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| Themen | Biographie, Literatur und Literaturwissenschaft Biografien und Sachliteratur Allgemein Philosophie und Sozialwissenschaften |
|---|---|
| ISBN | 9783608966466 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 12.09.2026 |
| Größe | 21 x 12.8 cm |
| Verlag | Klett-Cotta |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger GmbH Rotebühlstraße 77 | DE-70178 Stuttgart produktsicherheit@klett-cotta.de |
Was, wenn Zusammenbleiben die höchste Form der Freiheit ist?Die Wahlmöglichkeiten unserer Zeit stellen Beziehungen vor die Frage: Warum bleiben, wenn man doch immer gehen kann? Ausgehend von ihrer eigenen Paargeschichte entwickelt Bestsellerautorin Svenja Flaßpöhler den Gedanken, dass gerade die Möglichkeit der Trennung, die Voraussetzung eines freien Bleibens ist.Gemeinsam alt werden – zwischen Trennungsraten, Polyamorie und der Sehnsucht nach dem nächsten ›Match‹ wirkt das wie ein überkommenes Lebensmodell, das man eher aus Pflicht erfüllt. Doch was, wenn genau dort, im vermeintlich Unzeitgemäßen, eine übersehene Form von Freiheit steckt? In Auseinandersetzung mit Søren Kierkegaard schaut Svenja Flaßpöhler auf ihre eigene Ehe und dorthin, wo moderne Beziehungen am empfindlichsten sind: in die Zone des Konflikts zwischen Mann und Frau, zwischen Gewohnheit und Lust, zwischen Realität und Reiz des Möglichen. Gerade hier, in der Möglichkeit zu gehen, entdeckt Flaßpöhler die Voraussetzung eines freien Bleibens. Nicht aus Konvention oder Zwang, sondern als bewusste Wahl, den Konflikt zu wagen – auch mit sich selbst. Eine lebendige, konkrete Philosophie und ein flammendes Plädoyer für die feste Zweierbeziehung.
| Themen | Biographie, Literatur und Literaturwissenschaft Biografien und Sachliteratur Allgemein Philosophie und Sozialwissenschaften |
|---|---|
| ISBN | 9783608966466 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 12.09.2026 |
| Größe | 21 x 12.8 cm |
| Verlag | Klett-Cotta |
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Kirstin Breitenfellner in FALTER 41/2026 vom 07.10.2026 (S. 45)
Trennungen liegen im Trend. Jede dritte Ehe wird geschieden, der Anteil an Singlehaushalten liegt bei 40 Prozent, Tendenz steigend. „Selbst Paare, die wie füreinander geschaffen schienen“, ergänzt Svenja Flaßpöhler in ihrem Buch „Zusammenbleiben“, „ziehen auseinander, weil ,die Luft raus ist‘, ,es einfach nicht mehr geht‘, ,wir uns nicht mehr lieben‘.“ Und jene, die durchhalten, plagen Fragen wie: „Wäre ich mit A nicht vielleicht glücklicher geworden als mit dem Mann, den ich geheiratet habe? Oder mit B oder mit C oder mit D?“
Flaßpöhler ist eine streitbare Frau. Das zeigt sie regelmäßig in Talkshows, Artikeln und Büchern. 2018 reagierte sie mit dem Buch „Die potente Frau“ auf die MeToo-Debatte und kritisierte, dass Frauen damit in eine Opferrolle gedrängt bzw. in einer solchen verharren würden. Zu ihren Forderungen gehörten mehr Eigenverantwortung, Autonomie und ein selbstbestimmtes sexuelles Begehren.
In ihrem Buch „Sensibel. Über moderne Empfindlichkeit und die Grenze des Zumutbaren“ von 2021 spann sie diesen Gedanken fort, indem sie die Janusköpfigkeit der sogenannten „Woke“-Kultur beschrieb und für mehr Resilienz eintrat. 2024 legte die Chefredakteurin des Philosophie Magazins, Jahrgang 1975, einen Essay für eine bessere Kultur der Auseinandersetzung unter dem Titel „Streiten“ vor.
Dazu steht „Zusammenbleiben. Von der Freiheit fester Bindungen“ nur scheinbar im Widerspruch und löckt wieder bewusst wider den Stachel des Erwartbaren. Musste man noch vor einigen Jahren eine Scheidung argumentieren, gilt das jetzt für das Gegenteil. „Gemeinsam alt werden: Das ist, so scheint es, ein zunehmend überkommenes Lebensmodell, das kaum jemand aus freien Stücken wählt, sondern allenfalls aus Angst, Feigheit, Konvention oder Mangel an Alternativen“, schreibt Flaßpöhler und macht sich auf zur Ehrenrettung dieses Konzepts. Dafür ringt sie sich zu einem Geständnis durch: Sie sei in ihrer Ehe noch nie fremdgegangen und übererfülle damit sogar die viel kritisierte bürgerliche Beziehungsnorm.
Als „Sparringpartner“ für ihre Argumentation wählt sie ihren Leib-und-Magen-Philosophen Søren Kierkegaard. Davor wagt sie sich schon an eine Definition: „Zusammenbleiben meint mehr als Zusammensein. Das Bleiben trägt die Dauer in sich und also auch das Konflikthafte einer jeden Beziehung, die sich als Langstrecke begreift.“ Damit ist auch das Lebensthema der Autorin wieder präsent. „Streiten lernen: Über Gegnerschaft in Langzeitbeziehungen“ heißt das spannende elfte Kapitel des Buchs. Dort analysiert sie mit dem Soziologen Georg Simmel und dessen Essay „Der Streit“ von 1908, warum Beziehungszoff sich oft an Lappalien festmacht.
Wie man den Geschirrspüler einräumt, Wäsche aufhängt oder das Bett macht, scheint doch egal. Trotzdem, meint Flaßpöhler, verdichte sich hier „das Wesen des anderen“, was sich im Streit in Phrasen wie diesen äußert: „Was soll denn das wieder heißen? Warum musst du immer so schnell fahren? Wieso denkst du nie daran, dass man Kindern auch mal die Fingernägel schneiden muss? Das ist so typisch!“
Aus Liebenden werden so Gegner und manchmal sogar Feinde. Während der Feindschaft die Logik des Mordens innewohne (die sich in der Realität in Femiziden niederschlage), beruhe Gegnerschaft auf dem Messen: „Wer argumentiert besser?“ Im echten Leben wird ein partnerschaftlicher Streit aber selten nur mit Worten, sondern meistens auch mit Emotionen ausgetragen. Während Kierkegaard die Frau nur als sich Unterordnende dachte, bejaht Flaßpöhler deren Emanzipation auf ganzer Linie – versteht aber die neuen zwischengeschlechtlichen Konfliktfelder als eine Folge dieses Prozesses, woraus folgt: Ohne Streit geht es nicht. Wer keinen Konsens finde, brauche einen Kompromiss – und bei Scheitern desselben Großzügigkeit.
Heterosexuelle Paare befänden sich derzeit in einem „gigantischen Experiment“, inwieweit sie überkommene Rollen aufbrechen oder gar umkehren wollen. Das berge Potenzial für neue Konflikte, dem die „Tradwives“ mit einem Beziehungsmodell zu entkommen glauben, das sie abhängig mache. Deren Gegenteil, dem polyamourösen Feind der Monogamie, richtet Flaßpöhler aus, „in Wahrheit im neoliberalen Paradigma uneingeschränkter Mobilität“ gefangen zu sein.
Diesen beiden Positionen setzt sie einen von Kierkegaard inspirierten Freiheitsbegriff entgegen: „Du bist nicht frei, wenn du dir Optionen offenhältst und im luftleeren Raum des Möglichen schwebst. Frei bist du nur, wenn du Verantwortung übernimmst und dich an einen einzigen Menschen bindest.“ In der spätmodernen Multioptionsgesellschaft sei diese Entscheidung zwar „ein regelrechter Anachronismus“, betont Flaßpöhler, beende aber die ewigen Grübeleien der „Fear of Missing out“.
Das sogenannte Perfect Match – das Phantasma der Dating-Plattformen, die die „romantische Schicksalserzählung“ in ein „algorithmisches Heilsversprechen“ verwandelt haben – gebe es nicht, meint sie lapidar. Aber sehr wohl die Möglichkeit, mit jemandem, der gut genug zu einem passt, ein erfülltes Leben zu führen. Es gehe also nicht darum, wen man wähle, sondern um die Tatsache der Wahl. „Existenzialistisch gesehen heißt Freisein, die Macht des Reizes durch die Wahl zu ersetzen.“ Und frei könne in einer Beziehung nur jemand sein, der auch gehen könne. Dazu sei es notwendig, „sich eine Ahnung davon zu bewahren, wer man ohne den anderen sein könnte“. Um mit einem anderen Menschen mit eigenen Wünschen und Abgründen zurechtzukommen, müsse man zudem einen illusionsfreien Blick auf Beziehungen einüben.
Flaßpöhler diskutiert die Ansätze der Soziologin Eva Illouz, der Philosophen Eva Redecker und Peter Sloterdijk, kritisiert Susan Sontag und bespricht den Fall Pelicot. Und erzählt immer wieder von sich selbst, ihrem 25-jährigen Ich aus der Zeit der Kreuzberger One-Night-Stands und von der Ehe mit dem Autor Florian Werner, mit dem sie zwei Kinder hat und 2019 das Buch „Zur Welt kommen. Elternschaft als philosophisches Abenteuer“ publizierte.
Gut argumentiert, sind ihre Ausführungen nichtsdestotrotz darauf angelegt, kritisiert zu werden. Mit anderen Worten: Das Streitgespräch ist eröffnet.
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