Über allem und nichts

von Gunther Neumann

€ 22,00
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Verlag: Residenz
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Erzählende Literatur
Umfang: 240 Seiten
Erscheinungsdatum: 18.02.2020


Rezension aus FALTER 29/2020

Von einem Leben in der Warteschleife

Billigflüge, Preisdruck und schlechte Bezahlung: Fliegen ist schon lang nicht mehr das, was es Passagieren wie Crew einst an Freiheit und Luxus suggerierte. Clara hat stets davon geträumt, selbst im Cockpit zu sitzen. Auf den letzten Drücker versucht sie, es wahr zu machen, und beginnt trotz abgeschlossenen Studiums als Flugbegleiterin, um später eine Pilotenausbildung anzuhängen.

Nun führt sie als Co-Pilotin bei einer spanischen Airline mit Ende 30 ein Leben in der Warteschleife. Sie nimmt alle Dienste an, will sich in der Männerwelt im Cockpit beweisen. Doch auch nach Jahren wartet sie noch auf die Zulassung zum Kapitänskurs, während ihr der kümmerliche Rest von Privatleben, den 48-Stunden-Aufenthalte während Flugpausen erlauben, zusehends entgleitet. Sie pendelt zwischen zwei Männern, dem deutschen Anwalt Mathias, der sie ehrlich zu lieben scheint, und ihrem Fluglehrer Gabrio, einem Macho alter Schule. Aufgrund traumatischer Erfahrungen kann Clara echte Nähe nicht zulassen; dazu müsste sie sich zuerst den Geistern der Vergangenheit stellen.

Gunther Neumann erzählt in „Über allem und nichts“ eine sehr zeitgenössische Geschichte über eine Arbeitsnomadin, die immer wieder aufbricht und nie ankommt. Wo die Figur kaum ein Gefühl für die an ihr vorbeiziehenden Landschaften entwickelt, da gelingen dem auktorialen Erzähler umso stärkere Bilder. Stilistisch ist der Text fast schon zu gut, zu überreif für ein Debüt. Kein Wunder: Neumann hat sich seinen Erstlingsroman lange aufgespart. 1958 in Linz geboren, war er in leitenden Funktionen für die OSZE, EU, UNO und NGOs sowie als Auslandskorrespondent tätig, kennt dadurch halb Asien, Afrika und Lateinamerika. Er schrieb Sachbücher über globale Machtstrukturen und betätigte sich als Literaturkritiker.

Aus all diesen Erfahrungen schöpft das Buch. Neumann bündelt sie zu dichter, satter Prosa und findet die richtigen Worte für Claras Rastlosigkeit – eine moderne Krankheit, von der wir letztlich alle befallen sind.

Sebastian Fasthuber in FALTER 29/2020 vom 17.07.2020 (S. 28)


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