Das Management der Flüchtlingskrise

Never let a good crisis go to waste
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Kurzbeschreibung des Verlags:

Das Buch beruht auf der Auswertung von 39 Interviews mit Expertinnen und Experten und drei Kurzworkshops. Es beschreibt das österreichische Management der Durchreise von rund 900.000 Flüchtenden zwischen Ende August 2015 und Anfang Februar 2016 (Transitkrise). Hierbei werden ausgewählte Schauplätze dargestellt (Salzburg, Burgenland, Wien, „Siebenerlage“ – das zentrale Besprechungssystem des Krisenmanagements).
Es wird auch auf die sich im Frühsommer 2015 zuspitzende Krise im Bereich des Asylwesens und der Grundversorgung eingegangen. Die Rolle des „Pluralen Sektors“ (vor allem NGOs, Zivilgesellschaft) findet besondere Berücksichtigung.
Es wird herausgearbeitet, dass verschiedene Formen von Selbstorganisationsprozessen eine hohe Bedeutung hatten. Aus den empirischen Ergebnissen wird der Begriff „Ultrakomplexe Krisen“ abgeleitet und anhand von 20 Merkmalen beschrieben. Zum Management Ultrakomplexer Krisen werden konkrete Vorschläge erstattet.
Im Rahmen der Flüchtlingskrise traten nicht nur die Stärken des Öffentlichen und des Pluralen Sektors zutage, sondern auch die Schwachstellen in der Organisation des Staates und seiner Verwaltungen. Damit beschäftigt sich der Schlussteil des Buches.

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FALTER-Rezension

Das Pandemiemanagement -ein Systemversagen? Für die endgültige Aufarbeitung der Corona-Krise ist es noch zu früh. Verwaltungsexperte Wolfgang Gratz hat eine andere, weitreichende Krisensituation wissenschaftlich aufgearbeitet: die Flüchtlingskrise 2015, die er neutral und sehr gut "Transitkrise" tauft. Aufschlussreich -auch für die Gegenwart.

Barbaba Tóth in Falter 46/2021 vom 19.11.2021 (S. 24)


Danke, Zivilgesellschaft

„Flüchtlingskrise“, „Asylkrise“: Die Ereignisse, die Österreich seit September 2015 bewegen, haben verschiedene Namen. Wolfgang Gratz, Autor der ersten wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Krisenmanagement des Landes, nennt sie, neu­tral und sehr passend, „Transitkrise“. Gratz hat in den letzten Monaten die Ergebnisse von 39 Interviews mit Expertinnen und Experten und drei Kurzworkshops ausgewertet. Hochrangige Landes- und Bundesbeamte, Vertreter der Zivilgesellschaft und der Hilfsorganisationen und Journalisten waren dar­unter. Er hat sich angeschaut, wie wichtig die sogenannte „Siebenerlage“ im Innenministerium war – eine Runde von Spitzenbeamten betroffener Ressorts – und warum im Burgenland die Durchreise von hunderttausenden Flüchtlingen besser funktionierte als in der Steiermark. Gratz leistet also, was das System Politik in den seltensten Fällen schafft: ihr eigenes Handeln zu reflektieren.
Rückblickend stimmten Gratz’ Gesprächspartner überein, dass Österreich spätestens ab November ähnlich wie Deutschland die Einreise geordneter hätte gestalten können und müssen. Die Bilder von Flüchtlingen, die sich in großen Gruppen über die grüne Grenze aufmachten und durch Ortschaften marschierten, ängstigten und verunsicherten am meisten. Während Deutschland schon 50 Personen pro Übergang und Stunde erfasste, inklusive Fingerabdrücken und Befragung durch Dolmetscher, wurden in der Steiermark nur einseitige Formulare handschriftlich ausgefüllt, in Kärnten Namenslisten aus Slowenien nur stichprobenartig überprüft.
Mit ein Grund für die gute Organisation der Transitkrise im Burgenland Anfang September waren die Erfahrungen der Polizei und des Roten Kreuzes mit dem Nova-Rock-Festival, bei dem alljährlich 150.000 Besucher an einem Wochenende einfallen. Immer wieder bestätigen Gratz’ Gesprächspartner, dass aus der Zentrale in Wien (also dem Innenministerium) keine Weisungen kamen. Auch in Wien und in Salzburg klappte das Krisenmanagement, vor allem, weil es eine „guiding coalition“ zwischen den offiziellen Katastrophenmanagern und den NGOs gab – auf Augenhöhe. Interessant ist auch, was die Spitzenbeamten über das Krisenmanagement der EU-Staatschefs im November 2015 erzählten. Extrem flach sei es gewesen, über SMS und Telefonate direkt am Handy.
Die Stimmung kippte mit dem Jahreswechsel. Gratz macht dafür die anhaltende Praxis des „Durchwinkens“ und das Fehlen einer geordneten Krisenkommunikation in der Regierung verantwortlich. Die Boulevardmedien reagierten mit Schlagzeilen wie aus der Kriegsberichterstattung. „Heeres-Geheimplan: Großoffensive gegen illegale Einwanderer“, „Kanzler: Österreich wird keinem Druck weichen“ oder „Minister einig: Österreich völlig dicht machen“ titelte die Krone im April 2016.
All das erzeuge eine „Geschichtslosigkeit“, offen für Manipulationen. Die im Herbst so willkommenen Helfer befänden sich jetzt unter Rechtfertigungsdruck, und „Durchwinken“ sei plötzlich das Fehlverhalten der anderen.

Barbaba Tóth in Falter 24/2016 vom 17.06.2016 (S. 21)


Danke, Zivilgesellschaft

„Flüchtlingskrise“, „Asylkrise“: Die Ereignisse, die Österreich seit September 2015 bewegen, haben verschiedene Namen. Wolfgang Gratz, Autor der ersten wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Krisenmanagement des Landes, nennt sie, neu­tral und sehr passend, „Transitkrise“. Gratz hat in den letzten Monaten die Ergebnisse von 39 Interviews mit Expertinnen und Experten und drei Kurzworkshops ausgewertet. Hochrangige Landes- und Bundesbeamte, Vertreter der Zivilgesellschaft und der Hilfsorganisationen und Journalisten waren dar­unter. Er hat sich angeschaut, wie wichtig die sogenannte „Siebenerlage“ im Innenministerium war – eine Runde von Spitzenbeamten betroffener Ressorts – und warum im Burgenland die Durchreise von hunderttausenden Flüchtlingen besser funktionierte als in der Steiermark. Gratz leistet also, was das System Politik in den seltensten Fällen schafft: ihr eigenes Handeln zu reflektieren.
Rückblickend stimmten Gratz’ Gesprächspartner überein, dass Österreich spätestens ab November ähnlich wie Deutschland die Einreise geordneter hätte gestalten können und müssen. Die Bilder von Flüchtlingen, die sich in großen Gruppen über die grüne Grenze aufmachten und durch Ortschaften marschierten, ängstigten und verunsicherten am meisten. Während Deutschland schon 50 Personen pro Übergang und Stunde erfasste, inklusive Fingerabdrücken und Befragung durch Dolmetscher, wurden in der Steiermark nur einseitige Formulare handschriftlich ausgefüllt, in Kärnten Namenslisten aus Slowenien nur stichprobenartig überprüft.
Mit ein Grund für die gute Organisation der Transitkrise im Burgenland Anfang September waren die Erfahrungen der Polizei und des Roten Kreuzes mit dem Nova-Rock-Festival, bei dem alljährlich 150.000 Besucher an einem Wochenende einfallen. Immer wieder bestätigen Gratz’ Gesprächspartner, dass aus der Zentrale in Wien (also dem Innenministerium) keine Weisungen kamen. Auch in Wien und in Salzburg klappte das Krisenmanagement, vor allem, weil es eine „guiding coalition“ zwischen den offiziellen Katastrophenmanagern und den NGOs gab – auf Augenhöhe. Interessant ist auch, was die Spitzenbeamten über das Krisenmanagement der EU-Staatschefs im November 2015 erzählten. Extrem flach sei es gewesen, über SMS und Telefonate direkt am Handy.
Die Stimmung kippte mit dem Jahreswechsel. Gratz macht dafür die anhaltende Praxis des „Durchwinkens“ und das Fehlen einer geordneten Krisenkommunikation in der Regierung verantwortlich. Die Boulevardmedien reagierten mit Schlagzeilen wie aus der Kriegsberichterstattung. „Heeres-Geheimplan: Großoffensive gegen illegale Einwanderer“, „Kanzler: Österreich wird keinem Druck weichen“ oder „Minister einig: Österreich völlig dicht machen“ titelte die Krone im April 2016.
All das erzeuge eine „Geschichtslosigkeit“, offen für Manipulationen. Die im Herbst so willkommenen Helfer befänden sich jetzt unter Rechtfertigungsdruck, und „Durchwinken“ sei plötzlich das Fehlverhalten der anderen.

Barbaba Tóth in Falter 24/2016 vom 17.06.2016 (S. 21)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783708311074
Erscheinungsdatum 07.06.2016
Umfang 221 Seiten
Genre Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft
Format Taschenbuch
Verlag NWV Verlag
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