Wer redet von der Reinheit?

Eine kleine Begriffsgeschichte
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Kurzbeschreibung des Verlags:

Reinheit ist unverzichtbar – als Wunsch, als Ideal, als Forderung. Und sie ist imaginär: In der sozialen Wirklichkeit und in der Biologie ist sie Fiktion. Trotzdem ist Reinheit eine machtvolle religiöse und moralische Kategorie, im Mittelalter ebenso wie in der Gegenwart. Mit welchen Slogans, Bildern und Erzählungen wird sie wirksam gemacht – und als Verkaufsargument eingesetzt?
Von den Predigten der Bettelorden vor 600 Jahren bis zu den Werbekampagnen von heute gibt es kaum ein Feld, das ohne Berufungen auf Reinheit auskommt. Vom reinen Gewissen bis zum naturreinen Bio-Saft dient der Begriff dazu, Ursprünglichkeit und Auserwähltheit, moralische Überlegenheit und vermeintliche Unvermischtheit zu behaupten. Wie funktioniert das? Woher kommen die Bezugnahmen auf die Reinheit, und was soll mit ihnen zum Verschwinden gebracht werden? Der Historiker Valentin Groebner begibt sich auf die Suche nach den Ursprüngen dieser Schlagworte. Willkommen in der Welt der Saubermänner: eine schmutzige Ideengeschichte.

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FALTER-Rezension

Eine kleine Kulturgeschichte der Reinheit

Wer redet von Reinheit? Die Frage auf dem Titelblatt lässt sich nach der Lektüre der Begriffsgeschichte des Historikers Valentin Groebner leicht beantworten: Alle reden von Reinheit. Oder fast alle. Kulturwissenschaftler wie Groebner zum Beispiel nicht mehr. Der Begriff „Reinheit“ sollte, schreibt er, nach den Theoriebildungen der letzten Jahrzehnte ebenso wie „Rasse“ und „Volksgeist“ schon längst „in die unterirdische Mülldeponie gewandert sein“. Warum Reinheit als Konzept im 21. Jahrhundert – besonders in der Werbung – nach wie vor so erfolgreich ist, will Groebner in dieser kurzen Abhandlung zeigen.

Groebner, Professor für Geschichte des Mittelalters und der Renaissance an der Universität Luzern, analysiert die Bedeutung von Reinheit in unterschiedlichen Epochen und arbeitet Analogien heraus. Zum Beispiel erklärt er die Farbwahl der Kosmetikmarke Nivea. Diese übernahm damit „die traditionelle Farbsymbolik der Marienbilder“, wie Groebner schreibt. Die reine Jungfrau als Patin für eine Handcreme.

Besonders interessant ist der Bogen, den Groebner von der Geschichte der Bettelorden im 12. und 13. Jahrhundert in die Gegenwart spannt. In dieser Zeit des wissenschaftlichen Aufbruchs, der Urbanisierung und des wachsenden Wohlstands in Europa entstanden der Dominikaner- und der Franziskaner-Orden. Die einzelnen Mönche durften zwar selbst nichts besitzen, die Orden als Organisationen jedoch bauten in großer Geschwindigkeit ein riesiges Netz an Klöstern und Wissenszentren auf.

Ihr Erfolg, schreibt Groebner, beruhte nicht auf „persönlicher Armut als Reinheit“, sondern auf einer „effizienten Symbiose mit der kapitalistischen Geldwirtschaft ihrer Epoche“. Damals wie heute habe man verstanden: „Reinheit ist gut für den Verkauf.“

Groebner bietet in seinem Buch, was er ankündigt: eine kleine Begriffsgeschichte. Bisweilen dauert es ein paar Seiten zu lang, bis der Autor auf den Punkt kommt, in Summe ist es aber ein lehrreicher Streifzug durch die Jahrhunderte, wobei die Beschäftigung mit der Werbeindustrie dominiert.

Stefanie Panzenböck in Falter 41/2019 vom 11.10.2019 (S. 36)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ReihePassagen Gesellschaft
ISBN 9783709203590
Erscheinungsdatum 01.04.2019
Umfang 108 Seiten
Genre Geschichte/Kulturgeschichte
Format Taschenbuch
Verlag Passagen
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