Mamas letzte Umarmung

Die Emotionen der Tiere und was sie über uns aussagen
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Kurzbeschreibung des Verlags:


Sind Affen die besseren Menschen? De Waal schildert in seinem Meisterwerk anschaulich, wie Tiere – insbesondere Menschenaffen – empfinden, mitempfinden, leiden, sich freuen, sozial sind, trauern, wütend, umgänglich sind. Affen haben ein tiefes Gefühlsleben, das sie aber nicht so artikulieren können wie wir Menschen. Gerade beim Abschied der alten Schimpansin »Mama«, die auf ihre Weise mitteilt, dass sie sterben wird, gehen Beobachtung und Schilderung in ein intensives Mitgefühl über. Im Reich der Tiere entdecken wir die elementaren Grundlagen unseres Körpers und unserer Emotionen. Hier zeigt sich, wie großartig und tiefgründig Tiere sind und was wir von ihnen lernen sollten. Das persönlichste und bewegendste Buch von Frans de Waal.

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FALTER-Rezension

Begegnungen mit unseren Artgenossen

Biologie: Zwei Sachbücher erklären die Kunst des Spurenlesens und tierische sowie menschliche Emotionen

Endlich gibt es ein deutschsprachiges Buch zum Interpretieren von Tierspuren! Handbücher mit Abbildungen von Pfotenabdrücken, Federn und Losungen finden sich immer wieder, doch diese vermitteln bestenfalls eine Momentaufnahme von einem tierischen Artefakt, erklären aber nicht, was zu einem bestimmten Zeitpunkt an diesem Ort passiert ist: Was hat das Tier hier gemacht? War es auf der Flucht oder auf dem Weg zu einer Schlafstelle? War es allein oder mit Jungtieren unterwegs? Hatte es Hunger und wird es auf diesem Weg wieder vorbeikommen?

All das ist eigentlich seit jeher Wissen von Jäger- und Sammlergesellschaften, die sich diese Kenntnisse durch genaue Beobachtung der Natur und logisches Kombinieren angeeignet haben.

Die Autorinnen von „Spuren lesen. Geschichten, die uns die Fährten der Tiere erzählen“, Ulrike Fokken und Stefanie Argow, sind beide zertifizierte Fährtenleserinnen, die erfreulicherweise kein weiteres Nachschlagwerk zu Tierspuren geschrieben haben, sondern ihre Erlebnisse und Begegnungen in einem spannend zu lesendem Buch aufbereiten. „Wir wollten das Handwerk des Fährtenlesens lernen, und das ganz ohne Hokuspokus aus ,Jenseits von Afrika‘-Filmen, in denen der Ranger sich in den Staub kniet, den befeuchteten Finger in die Luft reckt und erklärt: Es waren drei Löwen“, schreiben sie im Vorwort, um klarzustellen, dass es hier nicht um Romantik geht, sondern modernes Tracking betrieben wird.

Bezeichnenderweise beginnt ihre Geschichte in der Millionenstadt Berlin und nicht in einem abgelegenen Wald. Auf einem verwilderten Industriegelände zwischen Bahngleisen und Schrebergärten sehen sie einen Fuchs und suchen die Umgebung nach weiteren Zeichen ab. Ein in der Nähe gelegenes Erdloch identifizieren sie aufgrund des davor fächerförmig ausgeworfenen Sands als typischen Fuchsbau, doch sie entdecken dort auch die Pfotenabdrücke eines Wildkaninchens, die überraschenderweise dort hineinführen. Bis sie das Rätsel dieses „Burgfriedens“ zwischen dem Räuber und seiner Beute lösen, erfährt man ganz ohne belehrenden Tonfall vieles über den Zuzug von Wildtieren in die Städte und was diese Orte so interessant für Tiere und Menschen macht.

Ulrike Fokken ist in ihrem Hauptberuf Journalistin, und dies merkt man auch daran, wie die einzelnen Erlebnisse mit den für uns meist unsichtbaren Lebewesen erzählt werden: spannend wie in einem Kriminalroman und zugleich vollgepackt mit Informationen über Lebewesen, die mit uns am selben Ort leben. Und auch das macht einen besonderen Reiz dieses Buchs aus. Diese Geschichten spielen nicht in fernen, exotischen Weltgegenden, sondern in unserer Umgebung. Und plötzlich sieht man an scheinbar vertrauten Plätzen neue Hinweise, die sich zu bunten Geschichten von Liebe, Mord und prallem Leben entfalten.

Den Autorinnen ist ein beeindruckendes Buch gelungen, bei dem man es sich aussuchen kann, auf welcher Ebene man den Text lesen will. Entweder nur als spannende Geschichten über das bunte Leben der Tiere oder als Informationsquelle, etwa wenn man wissen will, wer die Fichtenzapfen im Garten angeknabbert hat und wie man herausfindet, ob ein Igel in der Hecke wohnt.

Wem Dave Goulsons Bestseller „Wildlife Gardening“ (2019) gefallen hat, der wird hier noch tiefer in eine faszinierende, verborgene Welt eintauchen. Große Leseempfehlung.

Die Grenze zwischen Mensch und Tier wurde von René Descartes verbindlich festgelegt. Er befand, dass Tiere nur Reiz-Reaktions-Maschinen seien. Seinem vielzitiertem Spruch „Ich denke, also bin ich“ stand seitdem das der Tierwelt zugeschriebene „Ich fühle, also reagiere ich“ entgegen. Frans de Waal sieht das ganz anders. Der Niederländer ist Verhaltensforscher und Autor zahlreicher, auf seinen Forschungen mit Schimpansen und Bonobos beruhender Sachbücher. 1989 erlangte er mit „Wilde Diplomaten“ über Versöhnung und Entspannungspolitik bei Affen internationale Bekanntheit. Seine These, dass Moral und Kultur keine ausschließlich menschlichen Leistungen seien und die willkürlich gesetzte Grenze zwischen Tieren und Menschen obsolet sei, erntete anfangs Widerspruch. Mit seinem zwölften auf Deutsch erschienen Buch „Mamas letzte Umarmung“ fasst er seine Erkenntnisse zum emotionalen Innenleben der Tiere zusammen und zeigt, wie sie trauern, mitfühlen, lieben, lachen und auch hassen können.

Frans de Waal weiß, dass jemand, der zu wissen behauptet, was Tiere empfinden, die Wissenschaft nicht auf seiner Seite hat. Er erklärt daher auch, wie man Begriffe wie Emotionen oder Gefühle mit den Methoden der Naturwissenschaft erforschen kann, und stellt tierisches Verhalten dem des Menschen gegenüber, um evolutionsgeschichtliche Gemeinsamkeiten zu beschreiben und zu erklären. Dabei gelingt es ihm nicht nur, den Lesern im anekdotischen Plauderton eine Vielzahl an spannenden, lustigen und mitreißenden Geschichten über seine Erlebnisse mit unseren nächsten Verwandten zu präsentieren, sondern auch immer die Fallstricke der Vermenschlichung und subjektiven Verzerrung von Forschungsergebnissen bewusst zu machen. Sehr berührend ist die titelgebende Begegnung mit einer alten Schimpansin, die er seit ihrer Kindheit kannte und immer wieder besucht hat. Diese hat sich zum Sterben in einen Winkel zurückgezogen, doch als sie ihn erkennt, umarmt sie ihn mit letzter Kraft wie einen Verwandten.

Ein wunderbar zu lesendes Buch, das uns auch viel über unser irrationales Verhalten und unsere Emotionen lehrt.

Peter Iwaniewicz in Falter 43/2020 vom 23.10.2020 (S. 53)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783608964646
Ausgabe 3. Druckaufl. 2021
Erscheinungsdatum 15.08.2020
Umfang 430 Seiten
Genre Biologie/Zoologie
Format Hardcover
Verlag Klett-Cotta
Übersetzung Cathrine Hornung
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