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| Reihe | Launen der Natur |
|---|---|
| Themen | Geowissenschaften, Geographie, Umwelt, Planung Geowissenschaften Hydrologie und die Hydrosphäre Ozeanographie (Meereskunde), Meere und Ozeane |
| ISBN | 9783707609257 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 25.09.2026 |
| Größe | 19 x 12 cm |
| Verlag | Czernin |
| Übersetzung | Waltrud Kappeler, Ernst Kappeler |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Czernin Verlags GmbH Kupkagasse 4/3 | AT-1080 Wien office@czernin-verlag.com |
Kaum eine andere Autorin vermag so eindringlich das Leben im Ozean zu schildern wie die Ökologie-Aktivistin Rachel L. Carson. Aus der Perspektive von Silverbar, dem Watvogel, der Makrele Scomber oder dem Aal Anguilla unternehmen wir mit der Autorin eine Reise entlang der Küsten und tauchen in eine zumeist verborgene Lebenswelt und ihre Gefährdungen durch den Menschen ein. Erstmals 1941 veröffentlicht, blieb Unter dem Meerwind stets das Lieblingsbuch der Autorin – ein Werk von enormer Sachkenntnis und voller literarischer Kraft, das nun endlich wieder auf Deutsch erhältlich ist.
| Reihe | Launen der Natur |
|---|---|
| Themen | Geowissenschaften, Geographie, Umwelt, Planung Geowissenschaften Hydrologie und die Hydrosphäre Ozeanographie (Meereskunde), Meere und Ozeane |
| ISBN | 9783707609257 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 25.09.2026 |
| Größe | 19 x 12 cm |
| Verlag | Czernin |
| Übersetzung | Waltrud Kappeler, Ernst Kappeler |
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| Herstellerangaben | Anzeigen Czernin Verlags GmbH Kupkagasse 4/3 | AT-1080 Wien office@czernin-verlag.com |
Klaus Nüchtern in FALTER 41/2026 vom 07.10.2026 (S. 34)
Die Geburtsstunde der Ökologiebewegung wird gerne auf den 27. September datiert. An jenem Tag kam vor 64 Jahren „Silent Spring“ in die Läden. Das Buch der US-amerikanischen Biologin und Wissenschaftsjournalistin Rachel Carson löste ein aufmerksamkeitsökonomisches Beben und eine breite Debatte über DDT aus, dessen Einsatz Carson als wesentliche Ursache für das Vogelsterben und den „stummen Frühling“ ausgemacht hatte. Das Insektizid wurde 1972 in Deutschland und den USA verboten, Carsons Buch zu einem Millionenbestseller.
Bereits in den 1930er-Jahren hatte die studierte Zoologin als Mitarbeiterin für die US-Fischereibehörde angeheuert und für diese die Radioserie „Romance Under the Waters“ gestaltet. Die Verbindung von wissenschaftsbasierter Aufklärung mit literarischem Erzählen sollte auch ihre Meeres-Trilogie auszeichnen, die Carson zu einer Pionierin des seit Jahren wieder boomenden Genres des Nature Writing machen sollte. Von den Bänden „Under the Sea-Wind“ (1941), „The Sea Around Us“ (1950) und „The Edge of the Sea“ (1955) ist nun der erste Band, „Unter dem Meerwind“, in der Übersetzung von 1947 neu aufgelegt worden.
Als „Reihe von beschreibenden Erzählungen“ bezeichnet Carson im Vorwort ihr in drei Bücher und 15 Kapitel gegliedertes Opus, das als unverzichtbaren Anhang ein 40 Seiten starkes Glossar mit über 120 Einträgen enthält. Es stellt Lesern ohne Zoologiestudium all die Tiere und Tierchen vor, die durch Carsons Text schwimmen, kreuchen und fleuchen: von Aurelia, Bryozoa und Copepoden bis zu Sturmtaucher, Tintenfisch und Winkerkrabbe.
Bereits über 80 Jahre hat „Unter dem Meerwind“ auf dem Wellenkamm, man mag es kaum glauben. Zwar konnte Carson neben eigenen Beobachtungen und Erfahrungen auch auf das Wissen von Fachkollegen zurückgreifen; dennoch drängt sich die Frage auf, woher sie in einer Ära, in der GPS-Sender, High-Speed-Kameras und Drohnen noch Science Fiction waren, den Zug der Sanderlinge von Patagonien in die Arktis oder jenen der Aale von den Flüssen Europas in die Sargassosee dermaßen genau und eindringlich zu erfassen vermochte.
Durch die hohe Informationsdichte läuft „Unter dem Meerwind“ allerdings auch Gefahr, den Lektürefluss erheblich zu bremsen. So beeindruckend präzise diese „beschreibenden Erzählungen“ auch sind, so laborieren sie doch an einer heftigen Deskriptivitis, sodass der Blick aufs Wesentliche durch die vielen Details, Exkurse und Abschweifungen immer wieder abgelenkt wird. Begibt sich etwa das Sanderlingweibchen Silverbar auf Jagd, liest sich das so: „Während sie die Blasen beobachtete, entging ihrem scharfen Auge nicht, dass im wälzenden Aufruhr der Brandung eine Welle aufstand. Sie maß die Geschwindigkeit des Wasserwalles ab, wie er, sich überstürzend, die Küste heraufrollte. Über den tieferen Untertönen der wandernden Flut hört sie das lichtere Zischen des versprühenden Wellenkammes.“
Ein Pixar-Film wie „Findet Nemo“ ist entschieden stärker plotgetrieben als „Unter dem Meerwind“. Und auch wenn bei Carson einzelne Protagonisten mit Eigen-, Gattungs- oder ihrem Namen in Inuit-Sprache vorgestellt werden – Makrele Scomber, Eisente Old Squaw, Rabe Tullugak – ließe sich anhand dieser Akteure keine Handlung nacherzählen. Meeräsche Mugil kriegt überhaupt nur einen winzigen Cameo-Auftritt, wird sie doch bereits nach drei Zeilen vom Fischadler Pandion gekillt.
Erstaunlich modern wirkt Carson dort, wo sie ihre Beobachtungen im Kontext menschlicher Zivilisation – der Schifffahrt und des Fischfangs – historisch präzise verortet, ohne den Mythos von der unberührten Wildnis zu bemühen. Etwas altvatrisch und pathetisch hingegen mutet die Beschwörung des ewigen Kreislaufes der Natur an, der „durch Jahrhunderte und ganze Zeitalter hindurch“ währt, wohingegen „große menschliche Reiche aufsteigen und zu Staub zerfallen“. Und die finale Einsicht, dass alle Küsten überflutet, Menschen und Städte wieder der See gehören werden, hat in Zeiten des Klimawandels nichts von der Tröstlichkeit, die Carson hier anzubieten scheint.
„Unter dem Meerwind“ liest sich mitunter wie die lyrische Audiodeskription zu einer epischen „Universum“-Folge. Das ist immer wieder mühsam, mitunter aber auch ein poetisches, an Homer’sche Epitheta gemahnendes Vergnügen – etwa wenn der Schwertfisch sein „schwachkiefriges Maul“ aufsperrt, „breitflügelige Habichte“ am Firmament kreisen oder das „scharfhufige Karibu“ durch die Tundra schnürt, deren „Kleid mit vielen Blumen bestickt“ ist.
Mitunter bedarf es aber gar keines poetischen Aufwandes, um den Lesern ein Szenario von filmischer Eindringlichkeit vors geistige Auge zu zaubern: „Scomber […] sah vor sich im silberbesprenkelten Dunkel einen unbestimmten Schein […]. Der ganze von Makrelen bedeckte Raum erglomm in dämmrigem Licht, denn bei jeder Bewegung stießen die Fische mit den Myriaden lichtspendender Tiere zusammen, die das Wasser erfüllten.“
Dass der Verlag es nicht der Mühe für wert befunden hat, die über 80 Jahre alte Übersetzung von Waltraud und Ernst Kappeler wenigstens überarbeiten zu lassen, stellt allerdings eine unentschuldbare Nachlässigkeit dar. Bizarre Wortfindungen – „Aale festeten nun königlich in dieser Nacht“; Sanderlinge überfliegen die „schneegespiesenen Seen“; in der Arktis „waren viele […] gepelzte Jäger unterwegs“ – wären unschwer zu tilgen gewesen. Vor allem aber hätte man die zoologisch peinlich inkompetente Terminologie bereinigen müssen: Der „Geierfalke“ ist ein „Gerfalke“, und wenn Walfische durch die Ozeane ziehen, rotiert Rachel Carson in ihrem Grab.
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