Einblicke in ein Land zwischen allen Fronten
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Kurzbeschreibung des Verlags:

Die vielfach ausgezeichnete Auslandsreporterin Antonia Rados bereist seit über 40 Jahren Afghanistan. Sie war mittendrin: von der Zeit der sowjetischen Besatzung über den Bürgerkrieg zwischen Milizen und der ersten Herrschaft der Taliban bis zum „Krieg gegen den Terror“ und dem westlichen Einsatz ab 2001. Auf dutzenden Reisen erkundete sie Hintergründe und Vorgänge, die im Westen oft verborgen bleiben, sprach mit Kriegsherren, Stammesführern und Präsidenten, übernachtete bei afghanischen Familien und erlebte Gastfreundschaft ebenso wie Angst vor Entführungen.
Seit dem Sturm der Taliban und dem Rückzug des Westens fragen sich viele: Wie konnte es dazu kommen? Rados zeigt: Das Debakel begann viel früher. Ihr tiefer Einblick in das Land macht deutlich, warum Afghanistan zum Schlachtfeld der Weltpolitik wurde – und mehr mit uns zu tun hat als oft angenommen.

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FALTER-Rezension

Cappuccino in Kabul

Die erste Reise nach Afghanistan ist vor allem eines: eine rare berufliche Chance. Es ist 1980, Antonia Rados arbeitet beim ORF als Reporterin, und jungen Frauen wird selten die Möglichkeit gegeben, aus dem Ausland zu berichten. In Kabul herrscht ein kommunistisches Regime, 1979 war die Sowjetunion einmarschiert, um die örtlichen Machthaber "brüderlich" zu unterstützen. Im Flieger nach Kabul sitzt Rados mit ihrem Tontechniker und Kameramann alleine im Flugzeug, die Stewardess serviert Tee. Rados wird 40 Jahre lang immer wieder nach Afghanistan zurückkehren.
Auf 327 Seiten hat die Journalistin, die nach ihrer Zeit beim ORF 25 Jahre lang Auslandskorrespondentin für die RTL-Gruppe in Deutschland war, ihre Reisen an den Hindukusch festgehalten. "Afghanistan von innen. Wie der Frieden verspielt wurde" heißt das Buch. Wobei der Untertitel ein bisschen zu viel verspricht.

Denn das Buch gibt vor allem Einblicke in die Arbeit von Rados. Wie die Reporterin in den 1980er-Jahren noch darauf hoffen musste, dass der "Telex"-Raum im Hotel Intercontinental nicht gerade von Kollegen gebraucht wurde, wenn sie ihre Beiträge nachhause schicken wollte. Wie sie ihr Kameramann dann 2011 selbstverständlich per SMS darüber informierte, dass er sich in der Dusche verstecke, weil er einen Angriff der Taliban auf das Hotel in Kabul befürchte. Wie sie auf ihrer ersten Reise in der Chicken Street in Kabul beim Händler einen Teppich kaufen muss, weil eine Verabredung geplatzt ist und sie nicht auffallen darf. Wie sie die Filmkassetten im Stiefelschaft versteckt, um sie nach Pakistan zu schmuggeln. Wie der Gouverneur in Dschalalabad 1992 erklärt, er wolle Bildung für die Frauen, weil er mit zwei Analphabetinnen verheiratet sei und die dritte das nicht mehr sein solle.

Einmal stehen spätabends die Taliban in der Hotellobby und verlangen nach Rados: Sie brauchen Aspirin für den Kommandanten und hoffen, bei der Ausländerin Tabletten zu finden. Ein anderes Mal verläuft die Begegnung mit den Taliban feindseliger: Gerade noch schafft Rados es 2008 aus einem Hinterhof in Kabul hinaus. Sie wollte einen ehemaligen Guantánamo-Häftling interviewen.

Man erfährt, was die Amerikaner nach Luftangriffen für zivile Tote bezahlten, nämlich 1800 Euro. Oder dass ein Kaffeehaus in Kabul Cappuccino als Zeichen des Wandels serviert: "Fortschritt in der Tasse, während 99,9 Prozent der Menschen im Land Teetrinker sind."

Und doch bleiben die Handelnden blass. Über die Menschen in Afghanistan hätte man gern mehr erfahren.

Schicksal der Invasoren

Antonia Rados hat TV-Beiträge gemacht, wo das bewegte Bild und der Ton die Emotion transportiert. Im Text bleibt da eine Lücke. Die eingestreuten geopolitischen Analysen, als Verständniskrücken notwendig, um die Entwicklung über 40 Jahre in Afghanistan einordnen zu können, geraten mitunter sehr holzschnittartig.

Das Buch liefert leicht lesbare Einblicke in ein Land, das immer dann in den Fokus der Welt gerät, wenn wieder etwas passiert ist. Zuletzt vor einem Jahr, als die Taliban Afghanistan zurückeroberten und die internationalen Truppen überhastet Kabul verlassen mussten. Den Invasoren werde es früher oder später wie allen Invasoren ergehen, hatte ein ehemaliger Lehrer einer deutschen Schule Rados schon 1980 erklärt. Sie würden vertrieben werden. Er hatte damit die Sowjets gemeint. Und das Schicksal der Amerikaner vorweggenommen.

Eva Konzett in Falter 33/2022 vom 19.08.2022 (S. 22)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783710606038
Ausgabe 1. Auflage
Erscheinungsdatum 04.07.2022
Umfang 328 Seiten
Genre Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Politik
Format Hardcover
Verlag Brandstätter Verlag
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