Wörterbuch der Sprache der Blumen

Roman
448 Seiten, Hardcover
€ 28,80
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ISBN 9783630877365
Erscheinungsdatum 25.02.2026
Genre Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Verlag Luchterhand
Übersetzung Maralde Meyer-Minnemann
LieferzeitLieferbar in 14 Werktagen
HerstellerangabenAnzeigen
Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH
Neumarkter Straße 28 | DE-81673 München
produktsicherheit@penguinrandomhouse.de
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Kurzbeschreibung des Verlags


23 Erzähler*innen, 23 Geschichten und ein Menschenleben.


Er ist gebildet, elegant und zurückhaltend. Er ist der Sohn einer verarmten Großgrundbesitzerfamilie. Und er ist aktives Mitglied der Kommunistischen Partei Portugals. Letzteres wird ihn in die Fänge der Polizei und schließlich in die entsetzlichen Gefängnisse des Salazarregimes bringen. Dass die Partei nicht zu ihm stehen wird - vermutlich wegen seiner Homosexualität -, ist nur eines von vielen weiteren Hindernissen auf seinem Lebensweg.

Der Roman »Das Wörterbuch der Sprache der Blumen« setzt Júlio Melo Fogaça, einer bedeutenden, aber in Vergessenheit geratenen Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts ein Denkmal. In dreiundzwanzig Kapiteln erzählen dreiundzwanzig Menschen, die ihm begegnet sind, die ihn gekannt, ihn geliebt haben, von ihrem Leben und von der Rolle, die er darin gespielt hat. Es ist die Erinnerung an ein Menschenleben und eine Geschichte von Sehnsucht und Hoffnung, Armut und Einsamkeit, Schönheit und Natur, die Weltliterat António Lobo Antunes in seiner einzigartig kunstvollen Sprache heraufbeschwört.

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ISBN 9783630877365
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FALTER-Rezension

Die Hunde heulen, die Milane kreisen wieder

Sigrid Löffler in FALTER 12/2026 vom 18.03.2026 (S. 9)

m Grunde hat António Lobo Antunes, der Großbürgersohn, Arzt und Schriftsteller, der Anfang März mit 83 Jahren in Lissabon verstorben ist, sein Leben lang ein und denselben Roman geschrieben – in mehr als 30 Varianten. Sein Werk ist lesbar als Chronik der verschwiegenen portugiesischen Geschichte. Antunes leuchtet Portugals Traumata aus: die Gewaltherrschaft des ewigen Diktators Salazar, gestützt auf Geheimdienst, Militär und Kirche; die nicht aufgearbeitete Geschichte, insbesondere den Kolonialkrieg in Angola, in dem der junge Antunes als Militärarzt Dienst tun musste; den Niedergang der alten Machteliten aus Landadel und Großbürgertum.

Der bevorzugte Schauplatz des Autors ist ein verfallendes feudales Landgut, und der Familienroman ist sein liebstes, weil aussagekräftigstes Erzählformat. Im Modell der zerrütteten patriarchalen Familie spiegelt sich immer der Untergang des autoritären Staates, der Familiendespot ist Repräsentant der Diktatur.

Alle Bücher Antunes’ ähneln einander, denn alle schöpfen aus ein und demselben Reservoir – den Erinnerungen des Autors an seine feudale Kindheits- und Herkunftswelt. Die Figuren entstammen entweder der alten Herrschaftsklasse des Landes oder der verelendeten Unterschicht, darunter viele „Retornados“, entwurzelte Rückwanderer aus den verlorenen Überseekolonien. Die Feudalgesellschaft hat sich überlebt, kann aber nicht sterben und schwärt kraftlos fort, gänzlich unberührt von EU-Beitritt, Massentourismus und Modernisierungsfieber, die Portugal in den letzten Jahrzehnten gründlich durchgerüttelt haben. In der fiktiven Welt dieses Autors ist die Zeit mit der Nelkenrevolution von 1974 stehen geblieben.

Geübte Antunes-Leser werden die Kulissen und Requisiten in jedem Roman wiedererkennen: das düstere, übermöblierte Herrenhaus mit seinem modrigen Hausrat, die Truhen vollgestopft mit Erb-Plunder, das Ganze untermalt von Vogelgesang und allerlei anderen Tierlauten.

In „Wörterbuch der Sprache der Blumen“ von 2020, seinem 31. Roman, der soeben in der brillanten Übersetzung Maralde Meyer-Minnemanns auf Deutsch erschienen ist, recycelt Antunes abermals sein angestammtes Milieu und seine Lieblingsthemen.

Und da ist auch wieder das einst prächtige, jetzt aber heruntergekommene Landgut, der Rosengarten vertrocknet, der Getreidespeicher zusammengesackt, der Olivenhain mit einer Hypothek belegt. Da sind sie wieder, die lärmenden Raben, Störche und Möwen, die kreisenden Milane und die heulenden Hunde.

Der Protagonist ist angelehnt an eine historische Gestalt, an Júlio de Melo Fogaça, homosexueller abtrünniger Sohn eines Großgrundbesitzers, der als Kommunist unter Salazar 18 Jahre lang im Gefängnis saß. Er tritt im Roman allerdings nicht selbst auf, sondern wird in 23 Kapiteln im Bewusstseinsstrom von ebenso vielen Weggefährten umkreist, wodurch ein widersprüchliches Bild des abwesenden Helden entsteht.

Hier kommt Antunes’ singuläre Erzähltechnik ins Spiel. Sie hat ihn berühmt gemacht und zugleich als unlesbar abgestempelt. Es gibt bei ihm nämlich keine chronologische Erzählführung, der eigentliche Plot ist eliminiert und wird ersetzt durch ein polyphones, jazzartig rhythmisiertes Stimmengewirr. Alle Zeiten sind im Augenblick des Jetzt aufgehoben. Auf diese Weise entsteht eine symphonische Vielstimmigkeit mit einer ganz eigenen, ausgeklügelten Leitmotiv-Technik. Bestimmte Schlüsselsätze und Requisiten sind bestimmten Romanfiguren zugeordnet und kehren refrainartig wieder.

Man mag den extremen Verismus der Anschaulichkeits- und Detailbesessenheit dieses Autors bewundern oder sich als Leser im Sprachdickicht dieses Verrätselungsvirtuosen verloren fühlen. Dass die Weltliteratur mit António Lobo Antunes einen einzigartigen Erzähler verloren hat, ist unbestreitbar.

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