Das Mittelmeer

Geschichte und Zukunft eines ökologisch sensiblen Raums
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Kurzbeschreibung des Verlags:

Dieses nahezu vollständig überarbeitete und um zwei gänzlich neue Kapitel erweiterte Werk ist weit mehr als nur eine 2. Auflage. Denn in den letzten 20 Jahren haben Herausgeber und Mitautoren viel Neues und Verblüffendes über das Mittelmeer erfahren. Eine neue Wissenschaft hat sich formiert, die multidisziplinäre Mediterranistik, die dank Historikern neue Einsichten zum Verständnis dieses Raums ermöglicht. Doch auch die Umweltforschung machte große Fortschritte und fördert Beunruhigendes an den Tag: Die negativen Veränderungen im Mittelmeer und im mediterranen Raum laufen heute in einer Geschwindigkeit ab, die es in der Erdgeschichte bisher wahrscheinlich noch nie gegeben hat. Dieses erweiterte Wissen hat Einzug in das Buch gefunden.Der Leser erhält einen weit gefassten Überblick über die Erdgeschichte der mediterranen Region, aber auch über die Rolle unserer Vorfahren darin, den Hominini. Das aktuelle Wissen zum mediterranen Raum ist hier zusammengefasst – von der Biodiversität bis zur wirtschaftlichen Nutzung der marinen Ressourcen, von den klimatischen Verhältnissen, den Wasserströmungen und Winden bis zu den komplexen Nahrungsnetzen und ökologischen Abhängigkeiten innerhalb der Pflanzen- und Tierwelt des Mittelmeeres. Die enorme Bandbreite der Themen soll Liebhabern der Mittelmeerregion ebenso entgegenkommen wie Meeresschützern, Tauchern, Forschern, Seglern und Reisenden – jedem, der über das Mittelmeer etwas wissen will. Hunderte von eigens für dieses Werk entwickelten Grafiken veranschaulichen die in zwölf Kapiteln besprochenen Phänomene, Prozesse und Konzepte. Zahlreiche Tabellen fassen die Ergebnisse umfangreicher Recherchen zusammen. Farblich hervorgehobene Exkurse beleuchten spannende Einzelaspekte der Natur- und Kulturgeschichte des Mittelmeeres. Eindrucksvolle Farbfotos der mediterranen Lebensräume und ihrer Lebewesen begleiten die informativen Texte. Die Fülle der in diesem Werk verarbeiteten Informationen, die Klarheit der Darstellung und die ansprechende Gestaltung machen Das Mittelmeer zu einem unentbehrlichen Nachschlagewerk und außergewöhnlichen Lesevergnügen zugleich. Der Rat der Autoren: „Tun Sie für die Umwelt mehr als Sie müssen!“

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FALTER-Rezension

Das Ökodesaster begann in der Antike

Etwa 71 Prozent der Erdoberfläche bedeckt das Weltmeer, das in fünf Ozeane und deren Nebenmeere unterteilt wird. Die überwältigende Größe scheint auch den Umfang der Bücher darüber zu beeinflussen. An die 1000 Seiten umfasst die Kulturgeschichte des Mittelmeerraums, die der britische Historiker David Abulafia 2010 vorgelegt hat. Wobei sich der Cambridge-Professor dort auf die Beschreibung der Menschen, Vorgänge und Ereignisse beschränkte, die diesen Raum gestaltet haben.

Der Zoologe und Meeresbiologe Robert Hofrichter publizierte soeben ein Nachschlagewerk, das mehr als 1300 Seiten stark ist und jeden Aspekt der Mittelmeer-Thematik aufgreift und bis in alle Winkel ausleuchtet. Allein der Anhang mit weiterführender Literatur füllt über 100 Seiten. Bereits 2001 hatte der bald 63-Jährige bei Springer zu diesem Thema zwei Bände publiziert. Für die Realisierung der jetzigen, komplett neuen Fassung brauchte es ein cleveres Finanzierungsmodell und ein eindrückliches Aufgebot von 25 Co-Autoren.

Hofrichter wuchs in Bratislava auf und studierte in Salzburg, wo er heute lebt. Er verfasste viele Bücher zum Arten- und Lebensraumschutz, setzte sich in Printmedien und im TV für Wildtiere und Pilze ein und initiierte unter anderem die NGO MareMundi sowie das Red Sea Environmental Center am Roten Meer, eine Feldstation an der südlichen Sinaiküste. Seinen beeindruckend breiten Interessen entsprechend umfasst jetzt auch das von ihm verantwortete Mammutwerk jeden erdenklichen Aspekt des Mittelmeers.

Geografisch liegt dieses Gewässer im Zentrum zwischen Europa, Afrika und Asien, einem Gebiet, unter dem die afrikanische Kontinentalplatte auf die europäische Platte trifft, was für seismische Unruhe sorgt. Es gilt als Nebenmeer des Atlantischen Ozeans, mit dem es durch die maximal 900 Meter tiefe und nur 44 Kilometer breite Straße von Gibraltar verbunden ist, wird geprägt vom mediterranen Klima und birgt eine artenreiche, spezifische Fauna und Flora. Geteilt in ein West- und ein doppelt so großes Ostbecken, erstreckt sich das Mittelmeer über fast 4000 km, überdeckt eine Fläche von 2,5 Millionen km² und ist maximal 5,2 km tief. Bis zur letzten Eiszeit lag es inmitten eines Laurisilva, eines immergrünen und immerfeuchten Lorbeerwalds, wie man ihn beispielsweise noch auf der Atlantikinsel La Gomera findet.

Kulturell wurde der Mittelmeerraum in der Antike von Phöniziern, Griechen und Etruskern geprägt, im Mittelalter von Genuesen, Venezianern und Katalanen und vor 1800 von den holländischen, englischen und russischen Flotten. Spätestens nach 1850, konstatiert Abulafia in seinem Epos, hat er allerdings für die Weltpolitik und den Welthandel zunehmend an Bedeutung verloren. Geblieben sind freilich die naturwissenschaftlichen und philosophischen Erkenntnisse, die in der Antike wurzeln und unsere moderne Welt überhaupt möglich gemacht haben.

Wie im Untertitel „Geschichte und Zukunft des ökologisch sensiblen Raums“ anklingt, wird in diesem Buch alles thematisiert, was die Forschung aktuell bearbeitet oder auch noch genauer ausleuchten sollte, sei es nun bezüglich Geografie, Ozeanografie, Geologie, Fauna und Flora, Fischerei oder Ökologie. Letzterer Aspekt dominiert, denn auch das Mittelmeer müsste dringend besser geschützt werden. Jedes der zwölf Kapitel und die meisten Abschnitte in diesem Lehrbuch in Gestalt eines Lexikons kann man gut einzeln studieren, denn alle wissenschaftlichen Inhalte werden didaktisch hervorragend vermittelt. Dank diesem Konzept und den vielen Bilder, Grafiken sowie teils langen Listen wird man auch zum Schmökern angeregt und darf Themen entdecken, die man als Laie kaum erwartet haben dürfte. Im Kapitel „Geografie und Klima“ beispielsweise führt das Kapitel „Höhlen“ in verborgene Welten, die erstaunlich reichhaltig sind und jeden Abenteuerfilmregisseur begeistern könnten.

Am oder im Mittelmeer sowie in seiner nahen Umgebung existieren tausende solcher Räume, denen offenbar in mehrfacher Hinsicht überragende Bedeutung zukommt. Sie können sich über Kilometer erstrecken und sind für die Biodiversität wichtig in Bezug auf speziell angepasste Arten wie den Grottenolm, für die Paläontologie als Fundort von Überresten ausgestorbener Arten wie den Zwergelefanten auf Inseln oder für die Archäologen, weil sich in solch verborgenen Gängen einzigartige Lebensspuren unserer Vorfahren erhalten haben. Den Autoren dieses Standardwerks ist es auch explizit ein Anliegen, falsche Vorstellungen zu korrigieren, die sich gerade in zu den Umweltwissenschaften zählenden Disziplinen immer wieder einschleichen. So weisen Hofrichter und zwei seiner Kollegen beispielsweise darauf hin, dass unsere Vorfahren durchaus nicht nur im Einklang mit der Natur gelebt haben. Mit der Nachhaltigkeit war es jeweils vorbei, wenn die Bevölkerung stark anwuchs.

Als eines der gravierendsten Beispiele dient die Abholzung rund um das Mittelmeer und auf seinen Inseln. Die gigantischen Dimensionen dieses Raubbaus kann man sich kaum mehr vorstellen, wenn man die Landschaften heute durchreist. Doch vor etwa 14.000 Jahren war der mediterrane Naturraum bis auf geschätzte zehn Prozent der Fläche noch von geschlossenem Wald bedeckt. Bereits tausende Jahre vor den Griechen und Römern wurde gerodet, um Brenn- oder Bauholz zu gewinnen. Die Blütezeit der antiken Zivilisation, so die Wissenschaftler, muss man auch als eine Ära massiver ökologischer Ausbeutung bezeichnen. Solche Eingriffe haben freilich bereits zeitgenössische Autoren beschrieben und beklagt.

André Behr in Falter 43/2020 vom 23.10.2020 (S. 44)

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Produktdetails
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ISBN 9783662589281
Ausgabe 2. Aufl. 2020
Erscheinungsdatum 23.07.2020
Umfang 1246 Seiten
Genre Sachbücher/Natur, Technik/Natur, Gesellschaft
Verlag Springer Berlin
Herausgegeben von Robert Hofrichter