Emil

Auf dem Weg durch das kurze 20. Jahrhundert
240 Seiten, Hardcover
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Themen Biographie, Literatur und Literaturwissenschaft Biografien und Sachliteratur Allgemein
ISBN 9783707609219
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 06.10.2026
Größe 19 x 12.5 cm
Verlag Czernin
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HerstellerangabenAnzeigen
Czernin Verlags GmbH
Kupkagasse 4/3 | AT-1080 Wien
office@czernin-verlag.com
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Kurzbeschreibung des Verlags

Als junger Mann schließt sich Emil Huk (1911–1989) den Kommunisten an und widmet sein Leben dem Kampf gegen Austrofaschismus und Nationalsozialismus. Er überlebt Verhaftung, Internierungslager, das Exil in Frankreich und die papierlose Existenz in der Schweiz. Nach seiner Rückkehr bleibt er der Gedankenwelt Lenins verbunden, bis er sich nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 von der Idee der Diktatur des Proletariats lossagt … Mit seinem Buch wendet sich Ernst Strouhal erneut seiner außergewöhnlichen Familiengeschichte zu. Entstanden ist dabei nicht nur das Porträt eines bemerkenswerten Vaters, sondern auch eine eindringliche Erzählung über das »kurze 20. Jahrhundert« und den beschwerlichen Weg zur Demokratie.

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FALTER-Rezension

Wien, Moskau, Paris und retour

André Behr in FALTER 41/2026 vom 07.10.2026 (S. 41)

Der Wiener Autor und Kulturwissenschaftler Ernst Strouhal war immer schon sehr interdisziplinär und originell unterwegs. Er war Professor an der Universität für angewandte Kunst, konzipierte eine Ausstellung über den „Schachtürken“, einen scheinbar Schach spielenden Automaten aus dem 18. Jahrhundert, war Co-Autor von Schachbüchern und wurde für sein essayistisches Werk mehrfach ausgezeichnet.

Zuletzt war auch seine Familie Thema seiner Bücher. In „Vier Schwestern. Fernes Wien, fremde Welt“ schilderte Strouhal die Geschichte seiner jüdischen Familie mütterlicherseits. Die Schwestern Gerda, Friedl, Ilse und Susanne waren die Töchter seines Großvaters Ernst Benedikt und damit Enkelinnen des Herausgebers der Neuen Freien Presse, Moriz Benedikt. Künstlerinnen und Schriftsteller wie Elias Canetti waren regelmäßig Gäste des Hauses, bis der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs die gesamte Familie in die Emigration zwang, auch Strouhals Mutter Ilse Benedikt.

In seinem jüngsten Werk nun beschreibt er den Lebensweg seines Vaters Emil Huk (1911–1989), Widerstandskämpfer, Antifaschist und Kommunist, durch „das kurze 20. Jahrhundert“. So nannte Eric Hobsbawm die Zeit zwischen 1914 und 1991: „Kurz“ deswegen, weil die Jahre vor 1914, dem Beginn des Ersten Weltkriegs, noch stark dem 19. Jahrhundert ähnelten und der Zerfall der Sowjetunion 1991 das Ende einer weltpolitischen Epoche bedeutete.

Als Kind tschechischer Einwanderer in der Brigittenau aufgewachsen, hatte sich Emil Huk früh für die Ideen der Kommunistischen Partei Österreichs begeistert und wurde im Anhaltelager Wöllersdorf interniert. 1938 emigrierte er nach Paris und kämpfte im Zweiten Weltkrieg in der Britischen Armee und später im Untergrund gegen das Naziregime. 1942 rettete er sich nach abenteuerlicher Flucht über den Genfer See in die Schweiz. Nach seiner Rückkehr nach Österreich blieb er noch lange, bis zur Niederschlagung des Prager Frühlings 1968, der Gedankenwelt Lenins verbunden; danach plädierte er für einen demokratischen Sozialismus.

Strouhal entwickelt die Biografie einerseits entlang eines langen Interviews, das Emil dem Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands im Jahr 1983 gab, und andererseits entlang der Lektüren seines Vaters: von Karl May bis Thomas Bernhard, von Lenin und Marx bis Ernst Fischer und Alexander Solschenizyn.

Strouhal erzählt etwa von Emils ersten Schuljahren im Nachhall des Ersten Weltkriegs und von dessen politischem Kampf vor und nach dem Verbot der Sozialdemokratischen und Kommunistischen Partei im Austrofaschismus. Ein wichtiges Kapitel schildert seinen Aufenthalt in Moskau von 1935 bis 1937. Dort besuchte er die Internationale Lenin-Schule, eine stalinistische Kaderschmiede, in der die Teilnehmer auf den sowjetischen Weg eingeschworen wurden. Wie viel, fragt Strouhal, wussten diese von den Schauprozessen, wie viel an stalinistischem Terror duldeten sie?

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Emil Personalchef der USIA-Betriebe in der sowjetischen Besatzungszone. Er heiratete die Ärztin Ilse Benedikt und zog mit ihr in den Wiener Goethehof.

Die Biografie stellt mehrere zeithistorisch relevante Fragen: Wie gelang es dem Arbeiterkind aus bescheidenen Verhältnissen, sich enorme Bildung zu verschaffen? Wodurch geriet Emil über Jahrzehnte in die Falle des Stalinismus und wie befreite er sich (spät) daraus? Und schließlich: Sind Antifaschisten automatisch auch gute Demokraten?

Strouhal schildert das Leben seines Vaters in nüchterner und dennoch berührender Sprache und gibt preis, was man von ihm lernen konnte – und was nicht. Der Klappentext betont zu Recht die Eindringlichkeit des Buchs als „Erzählung über das kurze 20. Jahrhundert und den beschwerlichen Weg zur Demokratie“. Empfehlung!

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