Jahre im Feuer: Die Zerstörung der Ukraine

212 Seiten, Hardcover
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Themen Biographie, Literatur und Literaturwissenschaft Biografien und Sachliteratur Veröffentlichte Tagebücher, Briefe, Notizbücher
ISBN 9783709982853
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 16.07.2026
Größe 20.5 x 12.5 cm
Verlag Haymon Verlag
Übersetzung Rebecca DeWald
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Kurzbeschreibung des Verlags

Aufzeichnungen aus der Ukraine Andrej Kurkows schonungsloses, zutiefst menschliches Porträt einer vom Krieg neu geformten Nation Im Februar 2022 begann der russländische Angriffskrieg auf die Ukraine. Seither sind über vier Jahre vergangen. Andrej Kurkows journalistische Texte, Notizen und Tagebucheinträge zeigen die Erlebnisse der Ukrainer*innen im dritten Kriegsjahr – niedergeschrieben in seiner Heimat Kyjiw, auf seinen Reisen durch das ganze Land und Europa. Kurkow beschreibt die Momente des Grauens, der Widerstandskraft, der Absurdität und Armut. Er hält den zum Alltag gewordenen Ausnahmezustand fest: Kinder, die nur mit kugelsicheren Westen zur Schule dürfen; Soldaten, die Haikus schreiben; die siebzehnjährige Kröte eines Generals, die zum ikonischen Symbol des Trotzes wird. Und unter einem Kirschbaum vergraben wird das letzte Tagebuch eines ermordeten Schriftstellers geborgen – ein großes Echo einer zum Schweigen gebrachten Stimme. Der bekannteste Autor aus der Ukraine berichtet über den anhaltenden Krieg in seinem Land Von der Heimatfront bis zu den Schützengräben fängt Andrej Kurkow die Rhythmen des Überlebens ein: die stillen Rituale, die unwahrscheinlichen Freuden, die entsetzlichen Kosten. Menschen verlieren Menschen. Jeden einzelnen Tag. So viel wurde ausgelöscht – ganze Häuser, ganze Städte –, doch der Wille der Ukrainer*innen bleibt ungebrochen. Kurkow bringt die menschlichen Schicksale in den Fokus, den Kampf der Ukrainer*innen um Leben und Kultur, er schreibt über historische Kontinuitäten und nicht zuletzt über den Glauben an die Hoffnung und an die Zukunft einer freien Ukraine.

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Themen Biographie, Literatur und Literaturwissenschaft Biografien und Sachliteratur Veröffentlichte Tagebücher, Briefe, Notizbücher
ISBN 9783709982853
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 16.07.2026
Größe 20.5 x 12.5 cm
Verlag Haymon Verlag
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FALTER-Rezension

Ein Tagebuch des alltäglichen Irrsinns und der irren Alltäglichkeit

Tessa Szyszkowitz in FALTER 29/2026 vom 15.07.2026 (S. 17)

Auch in der Ukraine treibt die Hitzewelle im Sommer die Urlauber und Urlauberinnen an den Strand. Bloß: Es gibt nur noch zwei Strände, die sicher genug sind. Und auch das ist in Zeiten des russischen Angriffskrieges ein relativer Begriff. "Mykolajiw ist näher an der Krim und deshalb gefährlicher", notiert der Autor in seinem Tagebuch.
Andrej Kurkow ist nicht nur einer der witzigsten und wichtigsten ukrainischen Schriftsteller der Gegenwart. 1999 wurde er mit dem Roman "Picknick auf dem Eis" im deutschsprachigen Raum bekannt. Heute ist Kurkow längst Chronist des Krieges Russlands gegen die Ukraine geworden. 2014, zu Zeiten des Euromaidan, der prodemokratischen Proteste in Kyjiw, und der russischen Übernahme der ukrainischen Halbinsel Krim, veröffentlichte er den ersten Teil seiner Tagebücher, die er seit Jahrzehnten führt. 2022 kam auf Deutsch Teil zwei heraus, das "Tagebuch einer Invasion" über den russischen Angriff auf Kyjiw.

Jetzt folgt der dritte Teil: "Jahre im Feuer. Die Zerstörung der Ukraine." Das Tagebuch beginnt im Frühling 2024 mit der Nachricht, dass Casinos immer öfter damit werben, dass sie ihre Gewinne an die ukrainische Armee spenden, um Drohnen zu kaufen. "Wenn ich von diesen Spenden erfahre, verblassen meine Vorbehalte gegenüber den Gefahren, die das Glücksspiel birgt", schreibt Kurkow.

Seine Einträge sind thematisch strukturiert, nicht bloß persönliche Alltagsgeschichten. Viele der Texte wurden auf Englisch schon einmal in der Kyiv Post oder auch The Sunday Times publiziert. Das erste Kapitel ist eine Abhandlung über die Spielsucht, die in Zeiten des Krieges Soldaten wie Zivilbevölkerung erfasst hat.

So wird das Leben in der Ukraine unter den Bedingungen des Krieges mit all seinem alltäglichen Irrsinn und seiner irren Alltäglichkeit greifbar. Russische Agenten etwa, schreibt Kurkow, durchforsten soziale Medien, um ukrainische Teenager zu finden, die sie für Sabotageaktionen in Kyjiw anheuern können. 450 Euro gibt es als Belohnung, wenn ein Jugendlicher das Auto eines ukrainischen Militärangehörigen in Brand setzt. Eine Mutter, die gemeinsame Sache mit ihrem Sohn gemacht hatte, gab bei ihrer Verhaftung zu Protokoll, sie habe leider große Schulden, die sie nur so abbezahlen könne.

Nacht für Nacht lassen russische Drohnen und Raketen über Kyjiw Bomben fallen. Wohngebäude zerbersten, Menschen sterben. Eines Nachts erhellt eine Explosion den Nachthimmel über Kurkows Wohnung. Erst fünf Sekunden später hört er die Explosion. Er will wissen, wie weit entfernt der Einschlag liegt und fragt auf X nach. 1,7 Kilometer entfernt, lautet die Antwort. Die Schallgeschwindigkeit beträgt 343 Meter pro Sekunde. Kurkow schreibt: "Merken Sie sich das, vielleicht werden Sie es noch einmal brauchen."

Das Tagebuch endet im September 2025. Seitdem hat die Ukraine mittels der eigenen hochentwickelten Drohnenindustrie Russland an der Front aufgehalten.

Für viele Familien aber ändert das nichts an ihrer Tragödie: "In diesem Krieg kam es schon oft vor, dass nicht die Kinder das Erbe ihrer Eltern fortsetzen, sondern dass Eltern und Angehörige das Werk ihrer verstorbenen Kinder weitertragen." Kurkow selbst verbringt mit seiner Familie immer noch viel Zeit in der Ukraine. All seine Ironie kann den Kummer über den sinnlosen Krieg nicht verbergen: "Manchmal gibt es zwangsläufig keine Fortsetzung, nur einen tiefschwarzen Schlusspunkt."

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