Das Museum im kolonialen Kontext

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Kurzbeschreibung des Verlags:

Wie soll mit Kunst- und Kulturgegenständen, die aus ehemaligen europäischen Kolonien stammen, verfahren werden? Die Debatte um eine mögliche Restitution der Kolonialgüter, die sich heute in Museen in ganz Europa befinden, hat in den letzten Jahren stark an Intensität und Sichtbarkeit gewonnen.
Die Aufarbeitung und Erforschung der kolonialen Vergangenheit der europäischen Museen rückte erst in jüngster Zeit in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Ausgehend von einer Konferenz des österreichischen Kulturministeriums in Kooperation mit ICOM Österreich vereint der vorliegende Sammelband den aktuellen Forschungsstand zu (potenziell) kolonialen Provenienzen an österreichischen Bundesmuseen. Doch das Buch wirft auch einen Blick darüber hinaus, auf internationale Stimmen, Beispiele und Vorbilder aus anderen Ländern zu einem möglichen Umgang mit diesem Thema.

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FALTER-Rezension

Weißer Mann, was nun?

Das Weltmuseum Wien hat einen neuen Direktor. Wird es dem Juristen und Kunsthistoriker Jonathan Fine gelingen, die Völkerkunde von ihrem kolonialistischen Schatten zu befreien?

Seit Juli leitet Jonathan Fine das ehemalige Museum für Völkerkunde, das zum Kunsthistorischen Museum (KHM) gehört. Die Sammlungen gehen auf die Zeit des Kolonialismus zurück, als die Völkerkunde ein Fenster in die Frühzeit der Menschheit darstellte.

Kritiker werfen ethnografischen Museen vor, Schätze zu horten, an denen Blut klebt. Rassismus und Kolonialismus sind die aktuellen Themen der Museumswelt und stellen die Existenz ethnografischer Museen überhaupt in Frage. Ist Fine die richtige Person, um zwischen Aktivisten und Forschern zu vermitteln? Sein Werdegang lässt auf eine Persönlichkeit schließen, die gern Umwege macht.

Als Fine in den 70er-Jahren in Manhattan aufwuchs, brannten die Mülltonnen und im Central Park wohnten die Dealer. Nach dem Internat nahm er sich die Worte seiner Mutter zu Herzen: "Mach das, was dich begeistert!" Geld war es nicht, und so ging Fine nach Chicago, wo damals nicht nur die führenden Ökonomen des Neoliberalismus lehrten, sondern auch Geisteswissenschaftler mit einer linken Agenda.

An der University of Chicago lernte er David Graeber kennen, den später berühmten Kapitalismuskritiker und Autor des Bestsellers "Schulden". Graeber schrieb für die von Fine herausgegebene Campuszeitung über Aufstände in Madagaskar. Fine selbst wählte europäische Geschichte als Schwerpunkt, denn die Vergangenheit der USA erschien ihm zu langweilig. In den Schriften des deutschen Kulturwissenschaftlers Klaus Theweleit stieß er auf das Thema Kolonialismus. "Von Theweleits Buch 'Männerfantasien' habe ich gelernt, wie koloniale Gewaltkontexte die Kultur der Weimarer Republik beeinflusst haben."

Wir treffen uns in Fines Büro im Dachgeschoß des Weltmuseums. Er trägt einen Anzug, das perfekte Deutsch geht auf ein Austauschjahr während der Schulzeit zurück. Blitzgescheit, belesen, feine Umgangsformen, so der erste Eindruck. Rhetorisch beherrscht Fine alle Mittel. Wenn ihm eine Frage unangenehm ist, wechselt er ins Unverbindliche. Man solle die Person nicht mit der Hautfarbe gleichsetzen, antwortet er auf die Frage, ob er, der weiße Amerikaner, denn die richtige Person sei für außereuropäische Kulturen. "Ich werde versuchen, die Diversität zu erhöhen."

Von Chicago zog Fine zum Studium weiter nach Cambridge, wo er sich in feministische Literaturtheorie und Postkolonialismus vertiefte. Er analysierte Romane aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, um die sich verändernden Geschlechterrollen festzumachen. Mit 26 Jahren hatte er das Gefühl, dass er sich in der Theorie zwar auskennt, aber wenig Einfluss auf die Praxis hat. Von der Kontemplation wollte Fine zur Aktion übergehen. Als Anwalt kann man das. "Recht soll immer auch etwas mit Gerechtigkeit zu tun haben", heißt Fines Grundsatz. Nach drei Jahren Jus in Yale vertrat er Menschen vor Gericht.

Als KHM-Generaldirektorin Sabine Haag ihn als neuen Weltmuseum-Chef präsentierte, fragten sich einige, warum macht Fine das? Seit Jahrzehnten erlebt die Institution einen Bedeutungsverlust. Zuerst musste das Museum die Eingliederung in das Kunsthistorische Museum hinnehmen. Die Fördermillionen des kleinen Partners dienen dazu, die Finanzen des Konzerns auszugleichen. Ex-Chef Christian Feest trieb die Fusion mit dem Volkskundemuseum voran und ging, als die Neuausrichtung nicht gelang. Die besten Köpfe sprangen ab und das Direktorium verlor immer mehr Kompetenzen an die Zentrale.

Die für 2013 geplante Sammlungspräsentation verzögerte sich, sodass eine mehrjährige Schließung daraus wurde. Als das Museum am Heldenplatz im Jahr 2017 doch wieder öffnete, gab es einiges Lob. Endlich bekannte sich die Institution zu ihren Verfehlungen, wies geraubte Gegenstände als solche aus und ließ die Betroffenen zu Wort kommen.

Doch auch der 16,7 Millionen Euro teure Relaunch ist kein Grund zur Freude. Teile des Publikums sind von der textlastigen Präsentation überfordert. Im Labyrinth der Neuen Burg stolpert man von amerikanischen Federkronen und vietnamesischen Kesselgongs in weitere Abteilungen des KHM, etwa die Hofjagd-und Rüstkammer. Der architektonische Rahmen, ein furchteinflößendes Prunkpalais der Habsburger, widerstrebt dem antihierarchischen Eindruck, den das Weltmuseum vermitteln möchte. Nach der Eröffnungseuphorie schaltete das Haus wieder in den Standby-Modus.

Was führte Fine von seinem bisherigen Arbeitsplatz, dem Ethnologischen Museum in Berlin, nach Wien? Dort befand er sich im Auge des Orkans. Die ethnologischen Sammlungen stehen derzeit im Zentrum einer Debatte. Die wichtigsten Stücke sollen nämlich in das Humboldt Forum übersiedeln, das im September eröffnen wird. Zu den Schätzen gehörte etwa seit 1903 das sogenannte Luf-Boot.

Es stammt von einer Südseeinsel in Papa-Neuguinea, die einst zur deutschen Kolonie Deutsch-Neuguinea gehörte. 20 Jahre vor dem Erwerb hatten deutsche Truppen eine Strafexpedition unternommen, Häuser niedergebrannt, alle Boote zerstört und die meisten Inselbewohner ermordet. Der deutsche Historiker Götz Aly veröffentlichte darüber die Studie "Das Prachtboot". Aly rekonstruiert den gewaltsamen Kontext, in dem die Erwerbung stattfand, und kommt zu dem Schluss: Das Prachtboot muss zurückgegeben werden.

Scharfe Kritik kommt auch von der Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy, deren Schriften in Frankreich und Deutschland viel Aufsehen erregten. Gemeinsam mit dem senegalesischen Ökonomen Felwine Sarr hatte Savoy für den französischen Präsidenten Emmanuel Macron 2018 einen Bericht verfasst, der die Rückgabe von Kulturgütern nach Afrika empfahl. 85 bis 90 Prozent des afrikanischen Kulturerbes würden sich in Europa befinden, eine erschreckende Bilanz, die der Plünderung eines Kontinents gleichkommt. Savoy saß auch im Beirat des Humboldt-Forums, ehe sie das Gremium 2017 aus Protest verließ.

Savoys Polemik richtete sich nicht nur gegen das Ausstellungskonzept, sondern gegen den architektonischen Rahmen insgesamt. Das Humboldt-Forum ist im Berliner Stadtschloss untergebracht, dem Sitz der deutschen Kaiser und somit ehemaligen Zentrum jenes Reiches, das auch am Wettlauf um die Eroberung Afrikas und Asiens beteiligt war. Im Zweiten Weltkrieg beschädigt, ließen die DDR-Machthaber die Ruine sprengen.

Nach der Vereinigung der beiden Staaten 1989 wollte Deutschland eine der großen architektonischen Wunden der Hauptstadt schließen und entschloss sich 2002 zu dem 677 Millionen teuren Wiederaufbau des Berliner Schlosses. Der Name Humboldt Forum bezieht sich auf den Naturforscher Alexander von Humboldt (1769-1859) und soll aufgeklärte Toleranz signalisieren. Ein falsches Signal. Denn für einige symbolisiert die Residenz, auf deren Bleikuppel ein riesiges Kreuz prangt, die imperialistische Vergangenheit. "Das Humboldt Forum ist unter einer Bleidecke begraben, wie Atommüll, damit bloß keine Strahlung nach außen dringt", schrieb Savoy.

Fine werkte seit 2014 im Hintergrund. Er leitete die Provenienzforschung und lud eine Gruppe namibischer Forscher und Künstler ein, um gemeinsam Objekte der Kolonialzeit zu untersuchen. Welche rituelle Funktion hatten die Masken und Puppen, wie kamen sie in den Besitz der Kolonialherren? "Was machen diese Dinge überhaupt hier?", fragte die Modedesignerin Cynthia Schimming. Nehoa Kautondokwa, Museumsexpertin in Nambia, argumentierte maßvoll: "Man kann an diesen Objekten verschiedene Stufen der Gewalt ablesen. Sie erzählen nicht nur in Namibia ihre Geschichte, sondern auch in Deutschland." Nach fünf Monaten Aufenthalt reisten die Gäste mit 23 Stücken aus dem Ethnologischen Museum wieder ab.

2017 kuratierte Fine im Bode Museum, dem Ort für europäische Skulptur, die Schau "Unvergleichlich". Das vermeintlich rückständige Afrika traf auf die Spitzen des Abendlandes. Magische Figuren aus dem Kongo standen einer bayrischen Schutzmantelmadonna gegenüber. Warum also bewarb sich Fine, die Schlüsselfigur, für das verschlafene Wien?

Schon einmal machte Fine nicht das, was man von ihm erwartete. Im Jahr 2000 kam er von einem Studienaufenthalt in München zurück in die USA, um in Montgomery, Alabama, am Bundesgericht zu arbeiten. Der angehende Jurist war einem von zwei schwarzen Richtern im ganzen Bundesland zugeteilt. Täglich hörte er Geschichten über Polizeigewalt und die brutalen Zustände in den Gefängnissen, in denen vor allem Afroamerikaner oft wegen kleiner Delikte saßen. "Die Historie traf mich wie ein Faustschlag", erinnert sich Fine. Nun begriff er, dass ein zentrales Problem der Gegenwart nicht nur in Europa, sondern auch in seiner Heimat verwurzelt ist, Rassismus.

In München hatte Fine die Bereitschaft kennengelernt, sich den Verbrechen der jüngeren Vergangenheit zu stellen. Nazibauten wie das Haus der Kunst oder das KZ Dachau stellen Mahnmale und Zeugnisse zugleich dar: "Hier wurde nichts vertuscht." In Alabama hingegen, dem Zentrum der Bürgerrechtsbewegung, erinnerte vor 20 Jahren nichts an Ku-Klux-Klan und Lynchmorde sowie an den Aufstand der Zivilgesellschaft. Die Freedom Riders etwa setzten sich 1961 in Überlandbusse, um das Recht schwarzer Bürger durchzusetzen, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Sie wurden verhaftet oder vor den Augen der Polizei vom Mob zusammengeschlagen.

Kurz bevor Fine nach Montgomery kam, sollte die Busstation abgerissen werden, die sich gegenüber des Gerichtsgebäudes befindet. Es war ausgerechnet jener Ort, an dem die Freedom Riders im Mai 1961 mit Baseballschlägern niedergeknüppelt wurden. Eine Gruppe von Juristen setzte sich dafür ein, dass die Station der Greyhound Lines unter Denkmalschutz gestellt wurde. Heute befindet sich hier das Freedom Riders Museum, gestaltet übrigens vom Büro Ralph Appelbaum, das Jahre später mit der Ausstellungsarchitektur des Weltmuseums Wien beauftragt war.

Als Fine nach dem Gerichtsjahr in eine Anwaltskanzlei wechselte, hatte er wieder das Gefühl, es sei nicht das Richtige. Er führt es auf 9/11 zurück, dass er nicht Anwalt blieb, sondern Experte für afrikanische Kunst wurde. US-Präsident George W. Bush rief nach dem Attentat 2001 den Krieg gegen den Terror aus. Für Fine kam das einem Angriff auf den Rechtsstaat gleich. "Es brauchte damals aber eine breitere Diskussion über das Wesen unserer Demokratie, keine juristischen Einzelfälle. Die Universität schien mir der richtige Ort dafür."

2010 kehrte er auf die Universität zurück. Er begann über afrikanische Kunstgeschichte - Schwerpunkt Westkamerun -zu forschen. "Die afrikanische Kunst ist eine Projektionsfläche für vieles, für den Primitivismus der modernen Kunst, aber auch für den Wunsch schwarzer Amerikaner, ihre Wurzeln kennenzulernen." Als Fine dann vom Seminar ins Museum wechselte, wusste er, es gibt viel zu tun.

Die große Zeit der ethnografischen Museen ist vorbei. Im späten 19. Jahrhundert gegründet, widmeten sie sich der Dokumentation jener Welt, die im darwinistischen Denken der Zeit eine primitive Stufe der Menschheit darstellte. Forscher wie Felix von Luschan (1854-1924) oder Franz Boas (1858-1942) fuhren nach Grönland oder Afrika, um die letzten Exemplare indigener Völker zu vermessen.

Einige brachten sie sogar mit nach Berlin (siehe auch Seite 27). Das Interesse an den Fremden bedeutete nicht, dass sie wie gleichwertige Menschen behandelt wurden. Nach ihrem Tod wurden die Skelette der Gäste archiviert. Dieses von einem weißen Überlegenheitsdenken geprägte Weltbild befeuert heute die Wut der Kritiker. Wie geht Fine damit um?

Die Benin-Plastiken sind das Menetekel, denn sie gelten als Beispiel für koloniales Unrecht. Im Jahr 1897 überfielen britische Truppen das Königreich Benin, das heute im nigerianischen Bundesstaat Edo liegt. Eine Strafexpedition sollte die Ermordung einiger Briten rächen. Die Soldaten brannten den Königssitz nieder und raubten tausende Skulpturen, die seit Jahrhunderten von Handwerksgilden angefertigt worden waren und teilweise auf das 16. Jahrhundert zurückgehen.

Die Herrscherköpfe, Reliefs und Schmuckstücke gelangten nach Europa. Auch die Wiener Ethnologen, die damals noch für das Naturhistorische Museum arbeiteten, schlugen zu. So kamen einige der schönsten Skulpturen nach Wien, das meiste ging zu Felix von Luschan nach Berlin. Die Benin-Skulpturen sind ein eindeutiger Fall von Beutekunst. "Rückgaben wären hilfreich und sinnvoll", erklärt Fine.

Der öffentliche Druck steigt. Die französische Nationalversammlung beschloss 2020 ein Gesetz, das einzelne Rückgaben erlaubt. Wie in Österreich gehören die Kunstwerke der Bundesmuseen dem Staat, sodass nicht Direktoren, sondern die Regierung entscheidet. Als ersten Schritt will Paris in einem anderen Fall 26 Statuen übergeben. In Deutschland einigten sich Museumsleute und Politiker darauf, dass die Benin-Bronzen ab 2022 zurück sollen.

In Berlin agierte Fine nicht in der ersten Reihe. Über ihm standen Vizedirektor, Direktor und Generaldirektor. "Das Humboldt-Forum wird sich noch mehrere Jahre vor allem mit sich selbst beschäftigen", begründet Fine seine Bewerbung. In Wien ist die Dauerausstellung fertig, und er kann sich auf eigene Projekte konzentrieren, etwa auf eine Schau über nichtwestliche Utopien. Er gilt als geschickter Verhandler, der etwa das Geld für die Digitalisierung des Berliner Archivs aufstellte, eine wichtige Grundlage der Provenienzforschung.

Das Weltmuseum bedeutet einen Karrieresprung. Fine ist nicht mehr Sammlungsleiter, sondern Direktor. Andererseits trifft er auf eine wenig informierte Öffentlichkeit. Noch immer ist das Argument zu hören, Österreich sei doch gar keine Kolonialmacht gewesen. Wozu also über Verbrechen reden? Eine vom Kulturressort der Bundesregierung 2019 organisierte Tagung (deren Beiträge nun in Buchform vorliegen) stellt klar: "Die Erwerbungen der Bundesmuseen sind in koloniales Handeln verstrickt." Die Sammlungen stammen überwiegend aus besetzten Gebieten und beruhen auf demselben kolonialistischen Weltbild wie die Museen in Brüssel, Berlin oder Frankreich. Alles zurück? Fine zögert.

In Berlin gehört ein perlenbesetzter Thron aus dem Königreich Bamum im heutigen Nordwest-Kamerun zu den Prunkstücken des Museums. Bamum kollaborierte mit den deutschen Kolonialherren und König Njoya schenkte den Thron, ein Heiligtum des Landes, 1908 dem deutschen Kaiser Wilhelm II. Der Begriff Beutekunst - also die widerrechtliche Aneignung im Krieg -trifft die Sache nicht.

Doch ohne die Fremdherrschaft hätte es das Geschenk nicht gegeben. Ohne die Gewalt der Europäer hätte Njoya nicht versucht, die Besatzer gnädig zu stimmen. Fine nennt eine von niederländischen Museen formulierte Definition: "Ohne Zustimmung des Eigentümers angeeignete Objekte." War der Thron ein Geschenk oder nicht vielmehr ein Tribut?

Fine fragte bei dem Enkel des Königs nach, dem heutigen Sultan von Bamum. Der Sultan ließ über den Kulturbeauftragten ausrichten, dass die Bamum das Verhalten der Deutschen nicht gut fänden, es fehle an Wertschätzung. Aber niemals würde der Sultan eine Gabe seines Großvaters zurückfordern.

Das würde den Willen seines Ahnen anzweifeln und so dessen Ehre verletzen. In den Augen Fines steht der Thron für ein Manko in der Rückgabediskussion: "Wir berücksichtigen viel zu wenig, was die Leute in Afrika eigentlich wollen." So bekunden die Museen zwar ihre Bereitschaft, die Benin-Bronzen zurückzugeben. Aber bisher gab es keine einzige Anfrage der nigerianischen Behörden.

Auch im Fall des Luf-Boots rät der Museumsmanager zur Zurückhaltung. Anders als etwa beim Raubzug der Nazis fehlen bei den kolonialen Erwerbungen oft Schriftstücke und Aussagen. An wen sollte das Werk zurückgegeben werden, da es doch keine Erben gibt? Fine lehnt das Schwarzweiß ab und spricht von Grauzonen.

Die Forderung nach Rückgabe ist einfach. Für eine auf Fakten und Dialog beruhende Bewältigung der Vergangenheit braucht es mehr. Fine hat bewiesen, dass er ein Gespür für das hat, was er, in der für ihn typischen Zurückhaltung, "die symbolisch angebrachte Ebene" nennt. Zu vornehm sollte er nicht agieren. Das Thema Kolonialismus braucht einen engagierten Staatsanwalt.

Matthias Dusini in Falter 34/2021 vom 27.08.2021 (S. 25)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783707607352
Erscheinungsdatum 16.08.2021
Umfang 464 Seiten
Genre Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Gesellschaft
Format Hardcover
Verlag Czernin
Herausgegeben von Pia Schölnberger
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