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| Themen | Wirtschaftswissenschaft, Finanzen, Betriebswirtschaft und Management Finanz- und Rechnungswesen Finanzenwesen und Finanzindustrie |
|---|---|
| ISBN | 9783639438215 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 06.07.2012 |
| Größe | 220 x 150 mm |
| Verlag | AV Akademikerverlag |
| Lieferzeit | Lieferung in 7-14 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen info@bod.de |
Inhaltlich unveränderte Neuauflage. Kindererziehung ist für die heutige Gesellschaft ein zentrales Thema. Das Zusammenspiel rechtlicher und gesellschaftlicher Aspekte beim Umgang mit jungen Menschen ist permanenter Diskussionspunkt in der Öffentlichkeit. Doch wie "modern" ist unsere Erziehung heute? Die Autorin Elisabeth Wischenbart analysiert die Kindererziehung in den letzten 500 Jahren aus soziologischer und rechtlicher Sicht. Dabei werden sämtliche Rechtsbereiche, wie das Arbeitsrecht, das Strafrecht, das Familienrecht, etc. in den verschiedenen Geschichtsepochen durchleuchtet und mit soziologischen Verhaltensweisen verglichen. Auch Unterschiede in den einzelnen Gesellschaftsschichten sowie eine inhaltliche Analyse von Märchen und Sprichwörtern auf ihren rechtlichen Gehalt soll dem Leser ein umfassendes Bild der Kindererziehung in der Vergangenheit geben. Das Buch richtet sich an alle, die ein Interesse an der rechtsgeschichtlichen und soziologischen Entwicklung der Stellung junger Menschen in der Gesellschaft haben, und daraus Vergleiche zu heutigen Erziehungsmethoden und Verhaltensmustern ziehen möchten.
| Themen | Wirtschaftswissenschaft, Finanzen, Betriebswirtschaft und Management Finanz- und Rechnungswesen Finanzenwesen und Finanzindustrie |
|---|---|
| ISBN | 9783639438215 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 06.07.2012 |
| Größe | 220 x 150 mm |
| Verlag | AV Akademikerverlag |
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Benedikt Narodoslawsky in FALTER 48/2014 vom 26.11.2014 (S. 14)
Jeder dritte Österreicher findet, Ohrfeigen seien in der Erziehung legitim. Ist das ein Skandal?
Von unten betrachtet ist die Erscheinung des Nikolo gewaltig. Ein erwachsener, fremder Mann mit weißem Rauschebart. Die Bischofsmütze macht ihn gleich noch einen Kopf größer. In der Hand ein mannshoher Bischofsstab. Schlägt der Nikolo sein goldenes Buch auf, dann sehen kleine Kinder einen Riesen lesen. Sie hören seine tiefe Stimme, allwissend erzählt er ihnen von ihren guten und bösen Taten. Er lobt und er tadelt. Der Nikolo ist eine Autorität.
Das soll sich jetzt ändern. Die katholische Jungschar bildet in Wien gerade Nikolaus-Darsteller ohne Bärte aus. Kinder sollen keine Angst mehr vor den fremden Riesen haben. Nein, wenn die Nikoläuse durch die Wiener Wohnungstüren treten, dann sollen sie die Kinder mit einem Lächeln gewinnen, das die Bärte bislang verdeckte. Das goldene Buch soll kein Sündenregister, sondern einfach die Bibel sein. Mit tiefer Stimme maßregeln? Passé. Stattdessen: Vertrauen schaffen, den Kindern ein angenehmes Gefühl vermitteln, ihnen zeigen, dass man sie gern hat.
Der glattrasierte Nikolo ist ein Symbol für einen gesellschaftlichen Umbruch. Der Wertewandel lässt sich in aktuellen Zahlen messen. Vor wenigen Tagen stellte Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) eine repräsentative Umfrage zum Thema "Gewalt am Kind" vor. Das Meinungsforschungsinstitut GfK hatte im Oktober die Einstellung von Jugendlichen und Erwachsenen zur Kindererziehung abgefragt. Sie stellten den Menschen dieselben Fragen, die die beiden bedeutenden Mediziner Hans Czermak und Günther Pernhaupt den Österreichern bereits 1977 gestellt hatten. Ein Trend wird offensichtlich.
Zwei Beispiele: Wie stehen die Österreicher etwa zur Aussage "Ein kleiner Klaps ab und zu schadet keinem Kind"? 1977 stimmten ihr 19 von 20 Österreichern voll oder teilweise zu. Heute: die Hälfte. Oder die Aussage "Eine Ohrfeige hat noch keinem Kind geschadet, kann aber oft besser erziehen als noch so viele Worte"? 1977: Zustimmung von mehr als drei Vierteln aller Österreicher. Heutzutage: nicht einmal ein Drittel.
Ein Drittel – das ist immer noch sehr viel. In den Medien klang die Berichterstattung über die Ergebnisse deshalb ein wenig skandalisierend. Die Wiener Kinder- und Jugendanwältin Monika Pinterits forderte, Eltern sollten für die sprichwörtliche "gesunde Watsche" endlich bestraft werden. Gewalt am Kind ist zwar schon seit 25 Jahren verboten, aber rechtlich gilt die Ohrfeige derzeit – solange sie keine Folgen hat – nicht als Misshandlung, sondern als Beleidigung. Pinterits reicht das nicht, es solle endlich Konsequenzen für die Eltern geben, forderte sie im Namen der Kinder.
Betrachtet man die Zahlen aber im historischen Kontext, dann sind die Ergebnisse kein Skandal, sondern vielmehr eine Erfolgsstory. Noch nie in der Geschichte der Menschheit hatten Kinder so viele Rechte und wuchsen so gewaltfrei auf wie heute. Die Erziehung verändert sich so rasant, dass Eltern heutzutage damit überfordert sind. "Eltern sind unsicherer geworden", sagt die Kinderpsychologin Hedwig Wölfl. Sie arbeitet für die Österreichische Liga für Kinder- und Jugendgesundheit; als Ministerin Karmasin die Zahlen veröffentlichte, saß Wölfl neben ihr.
Nun blättert Wölfl in ihrer Ordination im neunten Bezirk noch einmal durch die Umfrageergebnisse. Misshandlungen, Vernachlässigungen, Gewalttaten – sie kennt die Brutalität von Erwachsenen gegen Kinder, sie weiß um die Gefahren. Aber manche Ergebnisse der Umfrage irritieren sie trotzdem. Da ist etwa die Frage, ob man folgender Aussage zustimme: "Kinder müssen lernen, ihre Wünsche und Bedürfnisse zu beherrschen." 1977 nickten noch 82 Prozent der Befragten. Heute? 44 Prozent. Dabei, sagt Wölfl, sei es wichtig, dass Eltern ihren Kindern Grenzen aufzeigen. Das habe noch nichts mit Strafen zu tun.
Auf ihrem Schreibtisch steht ein Foto, sie hält darauf ihre drei Kinder im Arm. Ein Bild einer glücklichen Familie. Aber auch in ihrer Familie kommt es manchmal zu Reibereien. Und wenn es zu Konflikten komme, werde es auch in ihrem Haushalt sehr laut. Aber schreien – ist das schon böse? Darf man das? Was ist denn heutzutage überhaupt noch zulässig? In Auseinandersetzungen mit Kindern gehe es vor allem darum, respektvoll und versöhnungsorientiert zu bleiben. Jede Position darf zu Wort kommen – auch mit Nachdruck.
Gewalt dürfe jedenfalls nie die Lösung sein, sagt Wölfl. Dazu zählt auch die psychische Gewalt. Etwa, wenn Eltern ihr Kind verbal niedermachen. Oder es tagelang anschweigen – eine Demütigung. Um zu verhindern, dass man in aufgeladenen Situationen falsch reagiert, solle man sich eine Konfliktkultur erarbeiten – am besten schon in der Schwangerschaft. Man solle den Kindern zuhören, ihnen Aufmerksamkeit schenken. Gerecht sein, keine Willkür walten lassen. Aber bei Regelverstößen angekündigte Konsequenzen auch durchführen.
Dann erzählt Wölfl von der Mutter, die ihr Kind, als es auf die befahrene Straße laufen wollte, gerade noch zurückhielt und es ohrfeigte. Solle man sie dafür gerichtlich belangen? "Scharf schießen geht nach hinten los", sagt Wölfl. Niemand könne verlangen, dass die überforderte Mutter für ihre einmalige Panikreaktion vor Gericht gestellt werde. "Man darf die einmalige Ohrfeige nicht dramatisieren, wenn jemand einsichtig ist", sagt Wölfl, "aber man darf sie auch niemals bagatellisieren." Das heißt: sich beim Kind entschuldigen, klarmachen, dass die Ohrfeige ein Fehler war, und erklären, warum man diesen Fehler begangen hat.
Wo aber Zivilcourage gefragt ist: bei Erwachsenen, die Ohrfeigen als Erziehungsmaßnahme sehen. Und überforderten Eltern, die ihre Gewaltausbrüche nicht kontrollieren können. "Diese Menschen brauchen unbedingt Hilfe", sagt Wölfl. Vor allem eine Gruppe hat laut der aktuellen Studie verhältnismäßig oft ein Problem mit Gewalt in der Erziehung: junge Männer.
Es gibt sie noch immer, die schrecklichen Geschichten von Erwachsenen, die Kinder zu Tode quälen. Der dreijährige Cain etwa, der im Jänner 2011 ein Joghurt aus der Küche holte, obwohl es ihm sein Stiefvater verboten hatte. Zur Strafe drosch der 26-Jährige so lange mit Händen und einem Aluminiumbesenstiel auf Cains Körper ein, bis der Bub an den inneren Verletzungen starb. Ein "Trümmerfeld" nannte der Gerichtsmediziner den Leichnam des kleinen Buben. "Ich wollte, dass er sich's merkt. Ich wollte ihn erziehen", sagte der Stiefvater vor Gericht. Er bekam lebenslänglich.
Oder der Fall der zweijährigen Leonie vor einem Monat. Der 26-jährige Vater soll seine Tochter als "Erziehungsmaßnahme" unter die Dusche gestellt haben. Das heiße Wasser verbrühte Leonies Haut, im Krankenhaus verlor sie den Kampf ums Überleben, weil gleich mehrere Organe versagten. Dem Vater drohen nun bis zu zehn Jahre Haft.
Die Fälle erschüttern. Sie sorgen für große Schlagzeilen und wochenlange Berichterstattung. Aber sie sind die Ausnahmen von der Regel. Denn vieles zeigt, dass die Österreicher ihre Kinder heute gewaltfreier erziehen als noch die Generation davor.
Betrachtet man das Kindeswohl im größeren Zeitverlauf, dann wird die Dimension des Wandels offensichtlich (siehe Kasten auf Seite 15). Der gesellschaftliche Weg zur gewaltfreien Erziehung gleicht einer steinigen Marathonstrecke – die Österreicher sind zwar noch nicht im Ziel, aber zumindest liegt der größte Weg bereits weit hinter ihnen.
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