwohl sich in den Archiven der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem seit Jahren Informationen über diese Soldaten, die in Israel übrigens "die Gerechten" genannt werden, finden, haben sich deutsche Historiker nun erstmals wissenschaftlich mit ihnen befasst. So unter anderen auch mit dem Wiener Anton Schmid: Das Buch schildert detailliert, wie der Leiter der Versprengten-Sammelstelle im litauischen Wilna mit Wehrmachtslastwagen und Marschbefehlen, die er selbst ausgestellt hatte, über dreihundert Juden aus dem Ghetto transportierte und ihnen so das Leben rettete. Darüber hinaus stellte Schmid der jüdischen Widerstandsbewegung auch seine Wohnung für Kuriere zur Verfügung. 1942 schöpften Gestapo-Beamte schließlich Verdacht. Schmid wurde daraufhin von einem NS-Militärgericht zum Tode verurteilt.

Mithilfe von Zeitzeugen, Dokumenten und Briefen, die diese Soldaten an ihre Familien geschrieben haben, versuchten die Autoren des Sammelbandes auch deren Motive für den Widerstand nachzuzeichnen: "Krepieren muss jeder. Wenn ich aber wählen kann, ob ich als Mörder oder als Helfer krepieren soll, dann wähle ich den Tod als Helfer", hat etwa Schmid einem jüdischen Überlebenden einst anvertraut. Vor seiner Hinrichtung schrieb Schmid wiederum an seine Frau: "Wenn jeder anständige Christ auch nur einen einzigen Juden zu retten versuchte, kämen unsere Parteiheinis mit ihrer Lösung der Judenfrage in verdammte Schwierigkeiten."

In Deutschland ist übrigens längst eine Kaserne nach Anton Schmid benannt. Hierzulande erinnert nicht einmal eine Gasse an ihn.

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