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| Themen | Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch |
|---|---|
| ISBN | 9783627003524 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 27.08.2026 |
| Größe | 20.5 x 12.5 cm |
| Verlag | Frankfurter Verlagsanstalt |
| Übersetzung | Julia Miesenböck |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Frankfurter Verlagsanstalt GmbH Arndtstraße 11 | DE-60325 Frankfurt am Main literatur@fva.de |
»Lucie Faulerová versteht es meisterhaft, Beziehungen und intime Momente zu beschwören. So fängt sie auf gekonnte Weise Gefühle und Erfahrungen ein, die uns alle überwältigen können.« Tschechisches Fernsehen Ausgezeichnet mit dem Europäischen Literaturpreis und dem Premio Salerno Libro d’Europa Im Zugabteil sitzt eine junge Frau, das Ziel ihrer Reise ist unbekannt. Die Stirn gegen die Scheibe gelehnt, legen sich Maries Erinnerungen an ihre Familie über das Bild der vorbeiziehenden Landschaft.Fröhlichen Momente mischen sich mit quälenden Schuldgefühlen; Marie hegt eine seltsame Faszination für Statistiken, die auch mit der Beziehung zu ihrer geliebten Schwester zu tun hat, die unfreiwillig beendet wurde. Marie will ihren frühen Tod ausblenden, ihre Erinnerungen aber, die sich nach und nach kunstvoll zusammensetzten, zeigen das Bild einer an der Gewalt der Umstände zerbrochenen Familie. Doch auf ihrer Reise versteht Marie, dass sie eine Zukunft hat. Was bleibt, wenn eine Schwester geht? Ein meisterliches Familienmosaik von großer erzählerischer Intelligenz – zart, poetisch und mit einem Humor wie eine Kampfansage. Lucie Faulerovás international gefeierter Roman über Verlust und die Kunst des Weiterlebens.
| Themen | Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch |
|---|---|
| ISBN | 9783627003524 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 27.08.2026 |
| Größe | 20.5 x 12.5 cm |
| Verlag | Frankfurter Verlagsanstalt |
| Übersetzung | Julia Miesenböck |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Frankfurter Verlagsanstalt GmbH Arndtstraße 11 | DE-60325 Frankfurt am Main literatur@fva.de |
Gerlinde Pölsler in FALTER 41/2026 vom 07.10.2026 (S. 14)
In seinem Film „Dancer in the Dark“ erzählt der dänische Regisseur Lars von Trier von der Tschechin Selma Jezkova, die in den 1960er-Jahren in die USA ausgewandert ist. Die junge Mutter, dargestellt von der Sängerin Björk, leidet unter einer seltenen Augenkrankheit.
Um der harten Fabrikarbeit und ihrer zunehmenden Erblindung zu entfliehen, träumt sie sich in die Welt der Musicals. Aus alltäglichen Geräuschen, zum Beispiel dem Zischen und Stampfen von Maschinen, entwickeln sich in ihrer Fantasie opulente Musikstücke. Highlight des Films ist der Song „I've Seen It All“, dessen Takt sich aus dem Rattern eines Güterzuges ergibt.
In ähnlicher Weise verfährt der Roman „Ich habe den Tod gerettet“ der tschechischen Schriftstellerin Lucie Faulerová: Eine Vielzahl von Brems-, Signal- und Motorengeräuschen verleiht ihm seinen Rhythmus. Lautmalerische Konstruktionen wie „Tadam tadam“, „Sch-Sch-Sch-Sch-Sch-tuuu“ oder „Rump-rump“ durchziehen das Buch.
Die Icherzählerin Marie – eine traumatisierte junge Frau, die in Prag lebt und sich ihren Lebensunterhalt als Putzkraft verdient – befindet sich über die gesamte Länge des Romans auf einer Zugfahrt. Während sich von Triers Selma in die Musik flüchtet, ist es hier die Bewegung im Raum, die der Protagonistin als Bewältigungsstrategie dient.
Schon in ihrem gefeierten Debüt „Staubfänger“ (2017) setzte sich Faulerová mit der düsteren Gefühls- und Gedankenwelt einer jungen Frau auseinander, die von ihrer Vergangenheit verfolgt wird. Im aktuellen Roman, der im Original 2020 erschienen ist und ein Jahr später mit dem Literaturpreis der Europäischen Union ausgezeichnet wurde, schreibt sie diese Geschichte in gewisser Weise fort. Marie, in deren Leben Verlust, Trauer, Gewalt und Tod eine bedeutende Rolle spielen, hat längst nicht mit ihrer Vergangenheit abgeschlossen.
Bereits in jungen Jahren verlässt ihre Mutter völlig unvermittelt die Familie und zieht in eine andere Stadt. Später erkrankt Maries jüngere Schwester Madlenka, zu der sie eine quasi symbiotische Beziehung hat, an Krebs. Die Krankheit kann geheilt werden, und doch nimmt sich die Schwester mit Anfang 20 das Leben.
Die unergründliche Tat, über die in der Familie geschwiegen wird, stürzt Marie nach und nach in eine tiefe Lebenskrise und Depression. Sie bricht mehrere Studiengänge ab und verdingt sich nur mehr in prekären Dienstverhältnissen, wird verhaltensauffällig und beginnt, sich selbst zu verletzen und Gefahrensituationen auszusetzen. Sie gibt sich selbst die Schuld am Selbstmord der Schwester, da sie als Jugendliche „den Tod gerettet“ und damit die natürliche Ordnung durcheinandergebracht habe. Das spielt auf die Göttin Morana an, die auch Totenmädchen genannt wird.
Beim slawischen Brauch des Todesaustragens wird Morana zum Winterende als Strohpuppe durch den Ort getragen und am Ende der Prozession zerstört. Als ihre Schwester erstmals erkrankte, fischte Marie die Puppe heimlich aus dem Wasser, um sie vor der Dorfgemeinschaft zu verstecken.
Die Erzählung setzt sich aus Erinnerungsstücken, Reflexionen, Recherchen zum Thema Selbstmord sowie Tagträumen und düsteren Visionen zusammen, die im Zugabteil an Marie vorbeiziehen und sich kunstvoll mit der Landschaft hinter der Fensterscheibe vermischen. Ob die Zugfahrt je stattgefunden hat und die Protagonistin selbst noch unter den Lebenden weilt, lässt der geheimnisvoll-faszinierende Roman völlig offen.
Er ermöglicht ganz unterschiedliche Lesarten und versinkt trotz der ernsten Thematik nie in Schwermut. Das ist nicht nur auf die heiteren, oft komischen Erinnerungen an Madlenka zurückzuführen, die in den Text eingeflochten sind. Leichtigkeit gewinnt das Buch vor allem durch seine lustvolle und verspielte Sprache, die dank der exzellenten Übersetzung von Julia Miesenböck auch im Deutschen intakt ist.
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