Liefern

Roman
320 Seiten, Hardcover
€ 25,70
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ISBN 9783608502633
Erscheinungsdatum 14.02.2026
Genre Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Verlag Tropen
Übersetzung Anne Birkenhauer
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HerstellerangabenAnzeigen
J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger GmbH
Rotebühlstraße 77 | DE-70178 Stuttgart
produktsicherheit@klett-cotta.de
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Kurzbeschreibung des Verlags



»Prallvoll mit Überlebenslust, Herzwärme und Witz.«


Pieke Biermann



Sie sind überall, wir sehen sie jeden Tag. Egal ob in Delhi, Tel Aviv, Buenos Aires, Istanbul oder Berlin, überall schwirren sie durch die Städte: Essenslieferanten. Tomer Gardi verbindet ihre Geschichten zu einem weltumspannenden Gegenwarts-Epos. »Liefern« erzählt von Rassismus und Ausbeutung, von Liebe, Familie und der großen Sehnsucht nach Verbundenheit. So gegenwärtig, so international, so politisch und leichtfüßig zugleich war lange kein deutscher Roman.

Der Roman entstand in Zusammenarbeit mit Anne Birkenhauer, die auch den Teil »Mimesis« aus dem Hebräischen übersetzt hat.


Filmon, der aus Eritrea nach Tel Aviv geflüchtet ist, arbeitet als Lieferant. Er will genug Geld sammeln, um seiner Frau und Tochter nach Berlin zu folgen. Sein Job ist immer in Gefahr, er hat keine Arbeitserlaubnis und fährt unter falschem Namen. Seine Frau und Tochter lernen Deutsch bei Nina im Bildungszentrum, die zu einem Austauschsemester nach Delhi reist, wo sie sich in den Argentinier Ramón verliebt. Der Erzähler fährt nach Istanbul, um nach einer Gaunerei bei einem Literaturpreis das Preisgeld zu verprassen. Und in Buenos Aires muss Ramóns Mutter mit der Abwesenheit ihres Sohnes fertig werden. »Liefern« ist eine literarische Weltreise in sechs Episoden und eine Feier der Erzählkunst, wie sie nur Tomer Gardi veranstalten kann: tiefgründig und humorvoll, mit politischer Sensibilität und literarischer Verve.


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FALTER-Rezension

Freie Fahrt fürs Prekariat der Gegenwart

Klaus Nüchtern in FALTER 9/2026 vom 25.02.2026 (S. 30)

Sie tragen Yamm-Gelb, Bring-Bring-Grün oder Chick-Chack-Rot. Die Rede ist von den Uniformen der Essenszusteller, die durch die Straßen von Tel Aviv, Dehli oder Istanbul brausen und für das zeitdiagnostisch-brisante Aroma von Tomer Gardis Buch "Liefern" sorgen, dem der Klappentext attestiert, "so international, so politisch und leichtfüßig" zu sein wie "lange kein deutscher Roman".
Von diesen Behauptungen trifft zu, dass der aus Israel stammende und in Berlin lebende Autor die meisten, über einige Figuren lose miteinander verknüpften, Geschichten auf Deutsch geschrieben hat; ein Deutsch, das im Gebrauch von Tempora und Konjunktiven, gelinde gesagt, erratisch ist, und dem sich auch die aus dem Hebräischen übersetzte, 90 Seiten starke Story "Mimesis" mimetisch anverwandelt hat.

Die Texte strotzen vor falschen idiomatischen Wendungen, missglückten Metaphern und schiefen Vergleichen. Da "brodelt" einem "sein Sieg aus allen Poren", steigt jemand die Treppe hoch "wie ein Hühnchen auf Himmelfahrt". Hatte Gardi in "Broken German" (2016) das gebrochene Deutsch von Migranten noch als pfiffigen Kunstgriff und politisches Statement eingesetzt, ist sein jüngstes Werk bloß schlecht geschrieben.

Ein Vollverhau ist "Liefern" aber auch, wenn es um Figurenzeichnung, Handlungsführung oder Erzählökonomie geht. Von Letzterer kann nämlich keine Rede sein. Da erleidet eine Zufallsbekanntschaft des zum Zwecke einer Haartransplantation nach Istanbul gereisten Ich-Erzählers einen dreißigseitigen Laberflash, der von einem geplatzten Kondom seinen Ausgang nimmt (was man halt einem Touristen so erzählt, den man kurz davor buchstäblich an der Angel hatte); da werden banale Alltagsverrichtungen über Seiten ausgebreitet: Bikes werden abgesperrt, Klingelknöpfe gedrückt, es wird ausgiebig auf Handydisplays, ja überhaupt viel "geguckt". Hätte man die Lektoren nicht eingespart, diese hätten es allerdings so schwer gehabt wie die indischen Verkehrspolizisten aus "Mimesis", die "versuchten, aussichtslos, Ordnung in die festgefahrene Ordnung zu bringen".

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