Feindbild Frau

Wie Politikerinnen im Netz bedroht, beleidigt und verdrängt werden – und was wir alle dagegen tun können
208 Seiten, Hardcover
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ISBN 9783710609428
Erscheinungsdatum 25.02.2026
Genre Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Gesellschaft
Verlag Brandstätter Verlag
Sammlung Demokratiefeindlichkeit im Netz Unsere Bestseller
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Christian Brandstätter Verlag GmbH & Co KG
Wickenburggasse 26 | AT-1080 Wien
verantwortung@brandstaetterverlag.com
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Kurzbeschreibung des Verlags

Gewaltdrohungen, digitale Hetzkampagnen, hämische Bildmontagen – was nach den dunklen Rändern des Internets klingt, ist für viele Politikerinnen bitterer Alltag geworden. Ingrid Brodnig legt in ihrem neuen Sachbuch schonungslos offen, wie systematische Einschüchterung Frauen aus der politischen Öffentlichkeit drängen soll und was das für unsere Demokratie bedeutet. Sie hat mit Abgeordneten und hochrangigen Politikerinnen aus Deutschland und Österreich gesprochen, dokumentiert konkrete Angriffe und analysiert, wie digitale Gewalt funktioniert – oft angeheizt durch rechte Netzwerke, die Logik von Social-Media-Plattformen und opportunistische Medienmechanismen.
Doch Brodnig geht über die Analyse hinaus: Sie zeigt Wege auf, wie Betroffene sich schützen können – rechtlich, technisch, strategisch. Und sie appelliert an uns alle, als Bürgerinnen und Bürger Verantwortung zu übernehmen. Denn wer schweigt, überlässt das Wort den Lautesten. Ein mutiges, kluges und hochaktuelles Buch – für alle, die Demokratie nicht den Angstmachern überlassen wollen.
Gefördert von der Stadt Wien Kultur

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FALTER-Rezension

"Wir müssen aufpassen, dass das Netz nicht zur Manosphere wird"

Barbara Tóth in FALTER 8/2026 vom 18.02.2026 (S. 20)

In die Falter-Redaktion zu kommen ist für Ingrid Brodnig so, wie wenn sie ihre alte Studentinnen-WG besucht. Sie kennt jeden Winkel -und trifft auf viele alte Kolleginnen und Kollegen. Hier begann sie nach ihrem Studium als Redakteurin mit Schwerpunkt Medien-und Politikthemen. Die Macht der Algorithmen, Verschwörungstheorien und Fake News: Brodnig hatte die gesellschaftspolitischen Folgen des Internets von Anfang an kritisch beobachtet.
Sie ist Zeitzeugin und Aufklärerin der Netz-Revolution. Gerade ist ihr fünftes Buch erschienen. "Feindbild Frau" beschäftigt sich mit Hass im Netz gegen Frauen.

Frau Brodnig, Sie sind 1984 geboren und haben das Netz oder die Entwicklung des Netzes von Anfang an voll miterlebt. Eine Digital Native der ersten Generation. Wann hatten Sie das Gefühl, das Netz hält nicht, was es am Anfang versprochen hat, sondern es kippt?

Ingrid Brodnig: Im Jahr 2015 und 2016.2015 kamen sehr viele Geflüchtete nach Österreich. Es gab damals schon extrem viele Hasskommentare. 2016 erlebten wir dann in Österreich einen sehr langen und heftigen Bundespräsidentschaftswahlkampf. Donald Trump gewann die US-Wahl, begleitet von Falschmeldungen im Internet. Damals sah man schon, wie Debatten verrohen und welchen Anteil Social Media daran haben kann. Da ist was für mich gekippt, es wurde klar: Digitale Plattformen können auch eine Gefahr für die Demokratie sein.

Die digitale Welt im Jahr 2015: Wie sah sie aus?

Brodnig: Noch harmlos, im Vergleich zu heute. Der Riese am Markt war Facebook, es gab Twitter für die Politiknerds. Das war es im Grunde. Heute ist Instagram viel bedeutender geworden. Tiktok ist ganz neu dazu gekommen und hat eine extreme Bedeutung für Jüngere. Elon Musk hat Twitter übernommen, gegen die Wand gefahren und zu einem brutalen Ort gemacht.

Die Debatte über Social-Media-Jugendschutz für Jugendliche hat eben erst begonnen. Warum ist Tiktok für Sie eine Suchtmaschine, vergleichbar mit Nikotin?

Brodnig: Viele Menschen sind unzufrieden mit Social Media. Eine Studie zeigt zum Beispiel, dass dort andere Inhalte viral gehen, als Menschen sich wünschen würden - aber sie nutzen es trotzdem. Sie konsumieren also etwas, aber sind am Ende gar nicht glücklich damit. 70 Prozent der Raucher und Raucherinnen geben an, gerne mit dem Rauchen aufhören zu wollen. Und ich wette, dass viele Social-Media-User und -Userinnen auch sagen: Ich wäre gern weniger auf der Plattform und mag meine Zeit nicht so verplempern mit wütend machenden Inhalten.

Tabakkonzerne haben Nikotin, Tiktok hat Algorithmen?

Brodnig: Natürlich arbeiten Plattformen mit psychologischen Tricks, das wissen inzwischen auch viele. Etwa den Infinite Scroll. Ich wische immer weiter, im Gefühl, es kommt vielleicht noch was Neues. Aber es kommt nichts. Die Plattform soll mir eben nie das Gefühl geben: Du hast jetzt genug Zeit hier verbracht. So wie bei Slot Machines, den einarmigen Banditen, einer Methode der Glücksspielindustrie. Personalisierte Kurzvideos, wie man sie von Tiktok kennt, aktivieren besonders stark das Belohnungssystem im Gehirn. Die Debatte darüber, ob und wie süchtigmachend diese Plattformen sind, ist noch nicht abgeschlossen. Aber es gibt viel Grund zur Sorge. Wenn wir warten, bis man 100 Prozent sicher ist, überlässt man das Feld den großen Plattformen. Das ist in meinen Augen ein zu großes Risiko.

Sie sind für die geplanten Altersbeschränkungen für Social Media, aber wie setzt man sie richtig auf?

Brodnig: Da muss ich relativieren: Am sinnvollsten erscheinen mir harte Auflagen für die Plattformen und ihre Algorithmen - und zwar für alle Altersgruppen. Weil es ja nicht nur jungen Menschen zusetzt, sondern auch älteren. Die Studienlage bei Jugendlichen ist besonders stark. Angst, depressive Zustände, Essstörungen: Das fällt auf. Dieses Ökosystem hat das Silicon Valley geschaffen, den Preis dafür soll die Gesellschaft nicht zahlen müssen.

Die Tech-Konzerne ignorieren meistens Versuche der Politik, sie zu reglementieren. Wie kann Schutz sonst ausschauen?

Brodnig: Auf keinen Fall so wie in Australien. Die überlassen die Altersprüfung den Plattformen, man muss Passfotos hochladen oder Gesicht-Scans machen und schenkt ihnen damit noch mehr Daten. Sinnvoller ist eine eigene Identifikationsmethode, bei der die Plattformen keine Daten bekommen. Viele kennen ja schon ID Austria zur Identifizierung. Auf EU-Ebene wird gerade etwas Ähnliches entwickelt. Das Wichtigste ist für mich, dass Staaten jetzt endlich sagen: Wir gehen das an, wir machen was. Auch wenn es vielleicht nicht auf Anhieb klappt und dabei Fehler passieren. Dieses Signal ist von größter Bedeutung. Wir haben einen Handlungsspielraum, wir wollen das Internet gestalten.

Die EU sendet dieses Signal seit Jahren, aber ihre Regeln greifen nicht. Da verliert man doch Glaubwürdigkeit?

Brodnig: Das wirklich Tragische ist, dass die EU-Kommission ein gutes Werkzeug zur Hand hätte, um die großen Plattformen zu disziplinieren, und zwar den Digital Services Act. Damit kann die EU von den Plattformen Aufklärung darüber einfordern, was sie gegen systemische Risiken machen wie Manipulation, Gewalt gegen Frauen, Demokratie gefährdende Effekte. Die Strafen können bis zu sechs Prozent des weltweiten Umsatzes ausmachen, aber das ist die Theorie. In der Praxis sieht man zu wenig, jetzt erleben wir eine entscheidende Phase: Ist die EU wirklich der Champion der digitalen Rechte, als den sie sich verkauft? Paradoxerweise beschleunigt Donald Trump diese Debatte gerade. Sollte die Union Tech-Konzerne bestrafen, gibt es diese Furcht vor Zöllen. Aber es kann ja nicht sein, dass wir unsere digitalen Grundrechte dem unterordnen. Ich glaube, dass viele Politiker und Politikerinnen das durchaus sehen, weil sie selber massiv von Hass im Netz und Falschmeldungen betroffen sind.

Wir wissen, dass Plattformen negative Emotionen algorithmisch befeuern. Aber woher kommt der eigentliche Hass?

Brodnig: Dazu gibt es viele Studien. Tendenziell sind es eher Männer, politisch Rechtsgerichtete. Das liegt wohl auch an den Feindbildern in dieser Szene: Minderheiten, selbstbewusste Frauen. Dazu kommen individuelle Merkmale. Wer zu Trollverhalten neigt, hat oft sadistische oder psychopathische Züge. Die Anonymität kann auch ein Faktor sein. Wer hetzt, glaubt oft, dass einen niemand findet.

In Ihrem Buch beschreiben Sie das Netz als antifeministische Disziplinierungsmaschine.

Brodnig: Ja, das muss nicht immer ein bewusster Vorgang sein. Ich nutze dafür den Begriff Entitlement. So hat es mir die grüne Politikerin Sigi Maurer für mein Buch geschildert. Männer, die Hasskommentare posten, haben potenziell das Gefühl: Ich habe das Recht, so über eine Politikerin zu schreiben. Menschen können klassische Rollenbilder und stark hierarchische Vorstellungen verinnerlicht haben, ohne dass ihnen das bewusst ist. Am Ende führt es aber dazu, dass sich Frauen zurückziehen: aus der Debatte, von den Plattformen. Die Wissenschaft nennt das "Chilling-Effekt".

Ihr Buch wurde gedruckt, bevor die Epstein-Files veröffentlicht wurden. Was zeigen sie uns?

Brodnig: Am meisten schockiert mich nicht, dass es mächtige Männer gibt, die ihre Macht ausnutzen. Sondern wie gut sie über Branchen hinweg vernetzt sind und wie sie sich gegenseitig helfen, wenn eine Frau gegen sie den Vorwurf der sexuellen Gewalt erhebt. Dann geben Sie sich Tipps, wie man sich gegen eine Reporterin oder das Opfer wehren kann. Auch in Österreich ist die Gefahr, dass wir schnell beginnen, das Opfer zu hinterfragen. Denken wir an den Fall der Medizinerin Lisa-Maria Kellermayr, die Suizid beging, nachdem sie ganz heftig bedroht wurde. Auch da gab es im Nachhinein Relativierungen: Die war halt nicht stark genug, die hätte das schon aushalten müssen. Darum zitiere ich auch jene E-Mails, mit denen sie bedroht wurde. Wenn man das liest, weiß man, das ist nichts, was ein Mensch aushalten muss.

Aktuell erleben wir andere Formen des Hasses: Bilder und Videos, in denen Frauen sexualisiert und erniedrigt werden, mit KI generiert. Wieder fehlen Gesetze dagegen.

Brodnig: In Deutschland gibt es sogar die Forderung eines neuen Tatbestandes, der gezielt auf die sexualisierte Erniedrigung mit KI-Bildern abstellt. Zwar haben wir das Recht am eigenen Bild, das helfen kann. Aber ein Tatbestand, der wirklich die Schwere des Rechtsbruches abbildet, wäre schon interessant. Nachdem mit der KI Grok auf X massenhaft Frauen und Kinder bis auf die Unterwäsche ausgezogen wurden, drohte Großbritannien damit, X zu blockieren. Erst dann griff Elon Musk ein, nicht ohne davor etwas von Meinungsfreiheit zu schwafeln. Was haben Kindesmissbrauchsdarstellungen, die von Pädokriminellen erstellt wurden, mit Meinungsfreiheit zu tun?

Eine Botschaft von Ihnen ist: Frauen, auch wenn die digitale Sphäre verroht ist, lasst euch nicht zurückdrängen. Sie selbst waren aber Teil einer Gruppe starker Accounts, die X verlassen haben und zu Bluesky gewechselt sind. Ist das nicht ein Widerspruch?

Brodnig: Das ist eine berechtigte Frage. Wir sehen ja solche Verdrängungseffekte. Eine norwegische Studie zeigt, dass hasserfüllte Kommentare 42 Prozent der Frauen vorsichtiger werden lassen im Posten, aber nur 16 Prozent der Männer. Gleichzeitig muss man sich überlegen: Welcher Ort ist dermaßen verwahrlost, dass ich ihn mit meiner Anwesenheit nicht mehr bereichern will? Ich habe null Bedürfnis, auf X zurückzukehren. Ich muss mitlesen, als Journalistin und Expertin, das reicht mir. Ich würde mir wünschen, dass alle Parteien aus Solidarität mit den Frauen X verlassen. Wir müssen als Gesellschaft aufpassen, dass wir die Frauenstimmen im Netz nicht verlieren und es zu einer Manosphere wird.

Sie selbst werden als Expertin und Public Intellectual immer wieder attackiert. Wie geht man am besten mit Hass um?

Brodnig: Viele Botschaften sind zum Glück zu jenseitig, so absurd, sodass ich sie gut wegspielen kann. Einmal hat mir jemand geschrieben: "Brodnig hat enorm viel Sand in ihrer Vagina." Die deutsche Politikerin Anke Domscheit-Berg wurde von einem Mann als "Fischvotze" beleidigt. Die gleiche Formulierung schickte er auch einer anderen Frau. Das heißt: Die Beleidigungen und die Opfer sind oft austauschbar. Es geht nie um einen persönlich. Man ist ein Symbol, ein Blitzarbeiter. Das hilft auch beim Abgrenzen.

Was hilft noch?

Brodnig: Solidarität. Deswegen poste ich manchmal besonders absurde Beleidigungen und andere reagieren. Damit zeigen wir einander: Das ist nicht unser Weltbild.

Sie sind der erste Jahrgang der Digital Natives. Ihr erstes Smartphone kauften Sie sich als Studentin. Kinder bekommen ihres heute oft schon in der vierten Klasse Volksschule. Wie würden Sie es machen?

Brodnig: Ich würde empfehlen, Bildschirmgebrauch so weit wie möglich hinauszuzögern. Und wenn die Kinder am Screen sind, immer im Gespräch zu bleiben über das, was die Kinder dort erleben. Viele wissen nicht, dass Roblox beispielsweise eine Spiel-Plattform ist, die von Pädokriminellen verwendet wird, um in Kontakt mit Kindern zu kommen. Die kaufen sich dann besonders coole Skins, locken die Kinder in eigene Chats, um sie dort dann zu überreden, sich auszuziehen und Fotos zu schicken und zu erpressen. Da gibt es Horrorszenarien. Wichtig ist, dass sich Kinder anvertrauen, wenn sie Schlimmes erleben. Am meisten Sorge machen mir jene Kinder, die niemanden haben, mit dem sie über so etwas reden können.

Hassbotschaften, Falschmeldungen, immer mehr KI-Slop, also KI-generierter Dreck im Netz: Kann es sein, dass sich das Netz gerade selbst zerstört und der Höhepunkt der sozialen Medien bereits hinter uns liegt?

Brodnig: Es gibt ein großes gesellschaftliches Aufwachen. Die fröhliche Anfangszeit ist vorbei. Der Jugend-Internet-Monitor von Safer Internet zeigt, dass Jugendliche zurückhaltender werden - auch wenn die Nutzung immer noch sehr hoch ist. Krawall und Aggression stoßen manche schon ab. Mit dem billig produzierten KI-Slop gefährden die Plattformen gerade ihr eigenes Angebot. Ich vermute: Sie pushen KI-Inhalte, damit die Plattform weiter lebendig bleibt, damit es gar nicht so auffällt, wenn Menschen selbst immer weniger posten.

Und weil sie merken, dass, wenn sie einmal ein Problem mit Phishing oder Hass haben, das Service der Plattformen nicht funktioniert?

Brodnig: Genau. Man muss sich schon sehr gut auskennen, wenn man etwas gekonnt melden will. Etwa immer eine Prüfung nach dem nationalen Gesetz melden, nicht nach den internen Regeln. Oder Trusted Flagger informieren, also Institutionen wie Rat auf Draht, Zara, deren Meldungen bevorzugt behandelt werden. Für mein Buch hat mir die deutsche Medienanwältin Jessica Flint erzählt, dass sie ihre Hassrede-Meldungen per Video dokumentieren, weil im Prozess die Tech-Anwälte schon behauptet haben, sie hätten eine Meldung gar nicht bekommen. Da kommen die frappierendsten Argumente. Das ist ganz sicher nicht das Social-Media-Universum, in dem wir leben wollen.

Das nette Internet der frühen Jahre, nach dem sich jetzt so viele zurücksehnen: Sehen Sie irgendeine Chance, dass das wieder einmal zurückkommt?

Brodnig: Doch, ich glaube schon. Die netten Seiten sind ja nach wie vor da. Wikipedia ist ein Erfolgsprojekt. Viele Menschen sind mittlerweile auch unzufrieden mit den aktuellen Angeboten. Die großen Tech-Firmen wollten uns erklären, das, was sie präsentieren, ist Social Media. Das war ein Bluff. Es kann auch ein Social Media geben mit weniger Krawall, ohne Algorithmen, die den Krawall und Hass pushen. Digitale Gewalt wird es immer geben. Aber als Gesellschaft lernen wir dazu. Deswegen glaube ich, dass wir neue digitale Räume finden werden, in denen wir wirklich miteinander im Austausch sein können.

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