Entzug

Roman - „Spannend ist das, klug und sehr souverän erzählt.“ SWR
400 Seiten, Hardcover
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ISBN 9783630877853
Erscheinungsdatum 18.03.2026
Genre Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Verlag Luchterhand
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HerstellerangabenAnzeigen
Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH
Neumarkter Straße 28 | DE-81673 München
produktsicherheit@penguinrandomhouse.de
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Kurzbeschreibung des Verlags


»Wenn man den atemberaubenden Roman ›Entzug‹ von Christoph Peters gelesen hat, weiß man, was es bedeutet, schwerer Alkoholiker zu sein. Mehr kann Literatur nicht leisten.« SZ


„Entzug“ beginnt mit einer Wodkaflasche auf dem Küchentisch einer dreiköpfigen Familie an einem Montagmittag – und der Frage, wie sie da hingekommen ist. Hat der Erzähler sie allen Ernstes dort vergessen, während Frau und Kind auf dem Spielplatz waren? Am Anfang des Romans steht ein Schriftsteller, der trinkt, um schreiben, denken, fühlen zu können. Der irgendwann nur noch trinkt, um zu trinken, bis zu dem Punkt, an dem die Frage lautet: Trinken und sterben oder aufhören und leben? Er beschließt, sich in eine Klinik einweisen zu lassen. „Entzug“ ist ein schonungslos ehrlicher Roman, er handelt von der komplizierten Logistik der Abhängigkeit, vom Betrug an den Menschen, die einem am wichtigsten sind, vom Betrug an sich selbst. Und er erzählt voller Hoffnung vom Weg heraus aus der Hölle der Sucht, zurück in ein Leben, das auch nüchtern wert ist, gelebt zu werden.

»Der Autor hat sich durch die Geschichte dieses Entzugs geschrieben, wie ein Tunnelbohrer sich durchs dunkle Erdreich wühlt. Mit Eleganz, Witz und großer Selbstdistanz (…).« Spiegel+

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FALTER-Rezension

"Ich wollte mich mit 30 zu Tode gesoffen haben"

Sebastian Fasthuber in FALTER 17/2026 vom 22.04.2026 (S. 33)

Sein Alkoholismus war im Haushalt von Christoph Peters der Elefant im Raum. Eigentlich ließ er sich nicht mehr übersehen, weil es schon lange keine nüchternen Phasen mehr gab, er am helllichten Tag einschlief oder durch die Wohnung torkelte. Offen geredet wurde aber nicht darüber.
Eines Tages stand eine angebrochene Wodkaflasche auf dem Tisch, als seine Frau mit der kleinen Tochter nachhause kam. Die hätte da natürlich nicht stehen sollen, sondern in einem der Verstecke, die der Autor sorgsam hinter Büchern im Regal angelegt hatte.

Zuerst versuchte er, sich noch irgendwie herauszureden. Aber dann sagte er den erlösenden Satz, der ihm eine zweite Chance eröffnete: "Ich bin Alkoholiker und muss einen Entzug machen."

Das war vor 20 Jahren. In einem autobiografischen Roman erzählt Peters nun von der Zeit, in der sich sein Leben völlig umkehrte: den letzten Wochen des Trinkens, während er auf einen Platz in der Klinik wartete, und der intensiven Erfahrung des körperlichen Entzugs.

Es gibt zahllose Bücher über Alkohol - und über den nicht zu leugnenden Zusammenhang zwischen Literatur und Saufen. Viele große Namen der Literaturgeschichte waren, etwas überspitzt formuliert, schwere Trinker, die nebenbei Bücher geschrieben haben.

So nüchtern wie Peters packte das Thema bis dato noch kaum jemand an. Gerade das Fehlen von Pathos und der schonungslose Blick machen "Entzug" zu einer atemberaubenden Lektüre.

Zunächst brauchte es Abstand zum Erlebten, sagt Christoph Peters im Falter-Gespräch. "Das Geschehen musste sehr lange durch die gesamte Persönlichkeit durchsickern und zu mir selber werden. Andererseits musste ich eine große Distanz zu der Intensität des damals Erlebten aufbauen - damit ich es wie kaltes Material benutzen kann, mit dem ich nichts zu tun habe." Auf diese Art gelingt ihm im Buch eine erstaunliche Balance aus Nähe und Distanz.

Der Alkohol war von früher Jugend an sein ständiger Begleiter. Aufgewachsen ist er in einem Dorf namens Hönnepel am Niederrhein. Im Elternhaus wie im erweiterten Umfeld gehörte Trinken zum guten Ton. Am Wochenende gab es ein Sektfrühstück. Wenn ein Nachbar vorbeikam, wurde vormittags auch schon einmal ein Schnaps getrunken. Mit solchen kleinen Helfern schafft man es etwas leichter durch den Tag.

Heftig zu trinken begann Christoph Peters bereits im Internat. Als Jugendlicher nutzte er den Alkohol, um seine soziale Scheu und Ängste kurzfristig zu überwinden. Nüchtern ein Gespräch beginnen? Das erschien ihm fast undenkbar.

Das Trinken passte auch zu seinem früh gehegten Wunsch, Künstler zu werden: "Ich hatte mit 15,16 Jahren von mir schon die Vision, Dichter, Maler und Trinker zu sein. Und zwar wirklich in dieser Trias. Ich wollte mich mit 30 zu Tode gesoffen haben, weil ich dieses Leben wahnsinnig schwierig und mich selbst völlig unerträglich fand."

Es gelang ihm nicht. Aber immerhin schaffte er es mit Ende 30 beinahe bis zur Leberzirrhose. Über Jahre hatte Peters einen Dauerpegel von mehr als zwei Promille. "In diesem Prozess des Trinker-Seins übernimmt der Alkohol die komplette Herrschaft über die Persönlichkeit", erklärt er. "Irgendwann will man in erster Linie trinken und alles andere ist nachrangig."

Sein Alltag bestand nur mehr aus Saufen. Dazu gehörte das laufende Organisieren von Nachschub, das Verstecken und Entsorgen der Flaschen. Von einem Rausch war keine Rede mehr. Im letzten Stadium musste Peters vor allem gegen Entzugserscheinungen ankämpfen. Frühmorgens erwachte er heftig zitternd, weil sein Pegel fiel. Erst nachdem er Wodka aus dem Zahnputzbecher hinuntergewürgt hatte, konnte er weiterschlafen.

In dieser Zeit schaffte er gerade noch eine Stunde Arbeit pro Tag. Er hatte schon ein paar Romane veröffentlicht. Doch das gerade im Entstehen befindliche Buch entspreche nicht seinem Niveau, befand sein Verleger. In den 25 Jahren von 15 bis 39 brachte es Peters auf keine 100 nüchternen Tage. Ohne Alkohol zu schreiben, erschien ihm unmöglich, aber mit ging es auch nicht mehr. Er fürchtete, seinen Beruf nie mehr ausüben zu können.

Seine Familie drohte ihm ebenfalls zu entgleiten. "Ich konnte kaum noch was mit meiner damals eineinhalb, zwei Jahre alten Tochter unternehmen", erinnert er sich. "Zum Beispiel war ich nicht in der Lage, ihr die Schnürsenkel zu binden. Sobald ich in die Hocke ging, bin ich umgekippt. Ich konnte kein Vater und kein liebender Mensch mehr sein, weil die Liebe da endete, wo der Pegel unter zwei Promille fiel. Dann musste ich sehen, wie ich den nächsten Schnaps bekomme."

Während des stationären Entzugs gaben ihm Ärzte, Pfleger und Leidensgenossen unisono zu verstehen: Beim ersten Mal schaffen es die wenigsten, nur rund zehn Prozent bleiben gleich und dauerhaft trocken. Christoph Peters gehört zu ihnen, er hat nie mehr einen Tropfen Alkohol getrunken.

Warum er zu der kleinen Gruppe Glücklicher zählt, kann er sich bis heute nicht erklären. Aber er erinnert sich genau an den Moment, in dem sich bei ihm offenbar ein Schalter umgelegt hat. "Es war am 13. Tag des Entzugs. Ich stand vor dem Spiegel und sah mich in meiner ganzen Verwahrlosung, Verelendung und Erbärmlichkeit. Plötzlich musste ich anfangen zu lachen."

Seitdem hatte er nie mehr den Wunsch zu trinken, erzählt er. "Alkoholische Getränke sind aus meiner Wahrnehmung einfach als für mich relevant rausgefallen. Meine Frau ist auch Autorin und hat mich einmal panisch von einer Lesereise angerufen. Ihr war eingefallen, dass noch eine offene Weinflasche im Kühlschrank stand. Die habe ich gar nicht gesehen."

Als er nüchtern an den Schreibtisch zurückkehrte, war Christoph Peters zuerst beinahe überfordert von der vielen Zeit, die ihm ohne Trinken zum Schreiben zur Verfügung stand. Mehr noch, er musste sich von seiner Selbstwahrnehmung neu erfinden. Er war nicht mehr die melodramatische Autorenfigur, als die er sich in jungen Jahren inszeniert hatte: "Ich dachte immer, Kunst muss aus Schmerz geboren werden. Auf einmal saß ich da und es ging mir gut, ja ich war sogar heiter."

Nicht nur er, der ganze Literaturbetrieb ist in den vergangenen Jahrzehnten merklich ernüchtert und nunmehr auf Funktionieren ausgelegt. Autoren sind nicht mehr Autodidakten, die jahrelang im stillen Kämmerlein vor sich hin brüten, bis daraus ein erstes Buch wird. Es gibt zahlreiche Ausbildungsinstitute für angehende Literaten.

Er vergleicht die Situation mit dem Fußball: "Heute sitzen Leute in Schreibschulen und bereiten sich auf eine Karriere als Schriftsteller vor. Bei den Abschlusslesungen sind quasi schon die Agenten, Verleger und Lektoren am Spielfeldrand und entscheiden, wen sie mitnehmen."

Als Peters seine Laufbahn begann, lief es noch ganz anders: "Bei meinem ersten Besuch im Büro der Frankfurter Verlagsanstalt hat Joachim Unseld mir eine Tasse in die Hand gedrückt, um zu testen, ob der Dichter den Kaffee morgens um elf ohne Zittern reinbekommt. Wenn jemand vor 30 Jahren auf einer Buchmessenparty dem Verleger besoffen in die Wohnung gekotzt hat, war das eine Anekdote. Heute ist man nach so einer Aktion fast schon raus."

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