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| Themen | Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch |
|---|---|
| ISBN | 9783630878232 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 23.09.2026 |
| Größe | 22.1 x 14.5 cm |
| Verlag | Luchterhand |
| Übersetzung | Nikolaus Stingl |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH Neumarkter Straße 28 | DE-81673 München produktsicherheit@penguinrandomhouse.de |
Von Liebe, Schuld und Einsamkeit in Zeiten des Umbruchs. Zwei junge Paare, deren Leben aus den Fugen gerät. Der gefeierte neue Roman von Andrew Miller. »Ein Buch, das durch Mark und Bein geht.« The Independent England, Dezember 1962: Es ist der kälteste Winter des Jahrhunderts. Die Welt ist wie in Eis erstarrt. Der Arzt Eric Parry ist mit seiner Frau Irene vor Kurzem erst aufs Land gezogen. Die beiden erwarten ein Kind – und doch wächst die Distanz zwischen ihnen. Auch ihre Nachbarn Bill und Rita Simmons, Neuankömmlinge wie die Parrys, stecken in einer Krise. Bill, gescheiterter Oxford-Student, hat Schwierigkeiten, sich an das Leben auf dem Land zu gewöhnen, und Rita versucht, eine unrühmliche Vergangenheit hinter sich zu lassen. Während der Schnee unaufhörlich fällt, die Straßen unpassierbar macht und die Menschen in ihre Häuser verbannt, entladen sich die latenten Spannungen der beiden Paare. Nicht zuletzt wegen eines folgenschweren ärztlichen Fehlers, den Eric begeht. Mitreißend erzählt Andrew Miller in seinem gefeierten Roman von Schuld und Begehren, Hoffnungen und Enttäuschungen - und von dem Wunsch auszubrechen aus einem Leben, das so erstarrt zu sein scheint wie die von Schnee und Eis bedeckte Landschaft.
| Themen | Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch |
|---|---|
| ISBN | 9783630878232 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 23.09.2026 |
| Größe | 22.1 x 14.5 cm |
| Verlag | Luchterhand |
| Übersetzung | Nikolaus Stingl |
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| Herstellerangaben | Anzeigen Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH Neumarkter Straße 28 | DE-81673 München produktsicherheit@penguinrandomhouse.de |
Klaus Nüchtern in FALTER 41/2026 vom 07.10.2026 (S. 22)
Wollte man das Setting von Andrew Millers jüngstem Roman durch Auflistung der wichtigsten Realien umreißen, wären neben Gin, Zigaretten, Schallplatten und Wählscheibentelefonen noch ein Jaguar E, ein Citroën ID (die preisgünstigere Variante des legendären DS), vor allem aber der AGA-Rayburn zu nennen.
Die beiden Autos – so viel darf man spoilern – werden den Roman nicht unbeschadet überstehen, der genannte, als Küchenherd und Zentralheizung fungierende Gusseisenofen aber den ganzen Winter über verlässlich Dienst tun. Und was für ein Winter das war! „Schon behaupteten die Leute, es sei schlimmer als siebenundvierzig. Kälter, unerbittlicher. Nicht nur die Flüsse waren gefroren. Vor der Küste von Kent hatte sich das Meer auf einer Breite von einer Meile in Packeis verwandelt. Eine Meile! Kein Mensch konnte sich an dergleichen erinnern.“
Das Debüt Andrew Millers, „Die Gabe des Schmerzes“, handelte von einem Wundarzt im frühen 18. Jahrhundert, und dem Genre des historischen Romans hat der Brite die Treue gehalten: „Friedhof der Unschuldigen“ spielt Ende des nämlichen Centenniums in Frankreich, „Die Korrektur der Vergangenheit“ zur Zeit der Napoleonischen Kriege.
Mit „Das Land im Winter“ rückt der Autor, Jahrgang 1960, näher an die Gegenwart und seine Geburtsstadt Bristol. Dort hat Rita einst in einem zwielichtigen Klub namens Pow-Wow gejobbt, ehe sie mit ihrem Mann, Bill Simmons, aufs Land zog, wo sich dieser als Farmer versucht. So wie Rita ist auch Irene Perry im Haus vis-à-vis schwanger, dabei aber insofern in guten Händen, als ihr Gatte Eric als Arzt im örtlichen Krankenhaus arbeitet.
Was Schauplatz und Milieu anbelangt, erinnert Millers jüngstes Opus an die Suburbia-Romane seiner um eine Generation älteren US-Kollegen Richard Yates und John Cheever. Der unübersehbare Unterschied zu Klassikern wie „Zeiten des Aufruhrs“ (1961) oder „Die Lichter von Bullet Park“ (1969) hat historische Ursachen: Im West Country des Vereinigten Königreichs sind die Spuren des Zweiten Weltkriegs auch 17 Jahre nach dessen Ende noch zu sehen – selbst wenn das Flugfeld samt Hangar nun zum Farmland werden soll und der Luftschutzunterstand zur Schwitzhütte umgebaut wurde.
Aber nicht nur Landschaft und Architektur tragen Narben der Geschichte, auch die Romanfiguren selbst sind buchstäblich gezeichnet. Als Bill seinen schwerreichen Vater aufsucht, um diesem um finanzielle Unterstützung für sein Viehzuchtprojekt zu bitten, begegnet er seinem jüngeren Bruder Charlie, der dem Senior bei dessen Geschäften zur Hand geht: der lukrativen Vermietung verschimmelter Bruchbuden an Menschen in verzweifelter Lage, die sich nichts anderes leisten können.
Charlie, offensichtlich schwul, das schwarze Schaf der Familie und Besitzer des erwähnten, im Übrigen lila lackierten Jaguar E, stellt Bill einen der Mitarbeiter vor. Mr. Nencel, so der Name, habe seinerzeit bei Knize in Wien einen Anzug für Marlene Dietrich geschneidert. Auf seinem Unterarm hat er eine Ziffernreihe tätowiert: „Görings Telefonnummer“, erklärt Mr. Nencel, als er Bills neugierigen Blick registriert.
Dessen Vater, wohl selbst ein Holocaust-Überlebender, hat seinen Namen nach der Einbürgerung von Somogyi auf Simmons geändert. Doch das sind Dinge, die Bill so genau wohl gar nicht wissen will. Als auf der Weihnachtsparty der Perrys Gabby Miklos, ein Arbeitskollege des Gastgebers, mit Bill Konversation macht, in der (auch im englischen Original) die deutschen Begriffe „Häftling“, „Sonderkommando“ und „Judenlager“ fallen, wendet sich Bill dem Käsegebäck zu. „Ich glaube“, erzählt er am Heimweg seiner Frau Rita, „er wollte so etwas wie ein Zusammengehörigkeitsgefühl, aber dafür bin ich der Falsche.“
Was das Erzähltempo anbelangt, rangiert „Das Land im Winter“ über weite Strecken allenfalls zwischen Adagio und Andante, schaltet erst im letzten Drittel einen Gang höher auf Allegro. Plotgetriebene Pageturner sehen anders aus. Die Qualitäten des Romans, der 2025 aus guten Gründen auf der Shortlist des renommierten Booker Prize landete, liegen anderswo.
Andrew Miller ist ein diskreter, niemals auf Effekt bedachter Autor; allerdings auch einer, der so klug ist, eine Einsicht des deutschen Kulturwissenschaftlers Aby Warburg zu beherzigen, die da lautet: „Der liebe Gott steckt im Detail.“ In seiner Inszenierung von Räumen, in der Auswahl der Kostüme und in der Choreografie seiner Figuren erweist er sich als meisterhafter metteur en scène, wie besagte, in der Mitte des Romans situierte Party belegt.
Hier zeigen sich erste Wellen im vermeintlich ruhigen Ehehafen: Eric hat null Bock auf Smalltalk mit den Nachbarn, Irene Stress bei der Planung des Buffets. Soll sie neben Russischen Eiern auch Thunfischkroketten auftischen, von denen sie im Ladies’ Home Journal gelesen hat? Dass es sich bei der Frau, der sie im Rahmen einer Wohnungsbesichtigung auch verrät, auf welcher Bettseite ihr Mann schläft, um dessen heimliche Geliebte handelt, kann Irene zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen.
Der Gin fließt in Strömen, das Klarinettenschmalz von Acker Bilk aus den Lautsprechern, man tanzt den „Mashed Potato“, und ein Dramatiker in Lederjacke – „recht bekannt unter Leuten, […] denen Dinge wie der Atomkrieg und der Norden von England am Herzen lagen“ – geht allen mit seinem selbstgefälligen Geschwafel über die Kultur der Arbeiterklasse auf die Nerven, die er wiederzubeleben gedenkt. Es sind Szenen wie diese in ihrer Mischung aus Piefigkeit und Exzess, in denen es Miller auf brillante Weise gelingt, den Zeitgeist der Not-so-Swinging Early Sixties greifbar zu machen.
Klaus Nüchtern
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