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| Themen | Belletristik |
|---|---|
| ISBN | 9783701718290 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 10.08.2026 |
| Größe | 20.5 x 12.5 cm |
| Verlag | Residenz |
| Sammlung | Literatur aus Österreich |
| Lieferzeit | Derzeit nicht lieferbar |
| Herstellerangaben | Anzeigen Residenz Verlag GmbH Mühlstraße 7 | AT-5023 Salzburg info@residenzverlag.at |
Was verbirgt sich unter einer Stadt? In „Fehlende Gespenster“ folgen wir einer raffinierten Erzählerin in das sagenumwobene Wiener Tunnelsystem. Nach der Eröffnung des Zentralfriedhofs 1874 wurde es zur Überführung der Leichen mittels einer pneumatischen „Rohrpost“ entwickelt, der letzte „Passagier“ war angeblich Niki Lauda. Und das ist nur eine der absurden Geschichten, die Merian, eine rätselhafte junge Frau, bei ihren Führungen durch die stillgelegten Tunnel erzählt. Doch wem sollten wir auf einer Reise durch die Unterwelt vertrauen? Mit verdächtiger Erzählfreude und finsteren Absichten nimmt Merian ihre abenteuerlustigen, aber vielleicht ein wenig vorlauten Besucher mit in ein Labyrinth, aus dem nicht alle heil wieder herausfinden werden …
| Themen | Belletristik |
|---|---|
| ISBN | 9783701718290 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 10.08.2026 |
| Größe | 20.5 x 12.5 cm |
| Verlag | Residenz |
| Sammlung | Literatur aus Österreich |
| Lieferzeit | Derzeit nicht lieferbar |
| Herstellerangaben | Anzeigen Residenz Verlag GmbH Mühlstraße 7 | AT-5023 Salzburg info@residenzverlag.at |
Sebastian Fasthuber in FALTER 32/2026 vom 05.08.2026 (S. 29)
Das Licht am Ende des Tunnels ist manchmal nur ein Zug aus der Gegenrichtung. Wer in die Romanwelt von Sarah Wipauer eintritt, lässt am besten gleich am Eingang alle Hoffnung fahren. Etwa jene auf einen nacherzählbaren Plot, glaubwürdige Figuren oder Kohärenz.
Die Autorin breitet stattdessen ein Sammelsurium an absurden Geschichten aus. Von Scheintoten ist die Rede, von Wundertaufen und vom Gömböc, einer Art mathematischem Spielzeug. Und davon, dass Niki Lauda nach seinem Tod als Rohrpost durch unterirdische Tunnel zum Zentralfriedhof gelangt sein soll.
Erstaunliche historische Fakten treffen in dem Buch auf kuriose Erfindungen. Die Lektüre fühlt sich an, als stieße man auf einen unglaubwürdigen Wikipedia-Eintrag, der auf einen weiteren verweist -um sich schließlich in einem Gewirr zu verlieren.
Immerhin gibt es thematisch zwei rote Fäden. Das Buch dreht sich um das Frausein in einer patriarchalen Gesellschaftsordnung und um den Tod in Wien. Handlungsort ist das sagenumwobene Tunnelsystem unter der Stadt.
Die Ich-Erzählerin Merian führt eine Gruppe Abenteuerlustiger durch die Gänge, in denen von der Eröffnung des Zentralfriedhofs 1874 an über 100 Jahre lang Leichen als Totenrohrpost ebendorthin überführt wurden.
Das ist natürlich nicht wirklich passiert. Aber auch nicht so verrückt, wie es sich zunächst anhört. Neben Rohrpostsystemen, wie sie bis heute in Krankenhäusern zur Anwendung kommen, gab es im 19. Jahrhundert in Irland, England und Frankreich tatsächlich pneumatische Eisenbahnen, bei denen die Züge vom atmosphärischen Druck angetrieben wurden. Die zurückgelegten Strecken waren jedoch meist nur wenige Kilometer lang und die Projekte erwiesen sich als kurzlebig.
Auch in Wien existierten in den 1840ern Pläne für Eisenbahnen, die vom Lobkowitzplatz nach Hütteldorf und vom Hauptzollamt in Landstraße zum Südbahnhof führen sollten. 1874 präsentierten dann zwei Ingenieure ihr System einer Totenrohrpost. Nichts davon wurde realisiert.
In der Welt des Romans sind es Frauen, die die pneumatische Eisenbahn am Laufen halten. Sie stellen sicher, dass die Toten in den Särgen korrekt verschickt werden - und überprüfen, ob sie wirklich tot sind.
Nerdliteratur haftet üblicherweise etwas Bubenhaftes an. "Fehlende Gespenster" begründet ein neues Genre: feministische Nerdliteratur. Wipauers Hauptfigur kennt eindeutig die kurioseren, verstiegeneren Geschichten als die durchwegs männlichen Teilnehmer ihrer Tour, die sie trotzdem nicht richtig ernst nehmen.
Je weiter Merian mit ihrer Gruppe im Tunnelsystem Richtung Zentralfriedhof vordringt, umso düsterer wird die Stimmung. Sie entwickelt einen Hass auf die Männer, die sich nicht einmal ihren Namen merken können (meist nennen sie sie "Miriam") und immer mehr Chauvi-Merkmale aufweisen.
Wollen sie ihr etwas antun? Oder will Merian ihnen Böses? Die Tour durch den Untergrund von Wien steuert auf kein Happy End zu. Wipauer beweist ein feines Gespür für Machtverhältnisse. Macht wird nicht zuletzt über Sprache ausgeübt. So wollen die Adventure-Bubis von Merian gleich wissen, ob sie denn keinen Freund habe. Eine Frau, die zu keinem Mann gehört, ist für sie schwer vorstellbar.
Auf der Mikroebene funktioniert der Text sehr gut. Als Ganzes erzeugt der Roman leider nur eine geringe Sogwirkung. Zu sprunghaft agiert die unglaubwürdige Erzählerin.
Und bei allem Hang zum Abseitigen ist die Sprache eine Spur zu brav und beherrscht, um unter den Straßen von Wien ein Inferno nach Dante'schem Vorbild in Fahrt zu bringen. Man würde gerne einen entfesselten Remix dieses Romans lesen.
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