Grand Prix Story 50

Die Höhepunkte aus 50 Jahren
€ 34
Lieferung in 2-5 Werktagen
-
+
Kurzbeschreibung des Verlags:

Die Highlights aus 50 Jahren Grand Prix - Geschichte in der goldenen Jubiläumsausgabe.
Seit 1971 erscheint das bekannteste Jahrbuch der Formel 1. Wie kein anderer berichtet Heinz Prüller aus den Boxen und liefert exklusive Hintergrund-Stories. Mister Formel 1 war bei den bewegendsten Momenten auf der Rennstrecke und in den Fahrerlagern hautnah dabei. Er kennt die persönlichsten Geschichten der Fahrer und wird von den Großen des Rennbusiness hochgeschätzt. Die Grand Prix Story ist für viele die inoffizielle Chronik des Rennzirkus. Im Band 50 erinnert sich Heinz Prüller noch einmal an die aufregende Zeit. Sie lesen die besten Geschichten der letzten Jahrzehnte, für die er sogar sein privates Foto-Archiv öffnet. Seine ganz persönlichen Erinnerungen und die interessantesten statistischen Vergleiche aus 50 Jahren machen das Buch zu einem absoluten Highlight der Formel-1-Geschichte.

weiterlesen
FALTER-Rezension

Formel Heinz

Der Große Preis von Brasilien am 2. November 2008 in Interlagos hat drei Karrieren für immer verändert: Der erst 23-jährige Lewis Hamilton wurde an diesem Tag zum ersten Mal Formel-1-Weltmeister, sechs weitere Titel sollten bis heute folgen. Der brasilianische Ferrari-Fahrer Felipe Massa verlor die WM damals in der letzten Rennrunde, er bekam danach keine Chance mehr auf den Titel.

Vor allem aber war Interlagos 2008 der letzte Grand Prix, den Heinz Prüller für den ORF kommentiert hat.

Als Prüller in Pension geschickt wurde, war er 67 Jahre alt. Demnächst, am 30. April, wird er 80. Der Residenz Verlag schenkt seinem Autor zum runden Geburtstag eine fette Jubiläumsausgabe der legendären Reihe „Grand Prix Story“. Der mehr als 500 Seiten starke Band enthält Höhepunkte aus allen 49 bisherigen Ausgaben.

Ein halbes Jahrhundert lang war die Saison für viele Fans der Formel 1 nicht mit dem letzten Rennen zu Ende – sondern erst dann, wenn die neue „Grand Prix Story“ in der Buchhandlung (oder unterm Christbaum) lag. Darin hat Heinz Prüller noch einmal all die Geschichten aufgeschrieben, die er bereits während des Jahres auf zahlreichen Kanälen verbreitet hatte.

Prüller hat die Rennen nicht nur ab 1966 live im Fernsehen kommentiert, sondern auch im Radio, in der Kronen Zeitung und in Fachzeitschriften wie der österreichischen Auto­revue oder der deutschen Auto Motor und Sport von der Formel 1 berichtet.

Seine Anfänge fallen mit dem Aufstieg Österreichs zu einer Formel-1-Weltmacht zusammen. Bei Zeltweg wurde für Jochen Rindt, diesem international anerkannten King of Cool, sogar eine Rennstrecke in die steirische Hügellandschaft gebaut. Es war eine aufregende neue Welt, die sich dem österreichischen Publikum da auftat – und Heinz Prüller war für uns mittendrin.

Prüller ist rasender Reporter, Adabei und Fan zugleich. Er ist nicht nur bei den Rennen dabei, er steckt auch sonst mit den Rennfahrern zusammen, geht mit ihnen essen, relaxt mit ihnen am Pool. Während des Grand Prix kann er darauf dann zurückgreifen: „Da fällt mir ein, was mir Clay Regazzoni vorgestern beim Frühstück erzählt hat …“

Die frühe Formel-1-Berichterstattung war „embedded journalism“, der moderne Begriff wurde anlässlich des zweiten Irak-Feldzugs der USA geprägt und passt genau deshalb so gut: Auch die Formel 1 war damals Krieg. Regelmäßig gab es Gefallene zu beklagen.

Erstaunlich eigentlich, dass der Orac Verlag – wo die „Grand Prix Story“ in den ersten drei Jahrzehnten erschienen ist – die Reihe ausgerechnet im Jahr nach Jochen Rindts Tod lancierte. Heinz Prüllers erste „Grand Prix Story“ erschien 1971, in Antiquariaten ist dieser besonders gefragte Band heute schwer unter 200 Euro zu bekommen.

Offenbar hatte der tödliche Unfall des Grazer Weltmeisters 1970 in Monza der österreichischen Motorsportbegeisterung keinen Abbruch getan. Außerdem war ja schon Ersatz in Sicht: Auf Seite 129 der „Grand Prix Story 71“ stellt Prüller den „zarten, schmalen“ Niki Lauda vor, der auf dem Österreichring sein erstes Formel-1-Rennen bestreitet.

1975 wurde Lauda erstmals Weltmeister, im Jahr danach drohte erneut ein Heldenbegräbnis. Nach dem Feuerunfall auf dem Nürburgring rang Niki Lauda auf der Intensivstation mit dem Leben. Heinz Prüller behauptet, er hätte damals mit der Formel 1 aufgehört, wenn Lauda gestorben wäre. Das konnte der natürlich nicht zulassen.

Prüllers „Grand Prix Storys“ sind eine unerschöpfliche Schatzkiste nutzlosen Wissens. 1971 weiß er zu berichten, dass der schwedische Rennfahrer Ronnie Peterson 500.000 Schilling im Jahr bekommt, damit er Werbung für Halswehtabletten der Marke „Smog“ macht. Und dann schreibt er, ganz lapidar, diesen Satz hin: „Er half ,Smog‘, den Jahresumsatz zu verdoppeln; obwohl er selbst nie verkühlt ist.“ Das ist eine typische Prüller-Pointe, auch deshalb witzig, weil man nicht ganz sicher sein kann, ob sie nicht doch ernst gemeint ist.

Man sollte ihn also nicht unterschätzen. Verglichen mit seinem Nachfolger beim ORF ist Heinz Prüller sowieso ein Hemingway: Ernst Hausleitner versteht sich als eine Art Grand-Prix-Hutschenschleuderer und kommentiert gnadenlos auf Pointe-komm-raus. Prüller sah sich nicht als Entertainer, lieferte eher anderen die Lacher.

Lange Zeit gehörte die Prüller-Parodie zum Standardrepertoire der Komiker. Halblustige Fans sammelten weitgehend witzlose Stilblüten oder Versprecher aus seinen Grand-Prix-Übertragungen, die sie im Internet und sogar in Buchform (­„Prüllereien aus der Formel Heinz“) veröffentlichten.

Dass Prüller so gern persifliert wurde, lag vor allem an seiner unverkennbaren Stimme, die glockenhell und seidenweich ist – ein schöner Kontrast zu den harten Männern und ihren röhrenden Boliden. Es klang beinahe zärtlich, wie er ihre Namen intonierte.

Es stimmt auch, dass er rennentscheidende Situationen oft erst mit großer Verspätung mitbekam, weil er gerade voll damit beschäftigt war, eine seiner irrwitzig detailreichen Klatschgeschichten zu erzählen. Fahrzeugtechnische oder renntaktische Fragen waren nie seine Stärke. Andererseits wusste er halt, dass die Töchter von Jacques Laffite Camille und Marguerite heißen und dass sie beim Umzug nach England ihre Hunde „Jojo“ und „Gitanes“ ebenso in der Obhut ihres Opas zurücklassen mussten wie den Esel „Batta“, den Laffite bei einer von der Champagnerkellerei Moët et Chandon veranstalteten Rallye gewonnen hatte. Hätte Prüller uns diese Informationen etwa vorenthalten sollen?

Wenn es in Estoril regnete, dann wusste Heinz Prüller, wie er seinen Sehern das anschaulich machen konnte: „Das ist ungefähr so, wie wenn man auf der Autobahn bei schwerem Regen einen Wagen überholt – da gibt’s immer wieder Sekundenbruchteile, in denen man einfach nichts sieht.“

Apropos: Zum Gaudium des Publikums hat Prüller oft Autos verwechselt oder Überholmanöver übersehen. Man muss ihm allerdings zugute halten, dass die Renndaten im Fernsehen früher bei weitem noch nicht so gut aufbereitet waren wie heute – da konnte man schon einmal den Überblick verlieren. „Ich glaube, dass Piquet stehengeblieben ist. Ich hab einen weiß-blauen Farbfleck gesehen.“

Auf Wikipedia steht: „Heinz Prüller gibt an, bereits als 13-jähriger Schüler seine ersten Erfahrungen als Sportjournalist gemacht zu haben. Im Alter von 16 Jahren soll er mit Enzo Ferrari sein erstes Interview geführt haben.“ Prüller machen diese Formulierungen wahnsinnig: Was heißt hier „gibt an“ und „soll geführt haben“? Natürlich hat er!

„Ich wurde 1941 geboren und habe im Winter 1954/55 meine ersten Zeitungsartikel für die damalige Sportwoche geschrieben – regelmäßig jede Woche“, schreibt er im neuen Buch, das auch einen kurzen biografischen Teil enthält. „Ein Frühstart in meinen Beruf ist gar nicht so außergewöhnlich. Günther Jauch hat mit 16 als Reporter angefangen, Frank Sinatra schrieb gleichfalls mit 16 seine ersten Boxberichte, und Enzo Ferrari berichtete mit 16 sogar über das Fußballmatch Inter Mailand gegen seinen geliebten FC Modena.“ Exkurs Ende.

Über den frühen Prüller gibt es eine schöne Anekdote: Seine Mutter schenkte dem sportbegeisterten Heinz zum 14. Geburtstag ein Buch des damals legendären Reporters Heribert Meisel. Um es signieren zu lassen, suchte sie im Telefonbuch die Adresse raus und fuhr hin. „Er war zufällig zuhause“, erzählte Mutter Prüller. „Und er hat gesagt, er kennt dich eh, hat von dir schon was gelesen.“

Nach Engagements bei Bild-Telegraf und Express – von beiden Blättern war Gerd Bacher Chefredakteur – landete Heinz Prüller 1971 bei der Krone, außerdem war er Chefredakteur des Magazins Skiwelt/Tenniswelt und fünf Jahre lang Sportchef im Radio. 1966 ist sein erstes Buch, die Jochen-Rindt-Biografie „Einer von ihnen“, erschienen, rund 70 folgten. 70 Bücher!

Auf Prüllers imposanter Backlist stehen neben 50 Grand Prix Storys und insgesamt drei Rindt-Büchern auch einige Titel, die nichts mit Formel 1 zu tun haben. Er schrieb über die Skistars Annemarie Pröll und Karl Schranz, den Eiskunstläufer Emmerich Danzer, den Fußballtrainer Ernst Happel oder auch seinen Hund Grimaldi („Jetzt rede ich!“).

Lange Zeit war Prüller zweigleisig unterwegs: im Sommer mit dem Grand-Prix-Zirkus, im Winter mit dem Alpinen Skiweltcup. Nicht immer waren die beiden Sportwelten, in denen er daheim war, ganz klar voneinander zu trennen. Als er in den frühen 70er-Jahren einmal auf dem Beifahrersitz von Annemarie Prölls rotem BMW sitzt, während diese mit 220 Sachen durch den Pongau brettert, kommt es zu folgendem Dialog:

Pröll: „Du sitzt oft neben dem Jackie Stewart, wie fährt der?“

Prüller: „Ein bisschen langsamer als du, vor allem auf normalen Straßen.“

Nach dem unfreiwilligen Abgang vom ORF kommentierte Heinz Prüller noch einige Rennen für den Privatsender Sky, und er heiratete 2010 – in zweiter Ehe – die 31 Jahre jüngere Sportmedizinerin Barbara Strasser. Danach hat man kaum noch etwas von ihm gehört und gesehen.

Dass der einst omnipräsente Reporter aus der Öffentlichkeit verschwunden ist, hat vor allem gesundheitliche Gründe. Er redet nicht gern darüber, aber er hatte schon vor längerem einen Schlaganfall, seitdem geht es ihm mal besser und mal schlechter.

Als vor zwei Jahren Niki Lauda starb, hat ihn das schwer getroffen. „Prüllers Welt geriet erst mit Nikis Tod so richtig aus den Fugen“, schreibt Herbert Völker, langjähriger Chefredakteur der Autorevue, über den Weggefährten. „Heinz schien gar nicht mehr richtig auf der Welt zu sein.“ Inzwischen habe er aber wieder an Kraft und Lebensmut gewonnen.

Eine Zeitlang lebte er in einem Innsbrucker Seniorenheim, jetzt ist er wieder in Wien. „Heinz Prüller lebt mit seiner Frau in seiner Wohnung im 19. Bezirk und arbeitet an seiner Fitness“, lässt der Verlag wissen.

Dass Prüller es trotz allem immer wieder geschafft hat, am Ende des Jahres sein Buch auf den Markt zu bringen, ist ein kleines Wunder. Im Jahr 2020 aber ist, erstmals seit 1971, keine „Grand Prix Story“ erschienen.

Der opulente Jubiläumsband, der zum Geburtstag jetzt nachgeliefert wird, hat deshalb auch einen etwas bitteren Beigeschmack: Es ist wohl der letzte einer Serie, die nie zu enden schien.

Wolfgang Kralicek in Falter 17/2021 vom 30.04.2021 (S. 42)

weiterlesen
Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783701735228
Erscheinungsdatum 13.04.2021
Umfang 528 Seiten
Genre Ratgeber/Sport/Autosport, Motorradsport, Radsport, Flugsport
Format Hardcover
Verlag Residenz
Diese Produkte könnten Sie auch interessieren:
Tim Moore, Olaf Bentkämper
€ 17,30
Herman Seidl
€ 20,60
Sven Bremer
€ 16,50
Manfred Wegner, Jonas Jürgensen
€ 49,90
Daniel Dencik, Rebecca Jakobi
€ 15,30
Paul Mair, René Sendlhofer-Schag, Österr. Alpenverein
€ 29,90
László Almásy, Andras Zboray
€ 28,80