Unerhörte Lust
Zur Sexualität behinderter und kranker Menschen

von Rudolf Likar, Erwin Riess

€ 24,80
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Verlag: Müller, Otto
Genre: Medizin/Allgemeines
Umfang: ca. 251 Seiten
Erscheinungsdatum: 28.04.2016

Behinderte und kranke Menschen erleben in vielen Bereichen Einschrän kungen und
Diskriminierungen, so auch in der Sexualität. Dass behinderte Menschen ein Recht auf Sexualität haben, ist zentraler Bestandteil der Independent Living Bewegung, der internationalen Bürgerrechtsbewegung behinderter Menschen. Der skandinavische Raum hat hier die Vorreiterrolle inne, Österreich zählt zu den Nachzüglern.
Selbstbestimmtes Leben sollte sich auch auf die Sexualität erstrecken. Doch
anstatt einer selbstbestimmten, lustbetonten Sexualität herrscht eine Sexualität
der Entmündigung, der Demütigung und des systematischen Missbrauchs vor.
Institutionelle Beschränkungen (oft unter dem Prätext des vermeintlichen Schutzes),
wie rigide Heimstrukturen, Unverständnis und Ablehnung durch das betreuende
Personal und fehlende barrierefreie Räumlichkeiten charakterisieren die Situation. Selbstbestimmte Sexualität kann sich nur im Widerstand zu Aufpassern, Moralaposteln und Geschäftemachern entfalten. Dazu zählt auch, dass beeinträchtigte Menschen den Medienschutt vom „perfekten Körper“ in ihren Köpfen überwinden.
Das Buch versammelt Beiträge von MedizinerInnen, die sich mit verschiedenen
Krankheitsbildern im Kontext der Sexualität beschäftigen und Texte behinderter
Menschen, die mit beeindruckender Offenheit und gedanklicher Tiefe von ihrer unerhörten Lust erzählen.

Rezension aus FALTER 33/2016

Das Private bleibt politisch, besonders was „behinderten“ Sex betrifft. Hier ist Österreich Nachzügler, immer noch am Defekt orientiert. Nach der katholischen Leibfeindlichkeit und dem mörderischen Nazi-Körperkult hindert der neoliberale Sturm auf den Sozialstaat an der Ausübung freier Sexualität. Einen Vibrator vom Pflegegeld kaufen, hallo?! Likar und Riess versammeln Texte von Medizinerinnen, Aktivisten und Menschen mit Behinderung. Die recht heterogenen Texte zeigen konkrete Diskriminierung und geben Tipps für die Praxis.
Im stärksten Beitrag lässt Riess seinen Herrn Groll, Haudegen und Held etlicher Romane, einen Brief an einen jungen Mann schreiben, der seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt. Er möge die Möglichkeit einer „Partisanenexistenz“, einer „rollenden Systembremse“ erkennen: den Kapitalismus durch Onanie zerstören. Sexuell Erschöpfte seien zu müde zum Konsumieren.

Dominika Meindl in FALTER 33/2016 vom 19.08.2016 (S. 26)


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