Eugenik in Österreich

Biopolitische Strukturen von 1900 bis 1945
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Kurzbeschreibung des Verlags:

Eugenik wollte die Ausbreitung von „schlechtem Erbgut“ in menschlichen Populationen möglichst einschränken, andererseits „erwünschtes Erbgut“ erhalten oder vermehren.
Die Erkenntnis, dass die damit verbundene Vorstellung eines „erbgesunden“ Volkskörpers zur ideologischen Basis des Nationalsozialismus gehörte, hat heute den Status eines Allgemeinplatzes erlangt. Weniger selbstverständlich ist die wachsende historische Einsicht, dass eugenische Ziele den Diskurs des öffentlichen Gesundheitswesens in vielen post-habsburgischen Nationen und auf der Basis eines breiteren politischen Spektrums auch in Österreich vor 1938 mitbestimmten. Der ökonomischen Begründung einer sicheren Abwehr von zukünftigen Gefahren für das Gemeinwohl lief eine Orientierung auf ein biologisch-medizinisch definiertes „Volksganzes“ parallel. Dieser Sachverhalt gewinnt im Kontext dieses Sammelbandes eindrucksvoll an Kontur. Dieses Buch ist ein grundlegender Versuch, die mentale und materiale Grundstruktur der Eugenik in Österreich nachzuzeichnen.

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FALTER-Rezension

Einige grundlegende Fragen beantwortet schon das Vorwort der drei Herausgeber: Es hat in Österreich eine Eugenikbewegung gegeben, die nicht nur eine Kopie der nazideutschen Entwicklungen war. Was heißt eine? Es gab mehrere eigenständige Richtungen mit einer markant politisch geprägten Aufspaltung. Die Eugenik wurde von Francis Galton definiert und kam im Gefolge von Darwins "Survival of the Fittest" in Mode. Sie kannte ursprünglich "fördernde" und "verhindernde" Ansätze und ist deshalb nicht dasselbe wie NS-Rassenhygiene.
In der Artikelsammlung renommierter Fachleute wird ein Überblick über die Grundlagen der österreichischen posthabsburgischen Eugenikbewegung gegeben, die bis 1938 jedenfalls keine medizinische Mehrheitsmeinung war – leider auf Kosten der Allgemeinverständlichkeit. Ohne Fremdwörterbuch, den "Pschyrembel", eine Brockhaus-Gesamtausgabe oder wahlweise Wikipedia ist das Werk für nicht fachkundige Leser kaum zu schaffen. Ein Glossar und ein Stichwortverzeichnis fehlen.
Trotzdem finden sich viele spannende Fakten und Analysen, etwa über den sozialistischen Sozialreformer Julius Tandler, über den Begriff der Konstitution nach Julius Bauer, der 1938 selbst emigrieren musste, oder über die katholische Eugenikbewegung, die Menschen zu allen Zeiten ihre Moralvorstellungen von Ehe, Sexualität und Fortpflanzung vorschreiben wollte.

Astrid Kuffner in Falter 12/2008 vom 21.03.2008 (S. 58)

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Produktdetails
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ISBN 9783707602159
Ausgabe 1., Aufl.
Erscheinungsdatum 01.11.2006
Umfang 464 Seiten
Genre Sachbücher/Geschichte/20. Jahrhundert (bis 1945)
Format Taschenbuch
Verlag Czernin
Vorwort Michael Hubenstorf
Herausgegeben von Gerhard Baader, Veronika Hofer, Thomas Mayer
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