Mein langer Atem

Blauer Pudding, Ameisenstraße und Parlamentsdebatten – wie Herausforderungen in meinem Leben zu Chancen wurden
248 Seiten, Hardcover
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Themen Gesellschaft und Sozialwissenschaften
ISBN 9783702243302
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 16.05.2026
Größe 13.5 x 20.5 cm
Verlag Tyrolia
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Verlagsanstalt Tyrolia Gesellschaft m. b. H
Exlgasse 20 | AT-6020 Innsbruck
buchverlag@tyrolia.at
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Kurzbeschreibung des Verlags

Franz-Joseph Huainigg hat ein erfülltes und ereignisreiches Leben: als Nationalratsabgeordneter, Journalist, Autor, Kabarettist, Inklusionsbeauftragter, Ehemann und Vater. Seit einer Impfung im Kleinkindalter ist er gehbehindert, im Laufe seines Lebens verlor er weitere Körperfunktionen. Doch davon ließ er sich nie aufhalten. Die vergangenen Jahrzehnten lebt er mit Beatmung und Assistenz. In seinem Buch teilt er Episoden aus seinem Leben in Beruf und Familie, erzählt von Notfällen, Hindernissen und abenteuerlichen Reisen – immer mit Humor und positiver Kraft. Seine Erlebnisse und Gedanken werfen grundlegende ethische Fragen auf: nach Selbstbestimmung, gesellschaftlichen Vorurteilen, dem Umgang mit Sterbehilfe.

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FALTER-Rezension

Ein nachdenkliches Mutmachbuch eines Stehaufmenschen im Rollstuhl

Nina Horaczek in FALTER 23/2026 vom 03.06.2026 (S. 18)

Journalist, Aktivist, Kabarettist, Schriftsteller, Politiker, Dichter, Vielfach-Überlebender. Franz-Joseph Huainigg war und ist vieles und dabei vor allem eines: Optimist. Nun hat der frühere ÖVP-Politiker und Behindertensprecher im Nationalrat seine Lebensgeschichte aufgeschrieben.
Es ist ein ausgesprochen fröhliches Buch. Dabei spart Huainiggs Lebensgeschichte nicht mit Dramatik. Im Jahr 1966 in Kärnten als gesundes Baby zur Welt gekommen, bekommt er mit sieben Monaten nach einer Impfung Fieber, hört auf zu strampeln. Die Beine versagen, die Wirbelsäule verkrümmt, jahrelang kommt er nur krabbelnd voran. Als er neun Jahre alt ist, wird er an den Beinen operiert, kann mit Beinschienen und Krücken erstmals aufrecht gehen. Als Student ist er noch auf Krücken unterwegs, später sitzt er im Rollstuhl. Als Parlamentsabgeordneter kann er nicht mehr schreiben, weil die Hände versagen. Ab 2026 benötigt er künstliche Beatmung.

Seine Freude am Leben ist größer als die Trauer über diese Verluste. Schon Huainiggs Mutter kämpft dafür, dass ihr Bub in eine "normale" Schule gehen darf, und legt den Grundstein für ein möglichst selbstbestimmtes Leben -damals noch unüblich: Für Menschen mit Behinderung blieb oft nur das Pflegeheim. Die gesamte Volksschulzeit trägt sie ihr Kind jeden Schultag in seine Klasse. Barrierefreiheit war in den 1970er-Jahren in Österreich kein Thema. Huainigg will Journalist werden, studiert Medienkommunikation, lässt sich nicht entmutigen, als es beim Arbeitsamt heißt, er solle nach dem Studium in Pension gehen. Für Behinderte gäbe es keine Jobs.

Der Kämpfer auf Krücken und später im Rollstuhl macht beharrlich - und das zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch -weiter, gestaltet seine ersten Radiosendungen, schreibt ein Kinderbuch, schafft es durch Mut und Hartnäckigkeit, im Medienservice des Bildungsministeriums eine Anstellung zu bekommen. Er lernt seine Lebensliebe Judit kennen, adoptiert mit ihr zwei Kinder, wird Familienvater. Und ein Politiker, der sich wie kaum ein anderer für Inklusion und Gleichberechtigung von Menschen mit Beeinträchtigung engagiert. So gehen unter anderem das Behindertengleichstellungsgesetz und die ersten blinden Richter am Verwaltungsgericht auf Huainiggs Initiative zurück. Wie überhaupt während seiner Parlamentsjahre von 2002 bis 2017 die Rechte von Menschen mit Behinderung im politischen Diskurs einen höheren Stellenwert hatten.

In seinen Erinnerungen lässt Huainigg die Leserinnen und Leser auch an Krisen teilhaben, erzählt, wie er als Bub, der in den Sommerferien zur Beinoperation und Reha Wochen im Heim verbrachte, aus Einsamkeit Schnecken als "Freunde" im Nachtkästchen versteckte, wie er sich als junger Mensch mit Behinderung nach Liebe sehnte und unter Einsamkeit litt. Besonders nachdenklich machen jene Passagen, in denen sich Huainigg mit dem assistierten Suizid und der Frage, was ein lebenswertes Leben ausmacht, auseinandersetzt. Sein Leben am Beatmungsschlauch sei ein schönes Leben, schreibt Huainigg: "Nur eines will ich nicht: Mich dafür rechtfertigen müssen, warum ich durch meine Pflege Kosten verursache und anderen zur Last falle."

Was bei all den Geschichten zu kurz kommt, ist die aktuelle politische Situation. Ja, es hat in den vergangenen Jahrzehnten Fortschritte bei Inklusion gegeben. Aber derzeit geht es in die andere Richtung, es werden wieder Sonderschulen für Kinder mit Behinderungen gebaut anstatt endlich Inklusion in allen Bereichen zu leben. Gerade deshalb zeigt dieses Buch, wie sehr der Politik Persönlichkeiten wie Huainigg fehlen.

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